Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 268
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Deichselgestelle.

Deichselgestelle (ponytruck radial bogie,
Bisseltnick; train articule, Bissei track; carello
a timone), allgemeine Bezeichnung für die ver-
schiedenen, aus dem Bisselgestell (s. d.) entstan-
denen Bauarten ein- oder zweiachsiger Rad-
gestelle, die bestimmt sind, einen Teil des Loko-
motivgewichtes zu tragen und das Befahren der
Krümmungen zu erleichtern. Der Rahmen, in
dem die Räderpaare des D. gelagert sind, ist
derart ausgebildet, daß er an einem Ende, (an
der der Fahrtrichtung entgegengesetzten Seite),
ein Gelenk trägt, durch das er mit dem
Hauptrahmen verbunden ist. Die Übertragung

das die Querfedern des D. verbindet,
und in dem das vordere Ende des Haupt-
hebels durch eine Schraube universalgelenkig
eingehängt ist, findet in vertikaler Richtung
eine Führung in einem im Hauptrahmen ge-
lagerten (nicht gezeichnet) Hohlzylinder. Die
Möglichkeit einer seitlichen Verschiebung der
Laufachse (Verdrehung der Deichsel) ist da-
durch gegeben, daß die Federn des D. an
den Enden an Pendeln - im vorliegenden
Falle Dreibolzenpendel - aufgehängt sind;
diese Pendel geben auch die nötige Rück-
stellkraft.


der auf dem D. ruhenden Last erfolgt durch
im Hauptrahmen gelagerte Tragfedern, deren
Stützen vermittels untergelegter Gleitstöckel in
Gleitpfannen der Achslager des D. gleiten, j
oder durch Tragfedern im D. selbst, die
durch ein System von Ausgleich hebeln ihren
Stützpunkt im Hauptrahmen finden.
Ein einachsiges amerikanisches D. letzt-
genannter Art der Abfederung ist in Abb. 239
dargestel t.
Die Gelenkpunkte der Ausgleichhebel —
der die vorderen Federgestänge der ersten
Kuppelachse verbindende Querhebel und der
die Last der in der Deichsel gelagerten Lauf-
achse aufnehmende, in der Längsachse der
Lokomotive angeordnete Haupthebel — sind
in Schneiden gelagert. Das zylindrische Stück,

Älter als die einachsigen D., aber weniger
oft als diese angewendet, sind die zweiachsigen
D. (s. Bisselgestelle).
Die erste Ausführung eines zweiachsigen
D. als führendes Radgestelle erfolgte im
Jahre 1857 an von Haswell in Wien ge-
bauten Personenzuglokomotiven der südlichen
österreichischen Staatsbahn. An diesen Loko-
motiven erfolgte die Übertragung der Last
durch ein in der Maschinenmitte gelagertes,
auf Druck beanspruchtes Pendelpaar; diese
Ausführung der Pendellagerung ist somit
der Vorläufer der von Alba. F. Smith in
Amerika 1862 patentierten Wiegenpendel
(s. Drehgestelle). Zweck dieser Pendel ist,
die bei Anwendung von Federn, Gleit-
platten und Keilflächen auftretenden, zu Ab-
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