Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 252
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Dampfstrahlpumpen. Dampfverbrauch.

tritt zur D. durch ein Sieb geleitet werden, dessen
Löcher zusammen mindestens den vierfachen
Querschnitt der Rohröffnung haben müssen.
Schlabberrohr. Die Schlabberrohrleitung
ist ähnlich der Dampfaustrittsleitung einer
Dampfmaschine auszubilden. Sie soll ohne
die geringsten Querschnittsverengerungen mög-
lichst geradlinig, für den Lokomotivführer
sichtbar ins Freie ausmünden. Es empfiehlt sich,
das Schlabberrohr möglichst kurz anzuordnen.
Das Schlabberrohr des saugenden Apparates muß
oberhalb des höchsten Tenderwasserspiegels
mit einem Luftloch von etwa 10 mm versehen
sein, damit es nicht als Heber wirkend den
Tender entleeren könne.
Druckleitung. Verengungen und Krüm-
mungen der Druckleitung vermindern die
Leistungsfähigkeit der D. Da Ablagerungen von
Kesselstein nach längerem Betriebe Querschnitts-
verengungen herbeiführen, muß das Druck-
rohr von Anbeginn reichlich bemessen sein.
Sonstige Verwendung der D. Neben
ihrer Hauptbestimmung, der Kesselspeisung,
dienen die D. auch vorübergehend nach-
stehenden Zwecken:
1. Zum Ablassen des Dampfes bei Außer-
betriebsetzung der Lokomotive. Hierzu wird
das Schlabberventil geschlossen, das Dampf-
ventil geöffnet, und durch dieses der Dampf in
den Tender geleitet.
2. Zum Bespritzen der Kohle und zum
Einspritzen in den Aschenkasten, wenn an der
D. die entsprechenden Vorkehrungen ange-
ordnet sind.
3. Zu Löschzwecken bei Feuergefahr.
Die Leistungsfähigkeit der D. richtet
sich nach der Größe des engsten Quer- |
Schnittes der Fangdüse und ist je nach der Bau- j
art der Apparate sehr verschieden. Bezeichnet ■
man den engsten Querschnitt der Fangdüse j
mit d in mm, so beträgt die Liefermenge in
V2 Minute bei erstklassigen Systemen d2 /,
welche Menge bei den meisten anderen Bauarten
bis auf die Hälfte vermindert ist. Der kleinste
Durchmesser der Fangdüse d in mm gibt im
Handel die Größe der D. an. Die Größe der
D. für eine bestimmte Lokomotive richtet
sich nach der Heizfläche des Kessels. Je
nach der Art und Verwendung der Lokomotive
verdampft 1 m2 Heizfläche erfahrungsgemäß
zwischen 30 und 55 / Wasser in der Stunde.
Zur Bestimmung der Größe der D. rechnet
man aus Sicherheitsgründen mit dem doppelten
Wasserverbrauch.
Die D. wird heute überall als Speise-
vorrichtung an Lokomotiven verwendet; am
verbreitetsten sind in Deutschland die Systeme
Friedmann, Strube, Körting, Schäffer & Buden-

berg; in Österreich Friedmann, in Frankreich
Friedmann, in England Gresham, in Amerika
Seilers und Nathan. Blauhorn.
Da rnpfver brauch (stecim consumption; con-
sommation de vapeur; cotisumo di vapore)
der Lokomotiven oder Dampfmaschinen, die
in irgend einer Gewichtseinheit ausgedrückte
Dampfmenge (gleich der Wassermenge aus der
dieser Dampf gebildet wurde), die zur Erzielung
einer vollführten Leistung erforderlich ist.
Für wissenschaftliche Zwecke und als Grund-
lage für den Vergleich verschiedener Aus-
führungen von durch Dampf betriebenen Mo-
toren aller Art, wird der Dampfverbrauch
meistens in Kilogrammen (England und Amerika
in Pfunden) für eine Stunde und eine Pferde-
kraft ausgedrückt.
Es ist zu unterscheiden zwischen dem
theoretischen und dem praktischen (wirk-
lichen) D.
Der theoretische D. ist jene Gewichts-
menge von Dampf (Wasser), die in den Dampf-
zylindern Arbeit abgebend (auf die Leistungs-
1 einheit bezogen), verbraucht wurde. Diese läßt
sich aus dem Indikatordiagramm (s. Indikator)
und auf rechnerischem Wege aus dem theo-
retischen Diagramme bestimmen.
Die aus diesen Diagrammen ermittelten
Werte (s. Dampfarbeit) sind für die Praxis
(Bestimmung des Wasserinhaltes der Tender,
der Fahrtdauer, nach der Wasser nachzu-
füllen ist, Größe von stabilen Wasserreservoiren
u. s. w.) nicht geeignet, da sie nicht den un-
vermeidlichen Wasserverlusten und den mit
der verlangten Zugkraftleistung im Zusammen-
hang stehenden Nebenleistungen Rechnung
tragen.
Der wirkliche Dampf- oder Wasserverbrauch
setzt sich zusammen aus: dem theoretischen
Verbrauch, aus den Dampfverlusten durch Ab-
blasen der Sicherheitsventile, aus den Wasserver-
lusten beim Anstellen der Injektoren (Schlabber-
verlusten), den Wasserverlusten durch Mit-
reißen von unverdampftem Kesselwasser bei
zu hohem Wasserstande oder zu klein bemessenen
Kesseln (Spucken) und den Verlusten durch
Undichtheiten in den Wasserzuleitungsrohren
zwischen Lokomotive und Tender, ferner aus
dem Gewichte jener Dampfmengen, die zur
Betätigung der selbsttätigen Bremsen (Luft-
sauger oder Luftpumpe) und zur Heizung des
Zuges (im Winter) aufgebraucht werden.
Der Wirklichkeit entsprechende Werte werden
1 gefunden, wenn die im Artikel Dampfarbeit
für die einzelnen Dampfmaschinen- (Lokomotiv-)
Gattungen angegebenen Ziffern mit 1*2 für
Sommerdienst, mit 1*3 für Winterdienst multi-
pliziert werden. Gölsdorf.
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