Röll, Victor von [Hrsg.]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Seite: 278
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Desinfektion.

haftenden Schmutzes eine Abspülung mit heißem
Wasser erfolgen.
Die L). selbst hat sich, u. zw. auch in den Fällen,
wo der Wagen nur teilweise mit Vieh beladen war,
auf alle Teile des Wagens oder des benutzten Wagen-
abteils zu erstrecken.
Die D. muß bewirkt werden:
a) unter gewöhnlichen Verhältnissen durch
Waschen der Fußböden, Decken und Wände mit
einer auf mindestens 50° C erhitzten Sodalauge, zu
deren Herstellung wenigstens 2 kg Soda auf 100 /
Wasser zu verwenden sind;
b) in Fällen einer Infektion des Wagens durch
Rinderpest, Milzbrand, Rauschbrand, Wild- und
Rinderseuche, Maul- und Klauenseuche, Rotz, Rot-
lauf der Schweine oder Schweineseuche (einschließ-
lich Schweinepest) oder des dringenden Verdachtes
einer solchen Infektion durch Anwendung des unter
a vorgeschriebenen Verfahrens und außerdem durch
sorgfältiges Bepinseln der Fußböden, Decken und
Wände mit einer 3%igen Kresolschwefelsäure-
mischung. Letztere ist durch Mischen von zwei
Raumteilen rohem Kresol (Cremolum cruduin des
Arzneibuches für das Deutsche Reich) und einem
Raumteil roher Schwefelsäure (Acidum sulfuricum
crudurn des Arzneibuches für das Deutsche Reich)
bei gewöhnlicher Temperatur zu bereiten. Zur Her-
stellung der 3%igen Lösung darf die Mischung
frühestens 24 Stunden, spätestens 3 Monate nach
ihrer Bereitung benutzt werden. Die Lösung ist
innerhalb 24 Stunden zu verwenden. Anstatt des
Bepinselns kann auch eine Bespritzung mit einem
geeigneten Desinfektionsapparat erfolgen.
Die verschärfte D. (zu b) ist in der Regel nur
auf Anordnung der zuständigen Polizeibehörde,
ohne solche Anordnung jedoch auch dann vorzu-
nehmen, wenn die Wagen zur Beförderung von
Klauenvieh aus verseuchten Gegenden, d. h. von
solchen Stationen, in deren Umkreise von 20 km die
Maul- und Klauenseuche herrscht oder noch nicht
für erloschen erklärt worden ist, gedient haben,
oder wenn die Bahnbeamten von Umständen Kenntnis
erlangen, die es zweifellos machen, daß eine In-
fektion des Wagens durch eine der genannten
Krankheiten vorliegt oder die den dringenden Ver-
dacht einer solchen Infektion begründen. Der
Landespolizeibehörde bleibt es Vorbehalten, die ver-
schärfte D. auch in anderen Fällen anzuordnen,
wenn sie es zur Verhütung der Verschleppung der
bezeichneten Seuchen für unerläßlich erachtet.
Die Kundmachung des Reichskanzlers enthält
auch Bestimmungen über die Abnahme der Ver-
schalung bei verschärfter D., über die Abnahme der
Polsterungen, über die Reinigung und D. der bei
der Verladung und Beförderung der Tiere zum
Füttern, Tränken, Befestigen u. s. w. verwendeten
Gerätschaften, der beweglichen Rampen und Ein-
ladebrücken, der festen Rampen, der D. (des Ver-
brennens) der Streumaterialien, des Düngers u.s. w.
Für Geflügel gelten laut Bekanntmachung des
Reichskanzlers vom 17. Juli 1904, RGB. Nr. 317, die
gleichen Vorschriften.
Mit Erlaß des preußischen Ministers für Land-
wirtschaft, Domänen und Forsten vom 20. März
1911 wurde die verschärfte D. für alle Eisenbahn-
wagen angeordnet, in denen Klauenvieh befördert
wurde.
In den einzelnen deutschen Bundesstaaten be-
stehen folgende Gesetze und Ausführungsverord-
nungen :
Baden: Verordnung des großherzoglichen Mini-
steriums des großherzoglichen Hauses und der aus-

wärtigen Angelegenheiten sowie des großherzoglichen
Ministeriums des Innern vom 27. September 1904.
Bayern: Verordnung des kgl. Staatsministeriums
des Innern und des kgl. Staatsministeriums für Ver-
kehrsangelegenheiten vom 24. August 1904.
Elsaß-Lothri ngen: Bekannlmachung des Mini-
steriums für Elsaß-Lothringen, Abteilung für Land-
wirtschaft und öffentliche Arbeiten vom 16. Dezem-
ber 1904.
Oldenburg: Bekanntmachung des Staatsmini-
steriums, Departement des Innern und der Finanzen
vom 24. Juli 1901, 17. Dezember 1904 und 14. Ok-
tober 1907.
Hessen: Ausschreiben des großherzoglichen
Ministeriums des Innern vom 13. Oktober 1904 und
9. November 1907.
Mecklenburg: Bekanntmachung des groß-
herzoglichen Ministeriums des Innern und der Ab-
teilung für Medizinalangelegenheiten vom 9. Sep-
tember 1904.
Preußen: Ausführungsverordnung des Ministers
für öffentliche Arbeiten vom 30. September 1904.
Ergänzungserlaß vom 5. Oktober 1907 und Aus-
führungsgesetz des Ministeriums für Landwirtschaft,
Domänen und Forste vom 20. März 1911 und
12. April 1912.
Sachsen: Verordnung der Ministerien des Innern
und der Finanzen vom 16. September 1904.
Württemberg: Verfügung des kgl.Ministeriums
des Innern vom 16. Dezember 1904 und Verfügung
des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten
! (Verkehrsabteilung) vom 21. Dezember 1904.
Österreich (Gesetz v. 19. Juli 1879, RGB. Nr. 108,
betreffend die Verpflichtung der D. bei Viehtrans-
porten auf Eisenbahnen und Schiffen und die in der
Ministerialverordnung vom 7. August 1879 RGB. 109,
enthaltenen Durchführungsbestimmungen. Erlaß des
Handelsministeriums vom 25. Juni 1890, betreffend
die D. der zur Beförderung von Stalldünger ver-
wendeten Wagen. Verordnung des Ministeriums des
Innern, der Justiz, des Handels, der Eisenbahnen
und des Ackerbaues vom 21. Februar 1906, RGB.
Nr. 30, betreffend die Reinigung und D. von Eisen-
bahnwagen, in denen Pferde, Maultiere, Esel, Rind-
vieh, Schafe, Ziegen oder Schweine befördert
worden sind. Verordnung der Ministerien des
Ackerbaues, der Justiz, des Handels und der Eisen-
bahnen vom 30. Dezember 1906, RGB. Nr. 223,
über die Reinigung und D. von Eisenbahnwagen,
die zur Beförderung von Geflügel benutzt werden.
Erlaß des Eisenbahnministeriums vom 27. August
1910 betreffend Maßnahmen aus Anlaß der Akti-
vierung des rumänischen Handelsvertrages [ver-
schärfte D. von Wagen], Erlaß des Eisenbahn-
ministeriums vom 20. Januar 1911 betreffend Maß-
nahmen des Transportdienstes aus Anlaß der
Aktivierung des serbischen Handelsvertrages [ver-
schärfte D.j. Viehseuchenübereinkommen vom
25. Januar 1905, RGB. Nr. 25, zwischen Öster-
reich-Ungarn und dem Deutschen Reiche;
vom 11. Februar 1906, RGB. Nr.45, zwischen Öster-
reich-Ungarn und Italien.
In Österreich sind auch die Wagen, die zur Beförde-
rung tierischer Rohprodukte (Knochen, Häute, Fleisch,
tierische Teile aus Schlachthäusern an der Grenze)
dienten, der D. zu unterziehen.
Der eigentlichen D. der Wagen muß, ebenso
wie in Deutschland, stets die Beseitigung der Streu-
materialien, des Düngers, der Reste von Anbinde-
strängen u. s. w. sowie eine gründliche Reinigung
durch heißes Wasser, nur im Ausnahmefall durch
unter Druck ausströmendes kaltes Wasser voran-
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