Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 253
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Dampfzylinder.

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Dampfzylinder (steam-cylinders; cy lind res ä
vapeur; cilindri a vapore), jene Bestandteile der
Dampfmaschinen, in denen das Arbeitsvermögen
des Dampfes (s. Dampfarbeit) zuerst in mecha-
nische Arbeit umgewandelt wird, indem die
Kolben durch den Druck und die Ausdehnungs-
kraft des auf sie einwirkenden Dampfes geradlinig, i
um bestimmte Strecken verschoben werden; diese
Bewegung \x ird durch das Kurbelgetriebe auf
die Treibachse oder die Welle übertragen und
in eine drehende umgewandelt. Da die Bewegung
des Kolbens eine hin und her gehende sein soll,
so muß der Dampfdruck mit Unterbrechungen
auf die Kolbenflächen wirken. Man läßt daher
den Dampf auf einer Seite des Kolbens in den
D. eintreten und nach einer entsprechenden
Verschiebung des Kolbens wieder aus dem D.
austreten. Entweder wiederholt sich dieser Vor-
gang auf beiden Kolbenseiten abwechselnd, oder |
der Kolben muß jedesmal durch andere Kräfte
in seine Anfangsstellung zurückgebracht werden.
Der Dampfeintritt in die D. und der Austritt
aus denselben wird durch das Spiel von Schie- j
bern oder Ventilen geregelt, die durch eine
Steuerungsvorrichtung bewegt werden.
Bei den D. sind zu unterscheiden:
1. Das zylindrische Rohr, in dem sich
der Dampfkolben bewegt (der eigentliche D.).
2. Der Dampf ko Iben, der durch den
Dampfdruck hin und her bewegt wird und
durch die mit dem scheibenartigen Körper fest
verbundene Kolbenstange die Arbeitsleistung
des Dampfes in geeigneter Weise weiter überträgt.
3. Die Stirn ab Schlüsse des zylindrischen
Rohrs, die entweder nur auf einer oder auf
beiden Seiten des D. vorhanden sind. Der
Stirnabschluß kann mit dem Zylinder aus
einem Stück bestehen (Zylinderboden), oder
als ein besonderer scheibenförmiger Teil
(Zylinderdeckel) mit dem Zylinder durch
Schrauben verbunden werden.
4. Vorrichtungen zur dichten Führung der
Kolbenstange (Stopfbüchsen, Manschetten-
dichtung) an jenen Stirnabschlüssen, durch
die die Kolbenstangen hindurchgehen.
5. Dampfkanäle, durch die der Dampf
in den D. einströmt und aus diesem wieder
ausströmt.
6. Bohrungen für das Ablassen des Kon- ,
densationswassers aus dem Zylinderraum; in
diese sind Hähne oder Ventile eingesetzt.
7. Bohrungen für die Zylinderschmierung,
auf die die Schmiervorrichtungen unmittelbar
aufgesetzt, oder mit denen die letzteren durch
Rohrleitungen verbunden sind.
8. Die Zylinderbefestigungsflanschen.
A. Die D.der Lokomotiven sind parallel zur
Lokomotivlängsachse, wagrecht oder wenig ge-

neigt gegen die Wagrechte angeordnet; sie liegen
entweder innerhalb der Rahmen (Innen-
zylinder), oder außerhalb der Rahmen
(Außenzylinder).
Innenzylinder haben gegenüber Außenzylin-
dern den Vorteil der besser geschützten Lage,
sowie vor allem den der geringeren Entfernung
voneinander; infolgedessen wird das Moment
der hin- und hergehenden Massen, das die
schädlichste der störenden Bewegungen, das
Schlingern erzeugt, klein, so daß Maschinen
mit Innenzylindern besonders für große Fahr-
geschwindigkeiten ihres ruhigeren Gangs wegen
geeignet erscheinen. Die Anwendung der Innen-
zylinder ergibt auch eine äußerst wirksame
Rahmenverbindung, während Außenzylinder die
Rahmen biegend beanspruchen und besonders
kräftige Querverbindungen erforderlich machen.
Dagegen werden als Nachteile der Innenzylinder
gegenüber Außenzylindern hauptsächlich hervor-
gehoben: die Notwendigkeit der Anwendung
einer doppelt gekröpften Treibachse und die
erschwerte Zugänglichkeit des innen liegenden
Triebwerks.
Bei den älteren Lokomotiven (ohne Dreh-
gestelle und ohne seitlich verschiebbare vordere
Laufachsen) liegen die D. in der Regel vor
der ersten Achse. Bei den neueren Lokomotiven
liegen sie zwischen den Achsen des Drehgestelles
oder hinter der vorderen Laufachse. Oie Lage
der D. ganz in der Nähe des Gesamtschwer-
punktes der Lokomotive — zuerst ausgeführt
von Crampton 1846 — vermindert die störende
Bewegung des Nickens, die aber bei den neueren
Lokomotiven mit den großen Radständen nicht
mehr jene bedenkliche Größe erreicht, wie bei
den älteren Lokomotiven.
Die absoluten Abmessungen der D. schwanken
in ziemlich weiten Grenzen und sind abhängig
von den Anforderungen, die an die Lokomo-
tive gestellt werden (s. Lokomotive).
Die D. werden aus Gußeisen hergestellt;
die verschiedenen konstruktiven Ausführungen
unterscheiden sich, abgesehen von den Größen-
verhältnissen und der Anordnung der Zylinder
außerhalb oder innerhalb der Rahmen, auch
durch die Lage der Schieberkasten zu den
Zylindern; ebenso hat der Umstand, ob bei
Maschinen mit oder ohne Verbundwirkung
gearbeitet wird, ob der Zylinder mit oder ohne
Dampfmantel ausgestattet ist, ob die Regelung
des Dampfein- und -austrittes durch Flach-,
Kolbenschieber oder Ventile erfolgt, Einfluß
auf die konstruktive Ausführung der D.
Abb. 224 -229 stellen einen Außenzylinder mit
innerhalb der Rahmen liegender Steuerung dar; der
Zylinder ist mittels eines seitlichen großen rechteckigen
Flansches an dem Rahmenblech mit Schrauben be-
festigt und hängt mit einer, der ganzen Länge nach
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