Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 263
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Davosplatz-Schatzalp-Bahn.
Die 1000 m von der oberen Station entfernte
Zentrale zur Erzeugung der elektrischen Energie hat
zwei 50pferdige Dowson-Kraftgasmoioren. Seit dem
18. April 1910 wird das Gas vom Gaswerke Davos
bezogen. Zwei Dynamomaschinen liefern den Strom
nach der oberen Station. Ein hier aufgestellter Gleich-
strommotor von 50 P. S. Leistung setzt bei 400
Volt Spannung das Triebwerk der Seilbahn in Be-
wegung. Um die während des Bahnbetriebes vor-
kommenden Spannungsschwankungen auszugleichen,
arbeitet eine Akkumulatorenbatterie in Parallel-
schaltung mit den Dynamomaschinen.
Das Drahtseil aus Tiegelgußstahl hat ein
Gewicht von 2’8 kg auf das laufende in.
Die Wagen mit je vier Abteilungen fassen
44 Personen. Eine Abteilung ist auch für die Be-
förderung von Gepäck und Gütern eingerichtet.
Die Wagen werden elektrisch beleuchtet. Die
Bremsen derselben bestehen aus drei den
Schienenkopf umklammernden Zangenpaaren.
Das eine davon dient als Handbremse; die
beiden andern werden bei einer Abspannung
des Seiles selbstwirkend angezogen.
Die Stationsbremsen sind auf der ersten
Vorgelegewelle des Triebwerkes angebracht.
Sie bestehen aus zwei Bremsscheiben, von
denen die eine mittels Handbremse, die an-
dere bei Überschreitung der gestatteten Höchst-
geschwindigkeit selbstwirkend gebremst wird.
Die Bahn beförderte im Jahre 1911 im
ganzen 121.040 Personen, im Mittel täglich
331*6 Personen, ferner im ganzen 2245 t
Güter und 1521 Gepäck. Die Betriebseinnahmen
erreichten 117.781 Fr., die Ausgaben 72.082 Fr.
Das Anlagekapital betrug Ende 1911
816.520 Er. Das Gesellschaftskapital von
300.000 Fr. erhielt im gleichen Jahre eine
Dividende von 4 °/0 .
Literatur: C. Wetze!, Die Davosplatz-Schatzalp-
Bahn, Schwz. Bauztg. Bd. 38, Nr. 7 u. 8. — Schwei-
zerische Eisenbahn-Statistik. — Geschäftsberichte der
Davosplatz-Schatzalp-Bahn. Dietler.
Deblockierung, Entblockung (Clearing a
section, giving line clear; deblocage; sbloccatura,
clar via libera) ist die Aufhebung eines an
einer Stelle hergestellten Blockverschlusses von
einer anderen Stelle aus. Bei der Strecken-
blockung versteht man darunter die Freigabe
eines zur Deckung eines Streckenabschnitts
in der Haltestellung festgelegten Signals durch
die in der Fahrrichtung vorliegende Blockstelle
(s. Blockeinrichtungen). Hoogen.
Decken miete, s. Decken- und Binde-
mittel.
Decken- und Bindemittel (matcriel de
bächage et d’arrimage; materiale di copertura
e di legatura), umfassen das zum Schutz und
zur Befestigung der auf offenen Wagen ver-
ladenen Güter in Verwendung kommende
Eindeckungs- und Bindematerial, als Wagen-
decken, 1 eerplachen, Leinen, Ketten, Riemen

Decken- und Bindemittel.
u. s. w.; die D. werden entweder vom Absender
beigegeben oder auf sein Verlangen von der
Eisenbahn gegen eine bestimmte Leihgebühr
beigestellt.
Bezüglich der von den Absendern bei-
gestellten eigenen Decken gilt nach dem
deutschen Eisenbahngütertarif und den öster-
reichischen, ungarischen und bosnisch-hercego-
vinischen Eisenbahngütertarif (Teil I, Ab-
teilung B) folgendes:
Die Decken müssen mit einer dauerhaften
und deutlichen Bezeichnung des Namens des
Eigentümers und seines Wohnorts (Eisen-
bahnstation) versehen sein.
Die Decken werden bei Beförderung der
betreffenden Güter an den Empfänger fracht-
frei befördert (in Deutschland nur, wenn
Wagenladungsfracht erhoben wird). Die Rück-
sendung der Decken geschieht unter be-
stimmten Voraussetzungen zu sehr ermäßigten
Frachtsätzen.
Die von den Absendern beigestellten Lade-
geräte, als Aufsätze, Teilwände, Langbäume,
Schemel, Ketten, Seile, Leinen, Stränge, Schließ-
keile, Rungen und Unterlagebalken, sowie
die zur Holzverladung benutzten Siitzen oder
Streifen, ferner Wärme- und Kälteschutz-
mittel, als Filztafeln, Strohmatten, Matratzen,
werden frachtfrei befördert. Die Rücksendung
kann bei Beobachtung bestimmter Bedingungen
ebenfalls frachtfrei erfolgen.
Elinsichtlich der Beisteilung von Decken
seitens der Eisenbahn gelten die Bestimmungen
der Versandbahn.
Die Deckenmiete wird in Deutschland nach
der Anzahl der Decken, in Österreich-Ungarn
ohne Rücksicht auf die Anzahl der Decken
für einen Wagen berechnet.
Über die Behandlung und Beförderung der
Wagendecken und der übrigen Lademittel sind
für den Bereich des VDEV. durch das Über-
einkommen, betreffend die gegenseitige Wagen-
benutzung, eingehende Vorschriften getroffen:
Nach diesen Vorschriften sind alle auf fremde
Bahnen übergehende Lademittel, namentlich auch
lose Wagendecken, soweit ausführbar, mit einem
Eigentumsmerkmal zu versehen. Außerdem ist ihnen
ein zu kartierender Begleitschein mitzugeben.
Wird eine in einem offenen Wagen unter
Schutz bahneigener Decken verladene Sendung
weitergesandt, so dürfen die der Sendung auf der
ursprünglichen Versandstation beigegebenen Decken
auf dem Wagen belassen werden. Die neue Ver-
sandstation hat die ursprüngliche Versandstation
von der Weitersendung der Decken alsbald schrift-
lich zu verständigen. Der ursprüngliche Begleitschein
ist durch Eintragung der neuen Bestimmungs-
station zu vervollständigen und hat die Decken bis
zur Rückkehr in die Heimat zu begleiten.
Auf dem Rückwege dürfen Lademittel nur zu
Sendungen nach der Heimatbahn verwendet werden.
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