Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 231
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Dampfkessel. 231

Hierauf wird mit einem Rundhammer die ganze
bedeckte Fläche abgeklopft. Es prägt sich hierdurch
die Gestaltung der Ausfressungen deutlich aus. Statt
des Messingblechs kann auch feuchtes Papier ver-
wendet werden.
Die Einteilung des Kesselbauchs in Quadrate zur
leichteren Übertragung des Orts der Ausfressungen
in die Kesselprotokolle wird mittels eines biegsamen
Lineals und Kreide durchgeführt.
Die Auffindung gänzlich abgerissener Stehbolzen
geschieht (s. Abb. 172) durch Beklopfen der Steh-
bolzenköpfe auf einer Seite und Gegenhalten eines
leicht am Stiel nach abwärts gehaltenen kleinen
Hammers auf der anderen Seite. Bei gänzlich ab-
gebrochenen Stehbolzen und klaffenden Bruchflächen
springt der schwebend gehaltene Hammer vom Steh-
bolzenkopfe nicht ab. Auch durch Gehör und Gefühl
lassen sich beim Beklopfen der Stehbolzenköpfe ab-
gerissene Stehbolzen erkennen. Immerhin bleibt das
Auge das sicherste Mittel, ab- und angerissene Steh-
bolzen zu erkennen. Durch Beklopfen der Niete
springen oft harte Nietköpfe und hart gewordene
Stiftschrauben ab, und sollen daher erstere mit
eisernen Hämmern mäßig stark, letztere mit höl-
zernen Hämmern leicht beklopft werden.
Reparaturen sollen immer so umfassend vorge-
nommen werden, daß während des nächsten Betriebs-
abschnittes eine neuerliche größere Ausbesserungs-
arbeit nicht nötig wird.
In neuerer Zeit geht man immer mehr und mehr
von der Flickarbeit ab und wechselt lieber ganze
Platten, ja ganze Kesselseiten gänzlich aus.
Schadhafte Stellen in Feuerplatten müssen stets
ausgehauen und dann erst überfleckt werden. Längst
nahtrillen erfordern Auswechslungen der Kessel-
platten. Quernahtrillen lassen jedoch Überfleckungen
zu.
Innenflecke haben sich nicht bewährt, da sich
rings um den Blechrand derselben neue Korrosionen
bilden.
Dagegen werden zur Verhütung der inneren Aus-
fressungen der Kesselbauchplatten, Eisenblechplatten
aufgenietet (s. Lokomotiven der Gegenwart 1903,
Abb. 184) und zwischen Flußring und Stehkessel-
blech, Blechzwischenlagen mit Versteifungsleisten an-
gebracht.
Das Weiterfressen, bereits entstandener geringerer
Korrosionsschäden kann durch Verzinnen, Verlöten
oder Verschweißen der Gruben, durch Ausgießen
mit Zement oder durch Überdecken von gut aus-
gedichteten Blechen beschränkt, bzw. verhindert
werden.
In jüngster Zeit findet bei den Reparaturen an
D. die autogene Schweißung weitgehende Anwen-
dung (s. Autogenes Schweißen und Schneiden der
Metalle).
Nach beendeter Ausbesserung gibt eine ungefähr
auf die Hälfte der Betriebsspannung durchgeführte
Wasserdruckprobe Aufschluß über etwaige noch zu
behebende Ündichtheiten.
Näheres siehe Schäden an Lokomotiv- und Loko-
mobilkesseln, herausgegeben vom Österr. Ing.- und
Arch.-Verein, Wien, 1891.
V. Gesetzliche Bestimmungen.
In Deutschland gelten die „Allgemeinen poli-
zeilichen Bestimmungen über die Anlegung von
Land- und Schiffsdampfkesseln" vom 17. Dezember
1908 (Verlag von Boysen und Maasch, Hamburg,
1909). Die Anlagen stabiler Kessel sind nach § 24,
Abs. 2 der G.-O. den vorgenannten Vorschriften

unterstellt; für Lokomotivkessel gelten die auf Grund
der Artikel 42 und 43 der Reichsverfassung erlassenen
Bestimmungen.
Die Allgemeinen polizeilichen Bestimmungen
haben 7 Hauptteile, u. zw.:
I. Geltungsbereich und Definition der D.; Land-
und Schiffskessel;
II. Bau (Baustoffausführung). Dieser Teil enthält
die Bestimmungen betreff Baustoffe, Ausführung und
Ausrüstung, sowie die Beschränkungen für die Ver-
wendung von Gußeisen, Temperguß, Messingblech
u. s. w.
III. Ausrüstung (Armaturen, Speisevorrichtungen,
Absperr- und Entleerungseinrichtungen u. s. w.);
IV. Prüfung der D.;
V. Aufstellung;
VI. Bewegliche D.;
VII. Allgemeine Vorschriften (Kesseldokumente
u. s. w.).
Was Punkt IV anlangt, so wird in diesem fest-
gesetzt, daß jeder neue oder erneut zu genehmigende
D. vor der Inbetriebnahme von einem zuständigen
Sachverständigen vorerst einer „Bauprüfung" (die
durch Wasserdruck erfolgt) unterzogen werden muß.
Als Probedruck/7 hat bei D. bis zu lOAtm. Betriebs-
druck P5/7, bei Betriebsdruck über 10 Atm./;-j-5Atm.,
zu gelten; der geringste Probedruck darf 1 Atm. nicht
unterschreiten.
Nach dieser Prüfung ist noch vor der Inbetriebnahme
desD. nach §24 der Gewerbeordnung die „Abnahme-
prüfung" (unter Dampfdruck) vorzunehmen.
Nach jeder Hauptausbesserung oder einem Brand-
schaden u. dgl. muß eine neue Wasserdruckprobe
erfolgen.
Österreich. Die gesetzlichen Vorschriften über
die D.sind hauptsächlich in der Ministerialverordnung
vom 1. Oktober 1875 (R.-G.-Bl. Nr. 130), betreffend
die Sicherheitsvorkehrungen gegen Dampfkesselex-
plosionen nebst Vollzngsvorschrift enthalten.
Nach dieser Vorschrift werden alle Gefäße, die
dazu dienen, um Flüssigkeiten in Dämpfe von
höherer Spannung als jene des atmosphärischen Luft-
druckes zu verwandeln, als D. bezeichnet.
Die Prüfung und Überwachung der Lokomotiv-
kessel fällt in den Bereich der Generalinspektion der
österreichischen Eisenbahnen.
Die Vorschrift betrifft die Wahl des Materiales,
die Dimensionierung sowie die Art der Kon-
struktion und Ausführung unbedingt notwendiger
Armaturen und deren Beschaffenheit; ferner regelt
sie das Dampfprobe- und Untersuchungswesen. Für
die Erprobung der Lokomotivkessel, die der General-
inspektion obliegt, wurde mit Verordnung des
Eisenbahnministeriums vom 20. Februar 1909 als
Probedruck der höchste zulässige Dampfüberdruck
vermehrt um den Druck von 5 Atm. festgesetzt.
Als Druckatm. ist 1 kg auf 1 cm2 zu rechnen.
§ 7 regelt die Wiedererprobung eines D. infolge
von Konstrnktionsändernngen, bei Auswechslung von
mehr als V20 der Kesseloberfläche anläßlich von
Ausbesserungen, und bei Ortswechsel von D.
§ 8 schreibt die jährliche Revision (die bei Loko-
motiven von den hierzu bestimmten Beamten der
Heizhausleitungen gemacht wird) und eine genaue
alle 5 Jahre (vom Zeitpunkt der ersten Erprobung
an gerechnet) vorzunehmende Revision (die bei Loko-
motiven zum weitaus größten Teil in den Werk-
stätten durchgeführt wird, da hierbei eine völlige
Bloßlegung des Kessels und Entfernung der Rohre
erfolgt). Die verschärfte Revision ersetzt die Jahres-
revision.
§ 10 bezieht sich auf das Kesselwärterpersonal.
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