Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 240
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-40 Dampfregulator.
Diese Form der Öffnung im Schieber-
gesichte in Verbindung mit kleinen Schiebern
hat Haswell, Direktor der Maschinenfabrik
der öst.-ung. Staatseisenbahn-Gesellschaft in
Wien, in den Sechzigerjahren des vorigen
Jahrhunderts eingeführt. Daß diese kleinen
Öffnungen, bzw. kleinen Schieber vollkommen
entsprechen, ist auch durch vergleichende Ver-
suche bei der französischen Westbahn und durch
theoretische Untersuchungen (vgl. Langrot,
Glasers Ann. 1908) festgestellt worden.
Eine in Frankreich, Italien, Österreich und der
Schweiz häufig vorkommende, besondere Aus-
führung des Dampfregulators nach Cramp-
ton, besteht darin, daß der Regulatorkopf
samt Schieber vorne, außen am Langkessel
aufgesetzt ist; von diesem Kopfe zweigen die
Dampfeinströmrohre zu den Zylindern ab.
Die Zuführung des Dampfes zum D. er-
folgt, wenn kein Dom vorhanden ist, durch
ein langes, oben mit Schlitzen versehenes
Dampfsammelrohr, oder bei Vorhandensein
eines Domes, durch ein vom Regulatorkopfe
durch den Kessel in den Dom geführtes
Dampfentnahmerohr (s. Lokomotive).
Gölsdorf.
Dampfsammelrohre (dry pipes, dome
steam pipes; tiiyaux collecteurs de vapeur;
tu bi colletori di vapore) sind die bei neueren

Lokomotiven nur mehr selten, bei älteren da-
gegen sehr oft in den Dampfkesseln ange-
ordneten Rohre, durch die Dampf aus dem
Dampfraum in den Dom (s. Dampfdom)
geleitet wird. Bei starkem Dampfverbrauch
muß in nicht genügend groß bemessenen
oder sonst nicht richtig ausgebildeten Kesseln
eine entsprechend rasche Dampfbildung er-
folgen. Dabei findet unter Umständen ein
heftiges Aufsteigen von Dampfblasen statt,
durch die Wassertropfen in die Höhe gerissen
und vom Dampf mitgeführt werden. Hierbei
kommt es vor, daß auch Kesselwasser durch
die Regulatoröffnung den Dampfzylindern zu-
geführt und dann aus dem Schornstein aus-
geworfen wird; dies zieht mehrfache Nach-
teile nach sich. Ein Teil der in dem mit-
gerissenen Kesselwasser enthaltenen Wärme
geht nämlich nutzlos verloren, indem das Kessel-
wasser mit ziemlich hoher Temperatur aus dem

— Dampfschieber.
Schornstein ausgeworfen wird, wobei außerdem
noch Beschmutzungen der Eisenbahnfahrzeuge
und der neben dem Gleis befindlichen Anlagen
erfolgen.
Bei einer früher oft ausgeführten Anord-
nung des D. (Abb. 181), wird der über
dem Langkessel befindliche Dom durch eine
Blechplatte b abgeschlossen, durch die neben
dem Regulatorrohr r noch ein Kupferrohr k
senkrecht in den Dom eintritt. Dieses ist
unter einem rechten Winkel gebogen und
in seinem wagerechten Teil, der ziemlich nahe
unter der Decke des Langkessels liegt, mit
länglichen Schlitzen versehen, die den Zweck
haben, die Dampfentnahme über den Dampf-
raum zu verteilen und dadurch ein zu starkes
Aufwallen unter dem Dom zu verhindern.
Das Ende des wagerechten Teils ist geschlossen,
während das Ende des senkrechten Teils durch
eine hohle Halbkugel überdeckt ist, die den
Dampf, sowie das mitgerissene Wasser ab-
wärts werfen, zugleich aber eine Trennung
beider bewirken soll, ln der Blechplatte b
müssen Öffnungen sein, groß genug, um das
in den Dom gelangte Wasser abfließen zu
lassen.
Besser noch als die Anordnung des D. im
Innern des Kessels wirkt
jene von zwei durch
ein weites Rohr ver-
bundenen Domen (s.
Dampfdom). Der Bildung
von nassem Dampf und
dem Mitreißen von grö-
ßeren Mengen von Was-
ser wird am wirksamsten
vorgebeugt, wenn die
Kessel in allen ihren
Einzelheiten so durchgebildet werden, daß
selbst bei größter Leistung die Dampfentwick-
lung ruhig vor sich geht (s. Lokomotivkessel).
Gölsdorf.
Dampf Schieber (steam slide valve; tiroir;
cassetto del vapore) im engeren Sinne sind
die im Schieberkasten der Dampfzylinder
eingebauten Bestandteile, die durch die
äußere Steuerung eine hin- und hergehende
Bewegung erhalten, und dadurch die sinn-
gemäße Zu- und Abfuhr des Dampfes (Ein-
strömung und Ausströmung oder Verteilung)
zur Bewegung des Kolbens bewirken. Diese
Schieber werden auch Steuerungsschieber
genannt.
Im weiteren Sinne sind D. alle jene Or-
gane, die — hin- und herbewegt — Zufuhr, Ab-
sperrung und Regulierung des durch Leitungen
strömenden Dampfes bewirken. Man nennt sie
Absperrschieber (steam distributors, re-

n

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Abb. 181.!
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