Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 279
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Desinfektion.

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gehen. Die über die Reinigung und D. in Öster-
reich bestehenden Vorschriften decken sich fast
vollständig mit jenen des Deutschen Reiches (s.
S. 278).
Ebenso stimmen auch die in Österreich hinsicht-
lich der verschärften D. geltenden Bestimmungen
mit den in Deutschland in Kraft stehenden Vor-
schriften im wesentlichen überein. Diesbezüglich ent-
hält die österreichische Ministerial-Verordnung vom
21. Februar 1906 auch die Vorschrift, daß es den
politischen Bezirksbehörden obliegt, in Fällen, in
denen die verschärfte Art der D. Platz zu greifen
hat, die erforderlichen Anordnungen rechtzeitig zu
treffen und den zuständigen Eisenbahnorganen be-
kanntzugeben, bzw. die letzteren von dem Auftreten
und Erlöschen der Maul- und Klauenseuche in einem
weniger als 20 km von der betreffenden Station ent-
fernten Ort sofort zu verständigen.
Hinsichtlich der D. der Gerätschaften enthalten
die österreichischen Vorschriften gleichfalls ein-
gehende Bestimmungen.
Für Geflügelwagen haben vorstehende Vor-
schriften sinngemäß Anwendung zu finden. (Min.-
Erl. vom 30. Dezember 1909 RGB. Nr. 223.)
Aus Rumänien kommende, mit Tieren, tierischen
Rohstoffen, bzw. tierischen Produkten beladene
Eisenbahnwagen sind sofort nach der Ausladung
samt den dazugehörigen Gerätschaften der Reini-
gung und verschärften Desinfektion zu
unterziehen. (Eis.-Min.-Erl. vom 27. August 1910,
Z. 44091/16.)
Das gleiche gilt auch für Sendungen aus
Serbien. (Eis.-Min.-Erl. vom 20. Januar 1911,
Z. 3111/16.)
Ungarn sowie Bosnien und die Hercegovina
haben sich dem Viehseuchenübereinkommen mit
dem Deutschen Reiche vom 25 Januar 1905, RGB.
Nr. 25, angeschlossen. Im übrigen gelten rücksicht-
lich der Durchführung der D. der Viehtransport-
wagen die gleichen Bestimmungen wie in Österreich.
Ungarn verwendet auf Grund des Gesetz-
artikels XX vom Jahre 1889 zur D. von Wagen,
insbesondere aber von Schiffen Wasserdampf oder
eine Lösung von 2% Karbolsäure und 5% Eisen-
vitriol, mit der alle Bestandteile zu waschen sind.
Belgien. Auf die D. beziehen sich die
königl. Erlasse vom 23. Mai 1879 und 10. De-
zember 1890 sowie die Ministerialerlasse vom
25. September 1883 und 30. Dezember 1890, ferner
die einschlägigen Bestimmungen des Reglement
general d'exploitation vom 15. Juli 1911. Hiernach
besteht die D. vorerst im Ausfegen und Abkratzen
sämtlicher Überreste von Streu, Fäkalien, Überreste
von Futter u. s. w., die sorgfältig gesammelt und
mittels ungelöschten Kalkes in Kompost verwandelt
werden, u. zw. kommt zwischen je einer 20 — 30 cm
hohen Lage von Mist eine 4 — bcm starke Kalklage.
Sodann besprengt man das Ganze gehörig mit
Wasser, um den Kalk auf diese Weise zu löschen.
Die eigentliche D. der Wagen geschieht durch
reichliche Zuleitung von Wasserdämpfen, um ein
leichteres Wegschaffen des anhaftenden Düngers
zu ermöglichen. Hierauf wird der Wagen mit
Wasser und etwas Sodazusatz gereinigt und nachher
mit heißer alkalischer Lauge (1 Teil Pottasche oder
Soda in 12-15 Teilen mindestens 70° C heißen
Wassers unter Zusatz eines Teiles gelöschten Kalkes)
gründlich gewaschen.
Auch die Verwendung einer mit Chlor gemischten
Kalkmilch (1 Teil Chlorkalk in 10 Teilen Wasser)
oder einer 2 —5%igen Karbolsäurelösung ist ge-
stattet.

Die D. muß spätestens innerhalb sechs Stunden
nach Entladung oder Ankunft des Wagens in der
Desinfektionsstation erfolgen.
Abgesehen von der gewöhnlichen D. gibt es auch
in Belgien eine außerordentliche (strenge oder ver-
schärfte) D. der Wagen, Geräte und Uten-
silien, insbesonders in Fällen, in denen fest-
steht, daß in einem Wagen infiziertes Vieh beför-
dert wurde. Auch die zur Verladung und Ent-
ladung von Vieh dienenden Rampen und Plätze
sind nach Ankunft und Abgang der Tiere sorg-
fältig zu reinigen, bzw. bei herrschender Viehseuche
zu desinfizieren. Diese verschärfte D. hat gemäß den
•Anordnungen und unter Aufsicht eines Tierarztes
zu geschehen. Wenn sich in den Viehwagen Glatt-
eis bilden sollte, so wird dem Waschwasser Meer-
salz zugesetzt und wird der Boden des Wagens mit
Asche, Sand, Stroh oder Sägespänen bestreut.
(Reglement general d’esploitation de l'Administra-
tion des chemins de fer de l'Etat beige 1911, Cha-
pitre IX.)
Dänemark (Gesetz und Justizministerialerlaß
vom 12. April 1911 nebst Desinfektionsvorschrift
der dänischen Eisenbahnen vom 9. September 1911)
verwendet zur D. nebst heißem Wasser 21/20/0\ge
Kresolseifemischungen, für besondere Verhältnisse
5%ige Kresolseifelösungen.
Für verseuchte Wagen wird Kalkmilch (1 Teil
Kalk auf 8 Teile Wasser) verwendet. Personen-
wagen werden mit Formalindämpfen desinfiziert.
Frankreich. Die Vorschriften über die D. sind
in dem Gesetze vom 21. Juli 1881 nebst Durch-
führungsverordnung vom 22. Juni 1882 und Erlaß
der Minister für öffentliche Arbeiten und des Acker-
baues vom 27. Oktober 1900, bzw. 26. Mai 1903
enthalten.
Auf Grund des Erlasses vom 26. Mai 1903 kann
die D. der Viehwagen nach Wahl vorgenommen
werden, u. zw.:
1. durch Kalkmilch, zubereitet knapp vor der
Verwendung aus ungelöschtem Kalk im Verhält-
nisse 10:100;
2. mit Hyperchloritlösungen (unterchlorig^aures
Natron oder unterchlorigsaures Kali), von denen
1 / von mindestens 5° Chlorgehalt auf 9/ Wasser
gegeben wird (Javellesche Lauge). Die Hyperchlorit-
lösung ist an einem kühlen Ört, nicht dem Licht
ausgesetzt, aufzubewahren;
3. durch siedendes Wasser, das durch Dampf-
druck auf die Wagenteile gespritzt wird;
4. nach besonderer Ermächtigung des Ackerbau-
ministers auf Grund eines Gutachtens des Comite
consultatif des epizooties auch durch andere Des-
infektionsmittel.
Krankes Vieh wird zur Beförderung nicht zuge-
lassen.
Wenn während der Beförderung oder beim Ein-
tritt auf französisches Gebiet eine ansteckende Krank-
heit bei den zu befördernden Tieren festgestellt
wird, hat die D. der Wagen nach Angabe und
unter Aufsicht des zur Üntersuchung bestellten
Tierarztes zu geschehen.
Die D. hat binnen 48 Stunden zu erfolgen.
D ese Frist wird um 24 Stunden verlängert, wenn der
Wagen in eine Zentraldesinfektionsanstalt gesendet
werden muß.
Italien. Auf Grund des Gesetzes vom 26. Juni
1902 wurde vom Ministerium des Innern im selben
Jahre eine veterinärpolizeiliche Verordnung er-
lassen, die durch die Verordnung vom 3. März
1904 ergänzt wurde. Die Eisenbahnbehörde hat
rücksichtlich der Wagendesinfektion Dienstbefehle
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