Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 229
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Dampfkessel.

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III. Berechnung und Material der D.

(Auszug aus den Hamburger Normen 1905).
Bezeichnet
s die Blechdicke in //////;
D den Maximaldurchmesser des Mantels in mm;
p den Maximal-Betriebsüberdruck in Atm.;
K die Zugsfestigkeit des Bleches 33 — 36 kg/cm2;
2 = fndesHestigkeit der Längsnaht bej Walzung auä
Zugfestigkeit des vollen Bleches
vollem Bleche = 1, sofern keine Schwächung
des Bleches vorhanden ist.
a* = 475 für überlappte, einseitig gelaschte, hand-
genietete,
x = 4-5 für überlappte, einseitig gelascht,
maschinengenietete,
x = 4-25 für doppeltgelascht, handgenietete
a- = 4-— für doppeltgelascht, maschinengenietete
Naht,
dann gilt:

s = D - 1 oder n = 200 K 2 {s~->
^ 200 K.z ' D.x
Die Blechdicke darf 7 mm nur bei kleinen Kesseln
ausnahmsweise unterschreiten.
Die Zugbeanspruchung des Bleches darf in keiner

Nietreihe die Grenze

K

überschreiten. Es darf die Be-

.V

lastung eines Nietes auf 1 mm2 Nietquerschnitt, sofern
keine höhere Zugfestigkeit des Nietmaterials nach-
gewiesen ist, höchstens 7 kgjmm2 betragen.
Nietlöcher von Blechen über 27 mm müssen ge-
bohrt werden.
Werden Nietlöcher schwächerer Bleche gelocht,
so ist zu vorstehenden Werten von x ein Zuschlag
von 015 erforderlich, bei gelochten und mindestens
um ein Viertel des Durchmessers der Nietlöcher
aufgebohrten Löchern kann dieser Zuschlag auf 0*1
ermäßigt werden.
Die übliche Befestigungsweise der Röhren durch
Aufwalzen oder Auftreiben erfordert eine Mindest-
stärke s der Rohrplatte innerhalb des Rohrfeldes
a) bei Flußeisenplatten
von 5 = 5-]- d für d = 38 bis rund 100//////

b) bei Kupferplatten
von s = 10 -f- j für d = 38 bis rund 75 mm
worin d den äußeren Rohrdurchmesser an der Be-
festigungsstelle in mm bedeutet und einen Mindest-
querschnitt des Steges zwischen 2 Rohrlöchern
a) bei Flußeisenplatten
von 180 mm2 für d — 38 mm
zunehmend auf etwa das 2-5 fache für// = rund 100 mm
b) bei Kupferplatten
von 340 mm2 für d = 38 mm
zunehmend auf etwa das 25 fache für d = rund 75 mm.
Ist bei Feuerbüchsen die Decke nicht durch Anker
oder sonstwie mit dem Kesselmantel verbunden,
sondern durch Bügel oder Deckenträger, die auf
den Rändern der Rohrplatten stehen, unterstützt,
dann darf die Dicke der Rohrwand nicht geringer
sein als
p. w. b
S ~ 1900 (b-d)
worin w = Weite der Feuerbüchse
in mm
b = Entfernung der Rohrmitten
d = innerer Durchmesser der Röhren in mm.
In zylindrischen Löchern aufgewalzte und nicht
umgebörtelte oder kegelförmig aufgeweitete glatte
Rohrenden gelten nicht als Verankerung.
Näheres in den Hamburger Normen 1905 S 23
und 24. '

Ist es gegebenenfalls nicht möglich, auf dem Wege
der Rechnung die Widerstandsfähigkeit eines Kessels
oder einzelner seiner Teile festzustellen, so ist der
Weg des Versuches zu beschreiten (s. hierüber Pro-
tokoll der Deleg. f. Ing.-Versammlung des intern. Ver-
bandes der Dampfkessel - Überwachungsvereine zu
Amsterdam 1905, S. 133 — 135).
Die Druckprobe wird in solchen Fällen zur Festig-
keitsprobe und ist dann auszuführen:
bei Dampfspannungen
p bis 5 Atm. mit 2 p
p über 5-10 Atm. mit p -j- 5
p „ 10 Atm. mit P5 . p.
Als Material für Lokomobilkesselmäntel
wird wie bei den Lokomotivkesseln Flußeisen, für
die Feuerbüchsen jedoch meistens anstatt des teuren
Kupfers weiches Flußeisen verwendet. Die Stehbolzen
sind gewöhnlich, die Röhren fast immer aus Flußeisen.
Der Vorgang beim Bau der Lokomobilkessel ist in
seinen Hauptformen von dem der Lokomotivkessel
nicht wesentlich unterschieden. Die Anforderungen
an die Güte der Kesselbleche entsprechen sowohl
bei den Lokomobil- als auch bei den Stabil-
kesseln meist den Würzburger Normen.
IV. Betrieb und Wartung der D.
Der wirtschaftliche Betrieb einer Dampfkessel-
anlage erfordert richtige Wahl des Brenn-
materials, Verwendung möglichst reinen Speise-
wassers sowie gute Wartung, Reinigung und Er-
haltung der D.
Bei der Wahl des Brennmaterials ist die chemi-
sche Beschaffenheit, der Heizwert und der Preis des-
selben sowie seine Eignung für die betreffende
Feuerungsanlage in Betracht zu ziehen.
Zur Wahrung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes
der D. und Dampfmaschinen sind Leistungsversuche
anzustellen, über deren Durchführung vom Verein
Deutscher Ingenieure Normen aufgestellt wurden,
die bei Boysen und Maasch in Hamburg 1901 im
Druck erschienen sind.
Besonders hervorzuheben ist, daß namentlich die
Dampfkesselüberwachungs- und untersuchungsvereine
sich große Verdienste sowohl in Beziehung auf die
Erhöhung der Sicherheit des Dampfkesselbetriebs,
als auch auf die Hebung der Sparsamkeit im
Betrieb der Dampfkesselanlagen erworben haben.
Die chemische Beschaffenheit des Brennstoffs kann
die Haltbarkeit der Kesselwandung wesentlich beein-
flussen. Schwefelhaltige Kohle kann nicht allein die
Eisen- und Stahlbleche der Stabilkessel und Loko-
mobilen, sondern auch die kupfernen Feuerbiichs-
wände und die Stehbolzenköpfe der Lokomotiven
bedeutend abzehren.
Auch können auf mechanischem Weg allmähliche
Verschwächungen der Wandflächen herbeigeführt
werden, indem die mineralischen Bestandteile der
Kohle beim Zerfallen der verbrennenden Kohle an
die Wände geschleudert, oder mit großer Ge-
schwindigkeit durch die Feuerröhren hindurch-
gerissen werden und diese, ähnlich wie bei einem
Sandstrahlgebläse, ausscheuern.
In ganz hervorragendem Maß nimmt die Wartung
des Kessels auf seine Erhaltung und auf die Kost-
spieligkeit der an ihm im Lauf der Zeit durchzu-
führenden Ausbesserungen Einfluß. So kommen bei
Vernachlässigung oder Nichtentdeckung von un-
dichten Stellen, namentlich bei Stabilkesseln, wenn
das Mauerwerk unmittelbar an dem Kesselblech an-
liegt, oft sehr gefährliche Anrostungen außen an
den Kesselblechen vor, ebenso bei Lokomotiv- oder
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