Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 286
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Desinfektionsgebühren. — Deutsche Eisenbahnen.

z. B. über behördliche Verfügung, umgeladen
werden müssen; in diesem Falle wird die D.
auch für den neu beigestellten Wagen in gleicher
Höhe erhoben.
Für Sendungen von oder nach Schmalspur-
bahnen wird die D. sowohl für die Normal bahnen
als auch für die Schmalspurbahnen erhoben;
f) werden statt eines vom Absender verlangten melir-
bödigen Wagens zur Verladung von Lämmern,
Ziegen, Kälbern und Geflügel, Wagen anderer
Bauart beigestellt, wird für die Desinfektion von
je 2 Wagen nur die für einen mehrbödigen Wagen
entfallende D. von 5K erhoben;
g) werden lebende Tiere in einer Versandstation von
einem Absender gleichzeitig an mehrere Emp-
fänger in derselben Bestimmungsstation oder in
einer Versandstation von mehreren Absendern
gleichzeitig an einen Empfänger in derselben Be-
stimmungsstation aufgeliefert und in einem Wagen
befördert, so wird für sämtliche Sendungen die
D. nur für einen Wagen erhoben.
Fliezu sei bemerkt, daß insbesondere die D. für
Geflügelwagen viel zu klein bemessen ist, da z. B. in
einem serbischen (C. E. S.) Geflügelwagen (M. D.W.)
mit 7 Etagen sich außer den fixen Eisengerüsten noch
118 Futtertröge, 10 Eußbodentürchen und 786 Fnß-
bodenbrettchen befinden, die einzeln aus den
Wagen herausgenommen, sodann abgekratzt, ge-
waschen, desinfiziert und wieder in den Wagen
eingebracht werden müssen.
3. In Belgien ist den Eisenbahnen gestattet,
eine Gebühr für die Desinfektion des zum Vieh-
transport benutzten Betriebsmateriales zu erheben.
Diese Gebühr beträgt bei Vollbahnen 3 Er., bei
Kleinbahnen 1 Fr. für den Wagen.
4. ln Dänemark wird für die Reinigung und
Desinfektion von Viehtransportwagen kerne Gebühr
eingehoben. Nur für die Reinigung und Desinfektion
von Wegen nach der Beförderung von täulnisfähigen
Stoffen und Knochen sind 2 Kr. für den Wagen zu
bezahlen.
5. In Frankreich sind die Bahnen (Mini-
sterialverordnung vom 27. Oktober 1900) berechtigt,
nachstehende D. einzuheben:
a) für Pferde, Fohlen, Esel, Maultiere für ein Stück
040 Fr.;
b) für Ochsen, Stiere, Kühe, Jungvieh, Hirschkuh,
Hirsch und Dammwild für ein Stück 0*30 Fr.;
c) für Kälber, Schweine oder Rehbock für ein Stück
Chi 5 Er.;
d) für Hammeln, Schafe, Lämmer, Ziegen für ein
Stück 005 Fr.;
e) für Geflügel 0'20 Er. für 100 kg, mindestens
000 Fr. für die Sendung.
Die obigen Faxen dürfen bei einbödigen Wagen
den Betrag von 2 Er., bei mehrbödigen Wagen den
Betrag von 3 Er. nicht überschreiten (s. Recueil
general des Tarif generaux de chemin de fer pour
grande et petite vitesse).
6. In Italien wird für die Wagenladung Vieh oder
Geflügel die Gebühr von 1 Fr. eingehoben, gleich-
gültig, ob ein- oder mehrbödige Wagen benutzt
werden. Für Einzelsendungen (nicht in Behältern)
wird eine Gebühr von 0 60 Fr. für jedes Tier, höch-
stens jedoch 1 Er. für die Sendung berechnet. Für
die Beförderung von Vieh, Geflügel u. s. w. in
Körben, Kisten oder Käfigen beträgt die D. 10 Cts.
für ein Kollo, höchstens jedoch 1 Fr. für die Sendung.
7. In den Niederlanden wird für jeden Wagen,
einerlei, ob ein- oder mehrbödig, eine Gebühr von
0*6 fl. eingehoben.

8. In Norwegen wird keine D. eingehoben..
Nur in dem Falle, wenn der Versender eine besondere
Reinigung des Wagens vor der Verladung ausdrück-
lich verlangt, ist eine Gebühr von 2 Kr. für den
Wagen zu entrichten.
9. In Rußland wird von den Parteien keine
D. eingehoben und erfolgt die Desinfektion der
Wagen auf Kosten der Bahnverwaltnng.
10. In Schweden wird keine D. eingehoben.
11. In der Schweiz hat der Bundesrat die Eisen-
bahnen ermächtigt, für die Desinfektion des Trans-
portmaterials folgende Gebühren zu erheben, u. zw.:
I. Ganze Wagenladungen Vieh oder frische
Häute, u. zw.: für einfache Wagen 3 Fr., für
doppelbödige Wagen 4 Fr.;
II. Einzelnstücksendungen:
a) Großvieh (Pferde, Maulesel, Stiere, Ochsen,
Kühe, Esel, Rinder und über 1 Jahr alte
Fohlen) für den Kopf 75 Cts.;
b) Kleinvieh (Kälber, Schweine, Schafe, Ziegen
u. s. w.) für den Kopf, bzw. für die Kiste
oder Behälter, wenn der Transport in solchen
stattfindet 40 Cts.
Für alle Einzelsendungen dürfen höchstens
3 Fr. für den Wagen eingehoben werden.
III. für fäulnisfähige Stoffe werden für den Wagen
3 Fr., in Einzelsendungen 0-75 Er. eingehoben,
wenn bei letzteren eine gründliche Reinigung
und Desinfektion nötig war;
IV. für Geflügelsendungen wird sowohl bei Wagen-
ladungen als auch bei Einzelsendungen keine
D. eingehoben.
12. In Großbritannien und Irland werden
als D. 1 sh. für den Wagen eingehoben.
Desinfektionsstatäonen (disinfection sta-
tions; stations de desinfection; stazione di
disinfczionc), jene Stationen, in denen im
Interesse einer zweckmäßigen Ausführung und
Überwachung die Vornahme der Desinfektion
zentralisiert wird. Diese Sammelstationen
werden ein- für allemal als solche bezeichnet,
und ist in der Regel eine besondere Frist be-
stimmt, innerhalb welcher die entladenen
Wagen von anderen Stationen, die nicht als
D. gelten, dorthin geschafft und desinfiziert
werden müssen; D. werden in Deutschland
und Österreich von den Aufsichtsbehörden,
anderwärts, z. B. in Belgien, von den Bahnen
selbst bestimmt. Die D. werden mit den für
die Desinfektion nötigen Einrichtungen und
Chemikalien versehen.
Von ganz besonderem Vorteil ist es, die
D. bei den Schlachthäusern oder auf den
Zentralviehmarktplätzen zu errichten, da hier-
durch eine rasche Wagenmanipulation er-
möglicht und insbesondere im Winter bei
starken Frösten das zeitraubende und kost-
spielige Aufhacken der gefrorenen Streu und
des Düngers nach dem Entladen des Viehes,
wenn auch nicht ganz erspart, so doch
wesentlich eingeschränkt wird. Lassak.
Deutsche Eisenbahnen.
Inhaltsübersicht: I. Geschichtliches. II. Der jetzige
Stand des deutschen Eisenbahnwesens. A. Länge und
Eigentumsverhältnisse. B. Bau und Betrieb. 1. All-
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