Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 218
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Dänische Eisenbahnen.

Der Staat behält sicli in der Regel das
Recht vor, die Bahnen nach Ablauf von
25 Jahren zu übernehmen, u. zw. entweder
gegen Erstattung des nachweislich verwendeten
Anlagekapitals oder gegen Zahlung des zwanzig-
fachen Reingewinns, berechnet nach dem
Durchschnitt der letzten 3 bis 5 Betriebsjahre
vor Beginn des Jahres, in dem die Absicht
auf Verstaatlichung ausgesprochen wurde. Die
Entscheidung darüber, welche Art der Über-
nahme er anwenden will, liegt allein in Händen
des Staates, er ist auch berechtigt, wenn eine
Einigung darüber nicht zu erzielen ist, ohne
weiteres einen bestimmten Teil der Entschädi-
gungssumme in Abzug zu bringen, wenn die
Bahn bei der Übernahme sich nicht in einem
angemessenen Zustand befindet.
Anlage und Betrieb.
Die Gesetzgebung unterscheidet nicht zwi-
schen Haupt- und Nebenbahnen. Die Staats-
bahnen sind überwiegend als Hauptbahnen
gebaut und werden auch als solche betrieben.
Nur einzelne Zweigbahnen sind nicht einge-
friedigt und können als Nebenbahnen be-
trachtet werden. Dagegen sind die Privat-
bahnen in der Mehrzahl nach Bauart und
Betrieb als Nebenbahnen zu bezeichnen.
Dänemark ist eine Ebene. Die Oberfläche
besteht aus Glacialkies und -lehm. Infolge-
dessen war es möglich, die Bahnen ohne
besonders große Steigungen sowie unter Ver-
meidung scharfer Krümmungen und Tunnel-
anlagen zu bauen.
Die größte Steigung auf den Staatsbahnen
beträgt 1 : 80, auf den Privatbahnen 1 : 70.
Die schärfsten Krümmungen haben einen
Halbmesser von 400 und 200 m. Von der
Gesamtlänge der Staatsbahnen haben 75%
Steigungen von 1 : 200 und weniger, während
nur 3% des Netzes Steigungen über 1:100
aufweisen; 94 % der Gesamtlänge sind mit
Krümmungen von mehr als 700 m Halb-
messer gebaut.
Der größte Teil der D. hat normale Spur-
weite; dagegen haben folgende Privatbahnen:
Kolding-Egtvedbahn, Horsens-Juelsmindebahn,
Horsens-Törringbahn, Frederikshavn-Skagen-
bahn und die Eisenbahnen auf Bornholm eine
Spurweite von 1 m.
Das Bahnplanum ist für die eingleisigen
Staatsbahnen 5 — 5*6 ///, für die doppelgleisigen
9*3 — 9*9 m breit. Bei den normalspurigen
Privatbahnen ist das Planum 3*9 — 4’6 //?, bei
den Schmalspurbahnen 3*14 — 4*4 m breit.
Sämtliche Privatbahnen sind eingleisig.
Bei den Staatsbahnen sind die Schwellen
im allgemeinen aus getränktem Kiefernholz

hergestellt, nur auf der Zweigbahn Tommerup-
Assens sind Eisenschwellen gelegt. Die Privat-
bahnen haben bisher nur nichtgetränkte Holz-
schwellen.
Die Schienen sind mit schwebendem Stoß
verlegt und auf den Staatsbahnen mit Unter-
lagsplatten versehen. Die Befestigung erfolgt
da, wo Holzschwellen verwendet werden, stets
mit Hakennägeln.
Zur Beschotterung wird Kies verwendet.
Die Höhe des Schotterbettes beträgt bei den
Staatsbahnen 200 mm, bei den Privatbahnen
150-160 mm.
Von bemerkenswerten Bauten sind zu er-
wähnen die Brücke über den Limfjord bei
Aalborg und die Brücke über den Masnedsund
zwischen Seeland und Masnedö. Beide Brücken
sind eingleisig. Erstere hat eine Gesamtlänge
von 352 m und ist in 6 Felder geteilt. Ihre
Pfeiler sind auf Senkbrunnen (Caissons) mit
Druckluft bis zu einer Tiefe von 34 m unter
dem gewöhnlichen Wasserspiegel gegründet. Das
eine der Mittelfelder, das eine Spannweite von
53*5 m hat, ist als Drehbrücke mit einem Dreh-
pfeiler in der Mitte des Brückenfeldes ausgeführt.
Die Träger sind Fachwerkträger mit parallelen
Gurtungen. Die Brücke über den Limfjord ist
im Jahre 1879 dem Betrieb übergeben worden.
Die Masnedsundbrücke hat eine Länge von
183 m und ist in 3 Felder geteilt, von denen
das mittlere (mit einer Spannweite von 50 m)
drehbar ist. Die Träger des Drehfeldes sind
parabolische Gitterträger. Die übrigen Felder
haben Parallelträger.
V e r w a 11 u n g.
Die dänischen Staatsbahnen werden
nach dem Gesetze vom 15. Mai 1903 von einer
dem Minister der öffentlichen Arbeiten unter-
stellten Generaldirektion verwaltet. Diese hat
ihren Sitz in Kopenhagen. Sie besteht aus einem
Generaldirektor als Chef und den Direktoren
der Betriebs-, Bau-, Maschinen-und Rechnungs-
abteilung. Für den äußeren Dienst sind die
Bahnen in 5 Bezirke eingeteilt mit Sitz in
Kopenhagen (2), Fredericia, Aarhus und Struer.
In jedem Bezirk sind 3 Leiter, u. zw. 1 für
den Betriebs-, Verkehrs- und Rechnungsdienst,
1 für den Bahnbewachungs- und Bahnunter-
haltungsdienst und 1 für den Maschinendienst.
Eigenartig für die D. ist, daß der General-
direktor, die Direktoren und die Oberbeamten
am erzielten Gewinn beteiligt sind. Laut Gesetz
vom 27. Mai 1908 erhalten die genannten
Beamten, wenn der Überschuß des Betriebes
in einem Betriebsjahr mehr als 2 % des Anlage-
kapitals beträgt, außer ihrem Gehalte eine
Tantieme, die, wie folgt, berechnet wird:
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