Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 226
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Dampfhalten. - Dampfkessel.

Das D. eines Lol omotivkessels erfordert
durchschnittlich 15 kg Schwarzkohle in der
Stunde für 1 m2 Rostfläche. Durch entsprechende
Schließung der Aschenkastenklappen und teil-
weises Zudecken des Kamins kann bei längerem
D. der Brennstoffverbrauch wesentlich vermin-
dert werden. Gewöhnlich wird angenommen,
daß (wo das überhaupt zulässig ist) die frische
Anheizung eines noch warmen Kessels vorteil-
hafter ist als das D., wenn letzteres voraussicht-
lich den Zeitraum von sechs Stunden übersteigt.
Die gesamten Kosten des D. einer Loko-
motive belaufen sich je nach der Gattung der
hierbei in Betracht zu ziehenden Maschine auf
1 '20 bis 2 K f. d. Stunde. Wehrenfennig,.
Dampfhemd s. Dampfzylinder.
Dampfkessel (steam-boilers; chaudieres
ä vapeur; caldaie a vapore) sind Gefäße zur
Erzeugung von Dampf, dessen Spannung größer
ist als jene der Atmosphäre.
/. Allgemeines; //. Arten von D.; a) Lokomotiv-
kessel; b) D. für Werkstättenbetriebe, Beleuchtungs-
und Dampfheizungsanlagen; c) D. für Stations-
betrieb ; III. Berechnung und Material der D.;
IV. Betrieb und Wartung der D.; V. Gesetzliche
Bestimmungen.
/. Allcremeines.
Der im D. erzeugte Dampf wird haupt-
sächlich für den Antrieb von Kraftmaschinen
(Dampfmotoren), für Heizungszwecke (Dampf-
heizungen) zur Betätigung von Dampfstrahl-
apparaten, Pumpen und Pulsometern sowie für
Kochzwecke verwendet.
Aus dem D. wird der Dampf seiner Ver-
wendung durch Leitungsrohre (Dampfrohre)
zugeführt, die mit Absperrorganen (Ven-
tile, Schieber) versehen sind. Ein Teil des
Raumes (der Wasser raum) eines im Betriebe
befindlichen Kessels ist mit Wasser (Kessel-
wasser), der übrige Raum (der Dampfraum)
mit Dampf (Kesseldampf) gefüllt.
Für einen stetigen Betrieb des D. ist dem
Wasser fortwährend neue Wärme in ent-
sprechender Menge zuzuführen. Es geschieht
dies durch Übertragung der in der Feuerungs-
anlage des Kessels erzeugten Verbrennungs-
wärme der Brennstoffe auf die Heizflächen des
Kessels und durch diese auf das Kesselwasser.
Die Feuerungsanlage besteht aus dem Feuer-
rau m (mit der Feuertüre, dem Rost und
dem Aschenfall), den Verbrennungskammern,
den Feil er zügen, bzw. den Heizkanälen
oder der Rauchkammer und endlich dem
Schornstein.
Der Größe nach werden die Dampfkessel
in Großkessel, Kleinkessel und Zwergkessel
eingeteilt.
Nach den gesetzlichen Bestimmungen für Öster-
reich unterscheidet man:

Großkessel, deren Durchmesser oder Raum-
inhalt bei Vollfüllung bis zur gesetzlichen Wasser-
standsmarke oder deren Dampfdruck die für
Kleinkessel angegebenen höchsten Ausmaße über-
schreitet.
Kleinkessel, deren Durchmesser L2 m, deren
Wasserraum bei Vollfüllung bis zur gesetzlichen
Wasserstandsmarke IO///3 und deren Dampfdruck
6 At. nicht übersteigt.
Zwergkessel, deren Durchmesser 0 8 ///, deren
Wasserinhalt bei Vollfüllung bis zur gesetzlichen
Wasserstandsmarke 0 5 //z3 und deren Dampfdruck
4 At. nicht überschreitet.
II. Arten von D.
a) Lokomotivkesse 1.
Im Eisenbahndienste spielen die Lokomotiv-
kessel die Hauptrolle u. zw. nicht nur an Zahl,
sondern auch nach ihrer Leistung (s. Loko-
motivkessel).
b) D. für Werk Stätten betrieb, Beleuch-
tungs- und Dampfheizungsanlagen sind
entweder Großwasserraumkessel (Zylinder-,
Flammenrohr-, Feuerrohrkessel) oder Klein-
wasserraumkessel (Wasserrohrenkessel).
Die Zylinder- oder Walzenkessel sind un-
empfindlich gegen starke Schwankungen der Dampf-
entnahme und gegen schlechtes Speisewasser, billig
herzustellen und bequem zu bedienen, geben aber
nur kleine Heizflächen, so daß sie oft mit mehreren
solcher Kessel zu Batteriekesseln oder mit Flamm-
und Heizrohrkesseln kombiniert werden.
Abb. 159 stellt einen Dupuiskessel dar, der durch
die Verbindung eines gewöhnlichen Zylinderkessels
mit einem vertikalen Röhrenkessel gebildet wird.
Abb. 160 zeigt einen Zylinderkessel mit Unterkessel
und Zwischenfeuerung, auch Gegenstromdoppelkessel
genannt.
Die Rauch- und Flammrohrkessel (als Ein-
flammrohrkessel Cornwallkessel, als Zweiflammrohr-
kessel Lancashirekessel genannt) sind ebenfalls gegen
Dampfschwankungen und kalkhaltiges Speisewasser
ziemlich unempfindlich, bieten aber ebenfalls wenig
Heizfläche. Die Flammrohrkessel erlauben überdies
nur eine beschränkte Rostfläche. Alle obgenannten
drei Kesselarten erfordern viel Bodenfläche, wemr
sie liegend ausgeführt werden.
In Abb. 161 ist ein Lancashirekessel dargestellt. Die
Roste befinden sich in den beiden Flammrohren;
die Heizgase bestreichen nach dem Verlassen der
Flammrohre den äußeren Zylinderkessel in einem
zweiten und dritten Zug.
Aus Abb. 162 ist die Anordnung eines sogenannten
Seitrohrkessels zu entnehmen. Der Mittelpunkt des
einen Flammrohres liegt hier nicht in der lotrechten
Mittelebene des Kessels. Diese Anordnung erleichtert
sehr das Befahren des Kessels, bzw. dessen innere
Reinigung.
In neuerer Zeit werden die Flammrohre häufig
aus gewelltem Blech geschweißt, was bei geringem
Gewicht große Festigkeit der Flammrohre und eine
Vergrößerung der Fleizfläche bewirkt.
Auch die sogenannten Gollowayrohre, Abb. 163,
finden sich in Flammrohren angebracht; Abb. 164
zeigt den Querschnitt eines Lancasiurekessels mit
Gollowayrohren.
Durch diese Quersieder wird nicht nur die Heiz-
fläche vergrößert, sondern auch durch Mischung
der Heizgase und Ermöglichung eines regen Wasser-
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