Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 258
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Dampfzylinder.

B. Dampfzylinder der ortsfesten
Dampfmaschinen.
Die D. der feststehenden Dampfmaschinen
unterscheiden sich von den D. der Lokomo-
tiven, abgesehen von der verschiedenartigen
Anordnung, die durch die Art der Aufstellung
bedingt ist, namentlich durch die Eigenart der
Dampfein- und -auslaßorgane sowie der Ver-
bindung der D. mit der Kreuzkopfführung.
Die D. dieser Maschinen bestehen aus Guß-
eisen und sind mit geringen Ausnahmen ge-
wöhnlich mit den Schieber- oder Ventilkasten,
die die inneren Steuerungsteile aufnehmen, in
einem Stück gegossen.
Die beiden Enden des zylindrischen Teils
werden durch Deckel verschlossen, in denen
sich die Stopfbüchsen zum Hindurchführen
der Kolbenstangen befinden.
Damit der Dampfkolben nicht von der
Zylinderwandung getragen wird, versieht man j
bei den meisten liegenden D. beide Zylinder- j
deckel mit Stopfbüchsen und führt die Kolben-
stange durch beide Zylinderdeckel, was für
Maschinen bis etwa 500 mm Zylinderdurch-
messer genügt.
In großen D. muß jedoch der Kolbenkörper i
ganz frei schweben und soll derselbe nur von
der Kolbenstange getragen werden. Zu diesem
Zweck ist es notwendig, die Kolbenstange nicht
nur durch beide Zylinderdeckel hindurch-
zuführen, sondern sie überdies an jedem Ende
durch Schlitten oder Schlittenbahnen, bzw.
durch entsprechend gebaute Führungen zu
stützen.
Kleine D., ferner die meisten senkrecht an- !
geordneten, oder D. an Dampfmaschinen, die
in ihrem Längenmaß aus bestimmten Gründen
möglichst kurz zu halten sind, erhalten nur
einseitig geführte Kolbenstangen.
Bei rasch laufenden Maschinen erhalten die
Dampfkolben eine ganz ähnliche Bauart wie jene
der Lokomotiven, demnach Dampfkolben, die
nur aus dem Kolbenkörper samt Kolbenstange
und den selbstspannenden Kolbenringen be-
stehen.
Auch die Befestigung der Kolbenstangen in
dem Kolbenkörper erfolgt bei diesen Maschinen
in ganz ähnlicher Weise wie bei den Dampf-
kolben der Lokomotiven.
Die Bauart der Dampfkolben für Maschinen
mit mäßiger Kolbengeschwindigkeit weicht in-
soferne von denen der Lokomotive ab, als
man die Dampfkolben dieser Maschinen meist
mit Kolbendeckeln und stellbaren oder nicht-
stellbaren Druckfedern (mit oder ohne Ein-
schaltung eines Druckverteilungsringes), die
hinter den Kolbenringen eingelegt werden,
und die durch ihre Spannkraft die Dichtungs-

ringe an die Zylinderwandtingen drücken, aus-
führt. An Stelle von Federn kommen auch ge-
schlitzte Ringe in Anwendung, deren Durch-
messer derart vergrößert werden kann, daß ein
stärkeres Andrücken der Kolbenringe an die
Zylinderwandungen erfolgt.
In neuerer Zeit werden häufig Kolben mit selbst-
federnden Kolbenringen wegen ihrer Einfachheit
und Eignung für höhere Kolbengeschwindigkeit auch
für größere Dampfmaschinen von verschiedenen
Maschinenfabriken ausgeführt. Die Anzahl der selbst-
federnden Kolbenringe beträgt bei diesen Kolben
gewöhnlich 2-4, manchmal noch mehr.
D., die für die Regelung der Einströmung
sowie für die Ausströmung des Dampfes ge-
trennte innere Steuerungsteile besitzen, gleich-
viel ob diese als Flachschieber, Rundschieber,
Ventile u. s. w. hergestellt sind, haben für die
Führung des Dampfes vom Dampfeinlaßschieber
oder Einlaßventil in den D. und für die
Führung des verbrauchten Dampfes vom D.
zum Dampfauslaßschieber oder Auslaßventil
ganz getrennte Dampfkanäle; sehr häufig
selbst getrennte Schieber-, bzw. Ventilgehäuse.
Die Vorrichtungen für die Dampfeinströmung
sind meist oben, jene für die Ausströmung
meist unten am D. angeordnet. Die An-
bringung der Ventile oder Schieber für die
Dampfausströmung unten am D. gestattet
den leichten Abfluß des im D. sich bildenden
Kondensationswassers, und ergibt sich daraus
wohl in erster Linie die Veranlassung, die
Dampfausströmungsteile in dieser Weise an-
zubringen. Die bequeme Dampfführung vom
Hochdruckdampfzylinder bei Woolf- oder
Verbundmaschinen zum großen oder Nieder-
druckdampfzylinder rechtfertigt weiters auch
die Anordnung der Dampf ein laß Vorrichtungen
unten an dem Niederdruck- oder großen D.
Werden bei Verbund- oder Woolf-Maschinen
die Niederdruckzylinder mit Ventilsteuerung
versehen, so werden meist mit Rücksicht auf
das Raumerfordernis für die Anbringung der
Ventile auch die Einlaßventile für diesen
D. in ähnlicher Weise wie für den Hoch-
druckzylinder unter Verzicht auf die bequeme
Dampfführung oben am D. angeordnet.
In Abb. 230 u. 231 ist der Niederdruck-
dampfzylinder einer Verbund-Dampfmaschine
dargestellt. Die inneren Steuerungsteile dieser
Maschine bei beiden Dampfzylindern sind
Rundschieber.
Die Deckel der Schieber- und Ventil-
kasten sind als einfache Abschlußdeckel gebaut,
je nach ihrer Größe mit oder ohne Rippen
versehen und werden an den Schieber-, oder
Ventilkasten dicht angeschraubt. Die Abdichtung
dieser Deckel erfolgt in ähnlicher Weise wie
bei den Lokomotivdampfzylindern.
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