Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 232
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232 Dampfkessel.

§§ 11, 12 und 13 regeln die AnzeigepflichtE bei
Fahrlässigkeit im Betriebe, bei Explosionen und ent-
halten auch die Strafbestimmungen.
U ngarn. Die auf die D. bezüglichen Vorschriften
sind Gegenstand des Regierungserlasses für Kessel-
angelegenheiten, Z. 2279 ex 1886, ferner gelten
verschiedene, diese Verordnungen erläuternde und
ergänzende Ministerialerlasse, sowie die vom königl.
ung. Handelsministerium unter Zahl 17001 ex 1901
erlassene Dienstvorschrift für die Gewerbeinspektoren.
Die Vorschriften decken sich im allgemeinen mit
den österreichischen.
Die Druckproben der Lokomotivkessel werden von
Organen der ungarischen Generalinspektion für Eisen-
bahn und Schiffahrt vorgenommen. Die nng. Staats-
bahnen sind befugt, die Erprobung der in ihrem
Betrieb sich befindenden Kessel (Lokomotiv-, Dampf-
heizungs-, Motoren-, Wasserstations- und Stabilkessel)
im eigenen Wirkungskreis (der Generalinspektion,
bzw. der Gewerbeinspektion) durch ihre eigenen
Organe vorzunehmen. (Vgl. Vorschrift für die ung.
Generalinspektion Z. 2662 ex 1906 und Verordnung
des ung. Handelsministers vom 10. Mai 1908.
Z. 85077/VI A.)
In Belgien werden die D. in zwei Kategorien
eingeteilt, u. zw. in Stabilkessel und mobile Appa-
rate, die entweder selbstbeweglich sind oder bei
denen eine öftere und leicht durchzuführende Orts-
veränderung anzunehmen ist, die ihrer Bestimmung
entspricht. (Lokomotiven, Lokomobile, Schiffe, Auto-
mobile u. s. w.). Die erste Kategorie bedarf einer
behördlichen Genehmigung, die letzteren unterliegen
bloß der Anmeldepflicht.
Für Lokomotiven gelten die gleichen Vorschriften
wie für Stabilkessel, u. zw. im vollen Umfang, nurdaß
Lokomotivkessel alle 5Jahrezurgenauen Untersuchung
zu gelangen haben, im Gegensatz zu den Stabil-
kesseln, für die alle 10 Jahre die genaue Revision vor-
geschrieben ist. Wechseln die Lokomotiven den Be-
sitzer, so ist eine Wiedererprobung vorgeschrieben.
In Frankreich haben gegenwärtig folgende
Gesetze Geltung:
1. Gesetz vom 21. Juli 1856, betreffend Über-
tretungen der Vorschriften in Bezug auf Dampf-
apparate und Dampfschiffe;
2. die Verordnungen vom 30. April 1880 und
vom 29. Juni 1886, betreffend Landdampfkessel;
3. Gesetz vom 18. Juni 1900, das einzelne Ar-
tikel des Gesetzes vom 21. April 1856 ändert;
4. Verordnung vom 9. Oktober 1907, die die
Kesselprobevorschriften genau regelt. Die Probe-
drucke sind aus nachstehender Tabelle (in der/; den
Betriebsdruck und p‘ den entsprechenden Probe-
druck in Atm. bezeichnet) zu entnehmen:

/; < 6 Atm.p‘ = 2p Atm.
(mindestens // = y2 „ )
p — 6 — 20 „ // = (// + 6) „
p — 20-30 „ p‘ = (p f- 7) „
p = 30 — 40 „ // = (p -8) „
p > 40 „ p‘ = (p ^ y5p) „

In Italien ist das D.wesen durch das Gesetz
vom 31. Dezember 1888 geregelt und findet dieses
auf alle im Eisenbahnbetriebsdienst (einschl. der auf
Dampfstraßenbahnen verwendeten D.) Anwendung.
In Rußland sind die auf die D. bezüglichen
Bestimmungen in den „Regeln für D." vom 30. Juli
1890, bzw. in den Vorschriften des Finanzmini-
steriums vom 28. August 1890 enthalten. (Riga,
Verlag v. N. Kymnel 1899).

Schweden hat kein eigentliches Dampfkesselgesetz.
Ein i. J. 1906 von der Regierung im schwedischen
Reichstage vorgelegter Gesetzentwurf wurde mit
der Begründung abgelehnt, daß eine erhöhte Sicher-
heit im Dampfkesselbetrieb, die durch den Ge-
setzentwurf erzielt werden sollte, leicht durch
Erweiterung der Befugnisse der staatlichen Gewerbe-
inspektoren erreicht werden könne. Eine Ministerial-
verordnung vom Jahre 1864 enthält jedoch Be-
stimmungen betreffs der Ausrüstung der Kessel mit
Sicherheitsventilen, Manometern u. dgl., auch hin-
sichtlich des Probewesens. Die Dimensionierung der
Landkessel erfolgt in Schweden auf Grund der be-
reits erwähnten Hamburger Normen, die der Schiffs-
kessel entsprechend den Vorschriften des englischen
Board of Trade, oder des englischen Lloyd.
Die Eisenbahnen unterstehen hinsichtlich der
Lokomotivkessel nicht der Staatsaufsicht, sondern
haben ihre eigenen Vorschriften.
Schweiz. In der Schweiz bestehen lediglich ein-
zelne Bundesvorschriften für Stabilkessel. Schiffs-
und Lokomobil- sowie Lokomotivkessel sind in be-
zug auf Ausrüstung, Prüfung, Wartung u. s. w. an
Kantonalverordnungen gebunden, deren Detail-
bestimmungen in den einzelnen Kantonen vielfach
übereinstimmen.
In der Türkei gibt es für D. keinerlei Vorschriften
oder Gesetze, weder für Bahnen, noch für Private.
Die Orientbahngesellschaft hält sich an die T V.
des VDEV., obwohl sie nicht Vereinsmitglied ist.
England. Es besteht kein Gesetz und keine
Bestimmung über Landdampfkessel, nur Kessel
für Personendampfer unterliegen der staatlichen
Aufsicht; erst im Jahre 1882 wurde das Gesetz über
die „Dampfkesselexplosionen" veröffentlicht, das sich
darauf beschränkt, zu bestimmen, daß nach jedem,
einem D. zugestoßenen Unfall, durch staatliche
Organe eine Untersuchung wegen Erforschung der
Ursachen und Folgen des Unfalles zu erfolgen habe.
Der Bericht wird dem Board of Trade vorgelegt
und muß veröffentlicht werden. Die Untersuchungs-
organe (1 Techniker und 1 Jurist) bilden einen
summarischen Gerichtshof, der weitgehende Voll-
machten hat und sogar Geldstrafen auferlegen kann.
Vereinigte Staaten von Nordamerika. All-
gemein gültige Vorschriften bestehen dort nur be-
treffs der Schiffskessel. Die Eisenbahnen der meisten
Staaten besitzen hinsichtlich ihrer Kessel, mit Aus-
nahme von schwimmenden Kesseln, ihre eigenen
Vorschriften und unterstehen in diesem Falle die
Kessel nur der Kontrolle der eigenen Organe. Doch
kommt auch eine staatliche Einflußnahme auf das
Kesselwesen der Eisenbahnen vor. So besteht in
New York ein mit 1. September 1907 in Kraft ge-
tretenes Gesetz, das die Verwaltungsräte, Direk-
toren und Superintendenten jeder mit Dampf be-
triebenen Eisenbahn verpflichtet, gründliche Unter-
suchungen der Kessel durch geeignete Personen
vornehmen zu lassen.
Weiters enthält dieses Gesetz Bestimmungen über
das Material und die Maße der Kessel, Lage der
Armaturen u. s. w. Wenn der staatliche Inspektor
Kessel und Armaturen zum Dienste für geeignet er-
klärt, hat er ein Zertifikat auszustellen und dieses der
Railroad-Commission zu übermitteln, wogegen eine
Abschrift der Bahngesellschaft verbleibt und eine
zweite Abschrift im Führerhaus der Lokomotive an-
gebracht wird. Wenn ein Lokomotivkessel als dienst-
untauglich erklärt wird, darf er nicht früher in Ver-
wendung genommen werden, als bis er vollkommen
tauglich hergestellt ist.
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