Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 287
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0302
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Deutsche Eisenbahnen.

287

gemeines. 2. Bauliche Anlagen. 3. Fahrzeuge.
4. Eisenbahnbetrieb. 5. Eisenbahnunfälle. C. Ver-
kehrs- und Tarifwesen. E Allgemeines. 2. Personen-
verkehr. 3. Güterverkehr. D. Eisenbahnfinanzen.
E. Reichsaufsicht und Verwaltung der Eisenbahnen.
F. Eisenbahnrecht G. Personal- und Wohlfahrts-
wesen. H. Verhältnis der Eisenbahnen zur Militär-
verwaltung, zur Post und zur Zollverwaltung.
/. Literatur.
1. Geschichtliches.
Die Anfänge des Eisenbahnwesens
bis 1845. Holzbahnen, bei denen sich einfache
Wagen mit Rillenrädern auf hölzernen Schienen
bewegten, waren in deutschen Bergwerken
schon im 16. Jahrhundert in Gebrauch. Als die
eigentliche Wiege der Eisenbahnen muß
allerdings England bezeichnet werden, doch
fanden solche auch in Deutschland früh Eingang.
Die erste deutsche Dampfeisenbahn, (Nürnberg-
Fürth), ist am 7. Dezember 1835 eröffnet
worden, aber schon etwa 20 Jahre vorher hatten
sicli weitblickende deutsche Männer mit dem
Gedanken beschäftigt, dem Eisenbahnwesen in
Deutschland Eingang zu verschaffen. Schon im
Jahr 1814 befaßte sich der bayerische Oberberg-
rat v. Baader mit dem Plan einer Pferdebahn
von Nürnberg nach Fürth und er konnte sich
deshalb mit einem gewissen Recht als den
Veteranen des deutschen Eisenbahnwesens
bezeichnen. Der kurhessische Oberbergrat
Henschel trat 1822 mit dem Gedanken einer
Eisenbahn von Frankfurt a. M. nach Bremen
hervor, 1824 legte in Braunschweig v. Arns-
berg, der spätere Begründer der ersten
deutschen Staatsbahn, in ausführlicher Denk-
schrift den Plan einer Verbindung von Braun-
schweig mit Hannover, Bremen und Hamburg
durch eine Pferdebahn dar, in Preußen schlug
1828 der Finanzminister Motz eine Eisenbahn
zur Verbindung von Weser und Lippe vor.
Allen voran aber ist der geistvolle Friedrich
List, geb. 6. August 1779 in Reutlingen, gest.
30. November 1846 in Kufstein, als Apostel
des deutschen Eisenbahnwesens zu nennen.
Schon 1827 veröffentlichte er Aufsätze über
den Nutzen der Eisenbahnen. Seine grund-
legende Schrift „Über ein sächsisches Eisen-
bahnsystem als Grundlage eines allgemeinen
deutschen Eisenbahnsystems“ erschien 1833,
und die dieser Schrift beigegebene Karte
zeichnete schon in großen Zügen das Eisen-
bahnnetz Deutschlands, wie es etwa 20 Jahre
später ausgebaut war.
Freilich war in den ersten Jahren des
deutschen Eisenbahnwesens an ein einheit-
liches Vorgehen im Bau der Eisenbahnen
bei der staatlichen Zerrissenheit Deutsch-
lands und dem Fehlen einer zusammen-
fassenden Reichsgewalt nicht zu denken. Einer

großzügigen und von einheitlichen Zielen aus-
gehenden Entwicklung des Eisenbahnnetzes
stellten sich vor allem die zahlreichen Landes-
grenzen hindernd entgegen, selbst Preußen
gelangte von seiner Hauptstadt aus in der
Richtung auf West- und Mitteldeutschland
schon nach rund 150 - 200 km an die Grenze
anderer Staaten, da die Verbindung mit seinen
industriereichen westlichen Provinzen Rhein-
land und Westfalen nur auf dem Wege durch
Braunschweig und Hannover zu erreichen
war. Es wurde in jedem Lande so ziemlich
auf eigene Faust bis zu den oft recht nahen
Grenzen gebaut, und auch die grundlegende
Frage, ob der Staat oder eine Vereinigung
freier Kräfte in Form einer Gesellschaft zum
Bau und Betrieb von Eisenbahnen am ge-
eignetsten sei, wurde in den verschiedenen
Teilen Deutschlands verschieden beantwortet.
Die erste deutsche Dampfeisenbahn, die schon
erwähnte, nur 6 km lange Ludwigsbahn von
Nürnberg nach Fürth, die am 7. Dezember
1835 eröffnet wurde, kam mit mehr wohl-
wollender als tatkräftiger staatlicher Unter-
stützung als Privatbahn zu stände, was sie
auch bis heute geblieben ist. Ihr folgte in
Deutschland, am 24. April 1S37, die Bahn
von Leipzig nach Althen als Teilstrecke der
Leipzig-Dresdener Eisenbahn. Stückweise wurde
diese weiter in Betrieb gesetzt, die Schluß-
strecke am 7. April 1839, so daß an diesem
Tage die Verbindung von Leipzig nach
Dresden hergestellt war. Auch diese Bahn war
Privatbahn, ihre Eigentümerin die Leipzig-
Dresdener Eisenbahn-Kompagnie, die erst im
Jahre 1876 mit der Verstaatlichung ihrer
Linien aufgelöst wurde und lange Jahre hin-
durch das einzigartige Privilegium der Aus-
gabe von Papiergeld besessen hatte. Die
Aufbringung der Geldmittel war nur mit
kräftiger staatlicher Unterstützung möglich.
In diesen ersten Jahren tauchten nun in
Deutschland, angeregt durch Lists feuriges
Treiben und die Erfolge der ersten Strecken,
überall Eisen bahn pläne auf, so daß die Staats-
männer jener Zeit geradezu über die „tolle
Eisenbahnmanie“ klagten. In dem größten
deutschen Staate, in Preußen, wurde als erste
Bahn am 22. September 1838 die der Berlin-
Potsdam - Magdeburger Eisenbahngesellschaft
gehörige Strecke Berlin-Zehlendorf in Betrieb
genommen, am 29. Oktober, die weitere Linie
bis Potsdam, bei deren Einweihungsfeier der
damalige Kronprinz, spätere König Friedrich
Wilhelm IV. die denkwürdigen Worte sprach:
„Diesen Karren, der durch die Welt rollt,
hält kein Menschenarm mehr auf.“ Wenige
Wochen später, am 1. Dezember 1838, wurde
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list