Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 281
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0296
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Desinfektion.

Desinfektionsanstalten.

281

werfen sind. Diese Grube besteht aus zwei wasser-
dichten Abteilungen; sobald eine angefüllt ist,
muß sie mit Erde bedeckt werden; das Leeren
darf nicht vor 20 Tagen und so lange nicht er-
folgen, als die andere Abteilung Exkremente auf-
nehmen kann. Auf diese Weise ist zwischen den
beiden Grubenabteilungen zu wechseln.
Die Waschung muß unmittelbar nach der Reini-
gung erfolgen und mittels Hydranten oder Pumpen
durch Druckwasser ausgeführt werden.
Bd Frost ist warmes Wasser zu verwenden,
damit angefrorene Exkremente und Unreinigkeiten
vollständig entfernt werden.
Zur D. der zur Viehbeförderung verwendeten
Eisenbahnwagen und Schiffe, der Kai- und Rampen-
anlagen, Barrieren, Geräte, Werkzeuge u. s. w. werden
folgende Desinfektionsmittel als allein zulässig er-
klärt :
1. Das „Creosolum saponatum", die Kresol-
seifenlösung sowie die gleichartigen Desinfektions-
mittel Kresapol, Kresol Roche, das Sepsol von
St. Margarethen u. s. w. unter der Bedingung, daß
diese Produkte mindestens 50% Kresol auf 1 / ent-
halten. Die Lösung sod im warmen Wasser eine
3%ige, im kalten Wasser eine 5%ige sein.
2. Das „Förmaldehydum saponatum", die Form-
aldehydseifenlösung und deren gleichartige oder
verwandte Produkte, wie z. B. das Lysoform, das
Sapoformal u. s w. unter der Bedingung, daß diese
Produkte mindestens big Formaldehyd und 200g'
Fettsäure (in Seifenform) auf 1 / enthalten.
Die betreffenden Lösungen sind mittels warmen
Wassers 5%ig herzustellen.
Für alle Desinfektionsmittel gilt die Verwendung
warmen Wassers als Regel; wo dessen Beschaffung
unmöglich oder mit außerordentlichen Schwierig-
keiten verbunden ist, darf ausnahmsweise kaltes
Wasser verwendet werden. Zur Verteilung der Des-
infektionsmittel ist ein Pulverisator zu verwenden.
Bei ansteckenden Krankheiten ist die D. unter Aufsicht
eines patentierten Tierarztes vorzunehmen. In
Österreich-Ungarn sowie in Frankreich wird die in
dt r Schweiz vorgenommene D. als gültig anerkannt,
nicht aber in Deutschland.
Die mit Vieh nach Italien übergegangenen
Schweizer Wagen sind bei ihrer Rückkunft auf der
italienisch-schweizerischen Grenzstation in allen
Fällen zu desinfizieren.
England. Die Bestimmungen für die Beförderung
von Tieren auf Schiffen und Eisenbahnen sind
in der „Animal (Transit and General) Order" von
1895 und in den Frgänzungsvorschriften von 1904
enthalten. Nach den Vorschriften über die Desinfek-
tionsmittel „Diseases of Animais (disinfection) Order
von 1906" wird zur D. hauptsächlich verwendet:
a) eine 1 %ige Chlorkalklömng mit mindestens
30% tatsächlichem Chlorgehalt;
b) eine 5%ige Karbolsäurelösung, wobei die
Karbolsäure mit mindestens 95% Reinheit garantiert
sein muß, mit darauffolgendem Tünchen der
Wände und des Bodens mit Kalkmilch;
c) in besonderen Fällen andere Desinfektions-
mittel und Tünchen mit Kalkmilch.
Die D. hat binnen 12 Stunden zu geschehen.
In Amerika wenden die Bahnen gleichfalls der
D. von Viehwagen ihre Aufmerksamkeit zu.
Bereits im Jahre 1889 ist die Bundesregierung
eingeschritten und hat der Sekretär des Ackerbau-
ministeriums an die hauptsächlich beim Viehverkehr
beteiligten Eisenbahnen ein Rundschreiben erlassen,
worin er die Notwendigkeit darlegt, das zur Aus-
fuhr bestimmte Rindvieh nur in desinfizierten

Wagen zu befördern und dadurch der Verbreitung
des „Texasfiebers" entgegenzutreten. Zugleich wird
in diesem Rundschrei Den den Bahnen mit der Er-
lassung von Zwangsvorschriften gedroht, falls sie
nicht freiwillig die nötigen Maßnahmen treffen
sollten. Tatsächlich haben die „Trunkbahnen" bereits
ihre Organe angewiesen, für die Ausfuhr nur desinfi-
zierte Wagen zu verwenden. Lassak.
D esi nfekt Ion sansta! t znfdisinfection plants;
installcitions de desinfxtion; impianti dl dis-
infezione), die in bedeutenderen Stationen
(Desinfektionsstationen) vorhandenen baulichen
und maschinellen Anlagen zur Durchführung
von Wagendesinfektionen in größerem Um-
fange.
Derlei Anstalten sollen sich auf tunlichst
abgelegenen Teilen des Bahnhofes befinden
und aus zwei getrennten Anlagen bestehen,
von denen die erstere und größere zur Durch-
führung der normalen Desinfektion, zur Reini-
gung und Desinfektion von Wagen nach der
Beförderung von gesundem Vieh, die zweite,
kleinere, von ersterer vollkommen isolierte
und gegen unbefugtes Betreten abgeschlossene
Anlage für die Durchführung der verschärften
Desinfektion zu dienen hat.
Um Anrainerbauten möglichst entfernt zu
halten und Düngerablagerungsstellen zu schaffen,
muß reichlich Grund zur Verfügung stehen. Wenn
irgendwie tunlich, sollen die Desinfektions-
anlagen im angeschütteten Gelände liegen, da
sich hierdurch die notwendige Kanalisation
leicht und billig durchführen läßt und für die
ganz bedeutenden Sandmassen aus den
Schweinewagen (PO— P5//z3 Sand für einen
Wagen) in den nunmehr zur Verfügungstehenden
Materialgräben erwünschte Ablagerungsstätten
gefunden werden, wodurch Auf-, Ablade- und
Beförderungskosten dieses wertlosen Materials
erspart werden. Auch ist durch die höhere
Lage der D. die Errichtung der notwendigen
Sedimentierungs- oder Kläranlagen »für die
verunreinigten Waschwässer ohne hohe Kosten
ermöglicht.
Die Anlage von Wohnungen in den für
obige Zwecke errichteten Gebäuden ist aus-
geschlossen.
Als Haupterfordernis für eine D.
muß die leichte Beschaffung großer
Wassermassen bezeichnet werden, u. zw.
entweder aus bestehenden Wasserleitungen
oder durch Errichtung leistungsfähiger Pumpen-
anlagen mit Wasserentnahme aus Elüssen oder
ergiebigen Brunnen mit reichlichem Grund-
wasserzufluß.
Als Wasserbedarf für die Reinigung und
Desinfektion eines einbödigen Wagens, bzw.
einer Etage samt dem Bedarf für die nötige
Reinigung der gesamten Desinfektionsanlage, der
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list