Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 244
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0259
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
244

Danipfschieber.

und der an der Stelle dreier Ringnuten mit
mehreren, 5 mm im Durchmesser messenden
Löchern verseilen ist. Der Ring wird nicht
durch den zwischen ihm und dem Kolben-
körper an der Schnittfläche des Ringes ein-
tretenden Dampf, sondern nur durch seine
Federkraft an die Gleitfläche angepreßt.
Der auf der Seite der Einströmung E be-
findliche membranartige Kolbendeckel bewirkt
eine leichte Anpressung der abgestuften Ring-
flächen aneinander und damit die seitliche
Abdichtung.
Die Kolbenschieber kanten nicht wie die
Flachschieber, geben aber Wasserschlägen nicht
nach, weshalb das Wasser gut abzuführen ist
und die Zylinderdeckel mit Sicherheitsventilen
versehen werden müssen. Auch erfordern sie
Luftventile für den Leerlauf der Lokomo-
tiven.
Der Schieberspiegel wird stets in Gestalt
einer durchgehenden oder zweier getrennter
eingepreßter Büchsen ausgeführt. Die Kanal-
mündungen, die am Umfange der Büchsen
liegen, sind durch eine Anzahl von Stegen
unterbrochen, die den Schlitz des Ringes
decken. Durch Ansätze am Kolbenkörper und
dem Kolbendeckel sind die seitlichen Spalten
des Ringes an der Schnittstelle gedeckt.
In neuerer Zeit ist auch bei Schmidtschen
Kolbenschiebern der Trickse he Kanal ange-
wendet worden (Abb. 205).
Ein ähnlicher Schieber mit Überströmkanal
(Patent Fester) ist auch bei den Heißdampf-
zwillingslokomotiven der ital. Staatsbahnen
(Lokomotivgruppe 640) in Verwendung (s.
Ztschr. Lokomotive, November 1909, S. 247).
Bei den Vierzylinderlokomotiven waren
bis jetzt immer 2 Kolbenschieber für den
Hochdruck- und 2 solche für den Nieder-
druckzylinder in Anwendung. Um diese Um-
ständlichkeit und die damit verbundenen
Dampfverluste zu vermeiden, hat Gölsdorf
bei der Vierzylinderlokomotive Serie 210 der
österr. Staatsbahnen nur zwei Kolbenschieber
angebracht, deren jeder den Eintritt des
Frischdampfes in den Hochdruckzylinder, des
Expansionsdampfes in den Niederdruckzylinder,
sowie den Austritt aus diesem besorgt, wo-
durch die Steuerungsteile wesentlich verringert
worden sind. Abb. 232 zu Art. Dampfzylinder
S. 256 zeigt eine Anordnung der gleichen Art
bei der 1 F Lokomotive, Serie 100, der österr.
Staatsbahnen (gleichfalls Bauart Gölsdorf).
Außer den oben beschriebenen Kolben-
schiebern findet sich an Lokomotiven und
Stabilmaschinen eine große Zahl von Kolben-
schieberkonstruktionen vor, mit schmalen oder
breiten federnden Ringen, mit zwei und mehr

Ringen an einem Kolbenkörper, die sich je
nach ihrer Größe, dem Dampfdruck und der
Temperatur, mehr oder weniger bewährt haben.
Das Material der Ringe und der Schieber-
gleitbüchsen ist gewöhnlich Gußeisen. Die
Büchsen sind eingepreßt, so daß sie sich im
Betriebe nicht lockern können, aber doch
ohne Schwierigkeit herausgenommen werden
können.
3. Doppelschieber mit flachem oder
zylindrischem Spiegel.
Bei den bisher erwähnten Einzel-
steuerungsschiebern lassen sich Änderungen
in der Dampfverteilung nur dann vornehmen,
wenn der Voreilwinkel und Hub des Exzenters
verstellt wird, was durch Exzenterregulatoren
geschehen kann. Für mittlere Umlaufzahlen
müssen aber diese Regulatoren eine außer-
ordentliche Größe erhalten. Auch würde die
bei kleinen Füllungen auftretende große Vor-
ausströmung Arbeitsverluste herbeiführen.
Man wendet daher in solchen Fällen
Doppelschieber an, bei denen der auf dem
Zylinderspiegel schleifende, die gewöhnliche
Dampfverteilung besorgendeVerteilungsschieber
(der sog. Grundschieber) mit einem oder
mehreren Durchlaßkanälen versehen ist, die
zur willkürlichen Änderung der Füllung
durch einen oder zwei, auf seinem Rücken
liegende, von außen verstellbare Schieber (Ex-
pansionsschieber) nach Bedarf abgeschlossen
werden können. Die Verstellung der ab-
schließenden Kanten der Expansionsschieber
geschieht entweder bei hohen Umlaufzahlen
durch Exzenterregulatoren oder in gewöhn-
lichen Fällen durch Hand, bzw. durch den
Regulator, wobei die Verstellung der auf dem
Rücken des Verteilungsschiebers gleitenden
Platten PPX (Abb. 206) durch Drehung der Ex-
pansionsschieberstange, die mit Rechts- und
Linksgewinde versehen ist, bewirkt wird, wie bei
der Meyersehen Steuerung (Abb. 206) oder
wie bei der Farcot-Steuerung, (Abb. 207)
durch Drehung eines Evolventenzahnes E, an
dessen weiter oder weniger weit vom Mittel
abstehende Kanten die beiden rechts und
links auf dem Grundschieber liegenden Ex-
pansionsplatten anstoßen und verschoben
werden. Bei der Auslenkung des Grund-
schiebers werden diese Schieberplatten durch
Anschlagstifte 5 wieder in die alte Stellung
zurückgeschoben.
Eine Abart der Meyer-Steuerung ist die
Ridersteuerung, bei der meistens auf dem
zylindrisch gestalteten Rücken des Grund-
schiebers sich der kreisförmig aufgerollte Ex-
pansionsschieber bewegt, und bei der die
Drehung der Stange um höchstens 60° die
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list