Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 241
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Dampfschieber.

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gulators; regiilateurs, distribiteurs de la vapeur;
registri).
Die mit entsprechenden Öffnungen ver-
sehenen Flächen, auf denen diese beiden
Gattungen von Schiebern gleiten, werden
Schiebergesicht oder Schieberspiegel
genannt.
le nach der Form der Gleitfläche unter-
scheidet man im allgemeinen Flachschieber
(Abb. 182 und 183) und zylindrische Schieber
(Abb. 184 bis 187).
Die Absperrung, der Durchlaß und die
Verteilung des Dampfes erfolgt bei beiden
Schiebergattungen entweder durch geradliniges
Hin- und Hergleiten der Schieber auf dem
Schiebergesicht (gerade geführte Schieber)
wie in den Abb. 182, 186 und 187, oder durch
Drehbewegung (DrehSchieber) wie in den
Abb. 183, 184 und 185, wobei durch die ab-
schließenden Kanten des Schiebers die Dampf-
einlaßkanäle A geöffnet oder geschlossen werden.
A. Steuerungsschieber. Diese führen bei
Lokomotiven den in den Schieberkasten ein-
getretenen Dampf abwechselnd vor oder hinter
die Kolben der Dampfzylinder und aus diesen
ins Freie oder bei vielen Stabilmaschinen und
Schiffsmaschinen in den Kondensator ab. Diese
durch die äußere Steuerung betätigte Be-
wegung geht in der Weise vor sich, daß die
äußeren Kanten des in dem Schieberkasten
des Dampfzylmders befindlichen Schiebers die
Dampfkanäle am Schiebergesicht öffnen oder
schließen, je nachdem der Schieber durch die
Steuerung nach rechts oder nach links aus-
gelenkt wird und der abziehende Dampf
durch Hohlräume des Schiebers in den eigent-
lichen Ausströmungskanal gelangen kann.
1. Einzelschieber mit flachem Spiegel
(nach der Form des Längsschnittes auch
Muschelschieber genannt),
a) mit einfacher Eröffnung.
Ein einfacher Muschelschieber ist in
Abb. 188 von außen und in Abb. 189 im Schnitt
dargestellt
Der frische Dampf tritt aus dem Schieber-
kasten in den Einströmungskanal ein,
während der bereits ausgenützte Dampf aus
dem Kanal K2 durch die Höhlung H (die
Schiebermuschel) in den Ausströmungskanal /C3
in der durch die Pfeile angedeuteten Richtung
abfließt.
ln Abb. 188 und 189 stellt b die Einström-
kanalbreite, e die Stegstärke, i die innere
Überdeckung, o die Breite des Ausströmungs-
kanals, / die Kanallänge und 5 die Schieber-
stange mit dem Schieberrahmen S1 dar, mittels
deren der Schieber hin und her geschoben wird.
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. III.

Wird der Querschnitt des Schieberkanals bl
wie bei Lokomotiven 1/12 — 1/i5 der Kolben-
fläche und die Kanallänge /= (F65 — 0’95 des
Durchmessers des Dampfzylinders angenommen,
so kann b leicht bestimmt werden. Ferner
wird o./==y5 — Yg der Kolbenfläche und die
Stegstärke c— 1 *0 —j— 0*5 gemacht. Soll bei
der äußersten Lage des Schiebers die freie
Öffnung von o — b werden, so ergibt sich bei
bekannter Exzentrizität r:
o-\-e=i-\-r-\-b
und

o = i-\- r-\-b - e.
Da bei der größten Auslenkung des
Schiebers vom Mittel der Ausströmungskanal
niemals mit dem Schieberkastenraum in Ver-
bindung treten darf, weil sonst der Dampf
aus diesem ins Freie oder in die Verdichtungs-
kammer gelangen würde, so muß, wenn E
die äußere Deckung des Schiebers bezeichnet:
E-\-b i- e >> r
oder

c 2> /' — E - b
sein. Die Exzentrizität ist so groß zu machen,
daß der Schieber den Kanal ganz öffnet.
Um bei großer Zylinderlänge möglichst
kurze Einströmkanäle und geringe schädliche
Räume zu erhalten, wendet man bei Stabil-
maschinen zuweilen eine Konstruktion an, bei
der zwei voneinander getrennte einzelne
Muschelschieber mittels einer einzigen Schieber-
stange bewegt werden (Abb. 190).
Das Bedürfnis, bei schnellgehenden Ma-
schinen ein rasches Öffnen und Schließen der
Steuerkanäle ohne Drosselung zu erzielen und
eine Verkürzung des Schieberhubes und der
Abmessungen des Schiebers zwecks geringerer
Schieberreibungsarbeit zu bewirken, hat zum
Bau von Schiebern mit Überströmkanälen
und
b) mit mehrfachen Eröffnungen geführt:
Als einfachste Form dieses Systemes ist
der Tricksche Kanalschieber (Abb. 191
und 191a) zu nennen, bei dem der Über-
strömkanal k den Frischdampf auch von der
Gegenseite her, u. zw. beim Überschleifen der
äußeren Schieberspiegelkanten einläßt.
Wird nämlich der Schieber um den Weg
f-\-g nach links ausgelenkt (Abb. 191), so
beginnt der Dampf in den Kanal k, dessen
Breite gleich h ist, und aus diesem in den
Kanal AQ von der Breite b einzuströmen. Bei
weiterer Auslenkung nach links öffnet aber
auch die äußere Schieberkante n den unmittel-
baren Zutritt des Dampfes aus dem Schieber-
kasten in den Kanal Kv und es wird hier-
durch der Einströmungsquerschnitt entsprechend
vergrößert.

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