Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 272
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Denver- and Rio Grande-Eisenbahn. - Desinfektion.

Die älteren, schmalspurigen Strecken der
Denver- und Rio Grande-Balm durchziehen
Gebiete, die zu den landschaftlich großartig-
sten der Vereinigten Staaten gehören. Das be-
rühmte Bad Colorado Springs liegt auf der
Strecke zwischen Denver und Pueblo. Die Bahn
wird daher von Vergnügungs- und Erholungs-
reisenden sehr stark benutzt. Bei den Überland-
reisen wird häufig für die Hin- oder Rückreise
die Denver- und Rio Grande-Bahn gewählt.
Die Herstellungskosten der Bahn betrugen
am 1. Januar 1910 rund 161 Millionen $. Das
Anlagekapital besteht aus 38 Millionen $
Aktien, 50 Millionen $ Vorzugsaktien, auf die
in den letzten Jahren regelmäßig 5 °/0 Dividende
gezahlt wurden, und 115V2 Millionen $ Obli-
gationen (Bonds). v. der Leyen.
Depotstationen, Stationen, die bestimmte
Inventar- oder Verbrauchsgegenstände für den
Bedarfsfall in Vorrat halten. D. werden von
den Bahnverwaltungen bestimmt für Schienen,
Schwellen, Brennstoffe und andere Materialien,
soweit solche nicht in besonderen Material-
magazinen verwahrt werden; ferner für ein-
zelne Inventargegenstände (Reserve- und Hilfs-
wagen, Schneepflüge, Krane, Rettungskasten,
Wagenersatz- und Einrichtungsstücke, Lade-
mittel). Stationen, die derlei Gegenstände
benötigen, haben sie von den nächstgelegenen
D. anzusprechen; nach erfolgter Benutzung
werden die Inventargegenstände wieder an die
D. zurückgeleitet. Parteiwagen, die im Fahr-
park einer Verwaltung eingestellt sind, werden
ebenfalls bestimmten D. zugewiesen.
Desinfektion, Entseuchung (desinfection;
desinfection; disinfezione), das Verfahren zur
Zerstörung von der Gesundheit schädlichen
Stoffen, besonders der als Ansteckungsstoffe
erkannten mikroskopischen Organismen (Bak-
terien). Im weiteren Sinn gehören zur D.
auch jene Maßregeln, die vorbeugend gegen
die Entstehung oder Ausbreitung der Krank-
heitsstoffe getroffen werden.
1. Allgemeines. Die Ansteckungsstoffe,
gegen die sich die D. richtet, können vor
allem, soweit der Eisenbahnverkehr in Betracht
kommt, den zur Tierbeförderung verwendeten
Wagen, den hierbei zum Füttern, Tränken
u. s. w. benutzten Gerätschaften, insbesondere
infolge Verunreinigung durch die tierischen
Auswurfstoffe, anhaften. Bei der Beförderung
von Personen können Ansteckungsstoffe in den
Personenwagen Zurückbleiben, oder durch die
von den Reisenden mitgeführten Gebrauchs-
gegenstände u. dgl. übertragen werden.
Die für den Eisenbahnverkehr bestehenden
Vorschriften über D. sind meist vorbeugender
Natur; das gilt insbesondere von den Be-

stimmungen, die die ständige I). von Vieh-
wagen vorschreiben, sowie von den Vor-
schriften über die während der Dauer von
Epidemien vorzunehmende D. von Aborten,
Gepäcksgegenständen, dann von gewissen, An-
steckungsstoffe leicht verschleppenden Sendun-
gen (Hadern, gebrauchte Kleider u.s. w.), die aus
verseuchten Ländern eingeführt werden. Außer-
dem bestehen gewöhnlich verschärfte Vor-
schriften über die Vornahme der D. bei einer
wirklichen Infektion oder einem Infektionsver-
dachte, insbesondere hinsichtlich der D. der
Wagen, in denen infizierte oder seuchen-
verdächtige Tiere befördert wurden, des
Düngers und Streumateriales. Ebenso bestehen
strenge Vorschriften in bezug auf die D. von
Personenwagen (Abteile, Gänge, Klosette), in
denen mit Infektionskrankheiten behaftete Per-
sonen befördert worden sind, der Kleider und
sonstigen Effekten der letzteren, der Gegen-
stände, die mit den Kranken in unmittelbare
Berührung kommen u. s. w.
A. Hintanhaltung der Verschleppung
von ansteckenden Tierkrankheiten
(Rinderpest, Maul- und Klauenseuche, Milz-
brand, Rauschbrand, Wild- und Rinderseuche,
Lungenseuche der Rinder, Rotz, Pockenseuche
der Schafe, Beschälseuche der Pferde und Bläs-
chenausschlag der Pferde und Rinder, Räude der
Pferde, Esel, Maultiere, Maulesel, Schafe und
Ziegenwutkrankheit, Schweinepest [Schweine-
seuche], Rotlauf der Schweine, Geflügelcholera
und Hühnerpest, äußerlich erkennbare Tuber-
kulose der Rinder). In Europa ist zurzeit
beinahe überall eine ständige D. der zur
Viehbeförderung verwendeten Eisenbahnwagen
u. s. w. eingeführt, u. zw. in erster Linie mit
Rücksicht auf die großen wirtschaftlichen Ver-
luste, die Rinderpesteinschleppungen wiederholt
zur Folge hatten.
Die in der Zeit vom 16. März bis 6. April
1872 unter Teilnahme von Abgeordneten
aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Groß-
britannien, Italien, Österreich-Ungarn, Ru-
mänien, Rußland, der Schweiz, Serbien und
der Türkei in Wien abgehaltene, inter-
nationale Konferenz zur Erzielung eines
gleichförmigen Vorgehens gegen die Rinder-
pest hat in dem von ihr entworfenen inter-
nationalen Regulativ zur Tilgung der Rinder-
pest nachstehenden Grundsatz aufgenommen:
„Die Staaten vereinigen sich dahin, daß
alle Gegenstände, die für die Beförderung von
Wiederkäuern, Pferden und Schweinen gedient
haben, unter allen Verhältnissen vor ihrer
Wiederbenutzung desinfiziert werden; in
gleicher Weise sind alle Gegenstände zu des-
infizieren, die zur Beförderung solcher Pro-
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