Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 248
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0263
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
248 Dampfschieber. — Dampfstrahlpumpen.

E. Schmierung der Schieber.
Da zur Erhaltung der Schieber eine gute
Schmierung wesentlich beiträgt, ist dieser ein
besonderes Augenmerk zuzuwenden.
Während man früher bei Lokomotiven meist
Einzelöler am Schieberkasten anbrachte, die
entweder während des Leerlaufens oder nur
unter Dampf schmierten (zu ersteren gehören
Keßler-Anschütz-, zu letzteren die Gebauer-
Schauwecker-Pallitschek-Schmiervorrichtungen)
genügen diese heute nicht mehr und sind
solche nur noch bei den älteren, kleineren
Lokomotiven im Gebrauche.
Später kamen die Öler von Ramsbotten,
von de Limon, Kernaul und der Nathan-
Lubrikator, wo kondensierter Kesseldampf
das Schmieröl aus dem Ölgefäß verdrängt
und in die Schmierröhrchen treibt, am
meisten in Verwendung. Bei Lokomotiven mit
hohen Dampfspannungen werden jetzt vielfach
Schmiervorrichtungen mit Druckkolben ange-
wendet, die das Öl unter die Schieber
drücken; angeführt seien die Schmierpressen
von Ritter, Bourdon, Michalk und Eriedmann
(s. Schmiervorrichtungen).
Zur Schieberschmierung wird meistens Riiböl
verwendet, bei Heißdampf ein Gemisch aus
dickflüssigem Mineralöl und Riiböl, dessen
Entflammungspunkt etwa bei 300° liegt.
Die Schieberreibung dürfte geringer sein
als man gewöhnlich annimmt, da kein Schieber
vollkommen abdichtet und der zwischen die
Schiebergleitflächen eintretende Dampf eine
Entlastung herbeiführt. Man kann sie im Mittel
mit 007 annehmen.
Literatur: Ztschr. dt. Ing. 1896, 1905, 1906, 1907.
— Eis. T. d. G. 1903. I. Abschn., 2. Aufl. - C. Leist,
Steuerungen der Dampfmaschinen. 2. Aufl., Berlin
1905. — H. Dubbel, Entwerfen und Berechnen der
Dampfmaschinen. 2. Aufl., Berlin 1907. — R. Garbe,
Die Dampflokomotiven der Gegenwart. Berlin 1907.
Wehtenfen n ig- Wolf.
Dam pfstrahl pumpen, Injektoren(injectors;
injecteurs; iniettori), Kesselspeisevorrichtungen,
bei denen die durch Kondensieren eines Dampf-
strahls erzeugte lebendige Kraft dem Wasser
eine derartige Beschleunigung erteilt, daß
dieses den entgegenstehenden Kesseldruck
überwindet und in den Kessel eintritt.
Dieser Wirkungsweise entsprechend besteht die
D. aus einer Anzahl von Rohrstücken oder
Düsen, die infolge ihrer Gestalt und Anord-
nung zur Einleitung und Erhaltung dieses Vor-
gangs geeignet sind.
Ebenso einfach wie die Wirkungsweise ist
die Bauart der D., die keinen während des
Arbeitens sich bewegenden Teil besitzen; hierin
liegt ihr Vorzug vor den bei Lokomotiven

und Stabilmaschinen zu gleichem Zweck seiner-
zeit ausschließlich benutzten Kolbenpumpen,
die viele bewegte Teile besitzen, daher kost-
spielig zu erhalten sind.
Die Arbeitsweise einer D. ist (s. Abb. 214)
im wesentlichen die folgende:
Der Dampf wird in eine Dampfdüse a
eingeleitet, aus deren Öffnung er mit großer
Geschwindigkeit in die Misch düse b über-
strömt; hier mischt sich der Dampf mit dem
in gleicher Richtung eintretenden Wasser, kon-
densiert sich darin und überträgt dabei seine
lebendige Kraft auf das Wasser. Dieses erhält
dadurch eine so große Geschwindigkeit, daß
! es den Durchstich zwischen b und c über-
springt und in die Fangdüse c einströmt;
hier wird seine Geschwindigkeit verzögert
und dadurch der Druck derart erhöht, daß er
den im Kessel herrschenden Druck übersteigt,
so daß das Wasser in den Kessel einströmt.


Abb. 214. Wasser
Der Überlauf (Schlabberraum) d dient dazu,

die Speisung einzuleiten; wenn zunächst der
Wasserzufluß und dann allmählich der Dampf-
zufluß geöffnet wird, strömt das Wasser durch
den Überlauf so lange aus, bis seine Geschwin-
digkeit groß genug geworden ist, um den
Gegendruck in der Fangdüse zu überwinden.
Sobald dies der Fall, tritt der Wasserstrahl in
die Fangdüse über und das Ausströmen aus dem
Überlauf hört auf. Wenn das Wasser der D.
nicht durch Druckwirkung zufließt, so muß
es angesaugt werden. Dies ist nicht olme-
weiters möglich, weil der aus der Dampf-
düse austretende Strahl sich in der engeren
Mischdüse anstaut. In der Regel wird daher
in die Dampfdüse eine sog. Saugspindel einge-
schoben, die durch eine enge Bohrung einen
feinen Dampfstrahl in die Mischdüse treten läßt
und daselbst eine Luftverdünnung erzeugt,
durch die das Wasser angesaugt wird. Erst
nachdem dieses aus dem Überlauf ausströmt,
wird durch Zurückziehen der Spindel die
Dampfdüse ganz geöffnet und dadurch die D.
in Gang gesetzt. Man unterscheidet daher
saugende und nichtsaugende D.; letzteren
muß das Speisewasser aus einem höher liegenden
Behälter zufließen.
Aus der Wirkungsweise der D. ergibt sich, daß
ihr sicheres Arbeiten an gewisse Bedingungen
geknüpft ist; es müssen nicht nur die Düsen
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list