Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 302
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Deutsche Eisenbahnen.

mehr vervollkommnet; besonders durch die
Verwendung des überhitzten Dampfes im
Lokomotivbetrieb, die seit etwa 1900 platz-
gegriffen hat und hauptsächlich ein Ver-
dienst des Ingenieurs W. Schmidt in Kassel
ist, gelang es, sowohl Wasser als auch Kohle
zu sparen, so daß deutsche Lokomotiven jetzt
300 k/n ohne Aufenthalt zurücklegen und Schnell-
züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von
100 km anstandslos befördern können.
Von den übrigen zahlreichen Fortschritten
der letzten Jahre im technischen Eisenbahn-
betriebe möge hier noch die Verwendung von
Motorwagen als Ersatz für volle Personenzüge,
ferner die stete Vervollkommnung der Brems-
systeme, der Signaleinrichtungen, des Ober-
baues, die fortschreitende Beseitigung der Über-
gänge in Schienenhöhe, die Verwendung des
Betons bei den Bauten erwähnt werden. Auch
der architektonischen Wirkung wird bei den
Bauausführungen in immer steigendem Maße
Rechnung getragen.
Zum Schluß sei noch kurz der Schmal-
spurbahnen und der Kleinbahnen gedacht.
Die ersteren reichen in ihren Anfängen in das
zweite Jahrzehnt des deutschen Eisenbahn-
wesens zurück, die erste Strecke des jetzt zu
den preußischen Staatsbahnen gehörigen haupt-
sächlich dem Güterverkehr dienenden Netzes
der oberschlesischen Schmalspurbahnen, das
jetzt 166 km umfaßt, ist schon 1854 eröffnet,
die sächsichen Schmalspurbahnen, die nach
der Reichseisenbahnstatistik für 1910 rund
476 km Länge haben, sind erst seit 1882 ent-
standen. Erstere haben eine Spurbreite von
0*785, letztere eine solche von 0*75 m. Schmal-
spurbahnen sind über ganz Deutschland ver-
breitet, ihre Spurbreiten schwanken zwischen
0*60 und 1 m. Die Reichseisenbahnstatistik von
1910 weist 2178 km Schmalspurbahnen mit
den Spurbreiten von 1 m, 0*785 und 0*750 m
nach, die als Nebenbahnen im Sinne der B. O.
vom l.Mai 1905 betrachtet werden; von der
angeführten Länge entfielen 1033 km auf Staats-,
1145 km auf Privatbahnen, ihr Anlagekapital
betrug 169,946.317 M., oder 78.011 M. für
das km.
Außer diesen Schmalspurbahnen gibt es |
in Deutschland noch eine große Anzahl
von solchen, die zu den Kleinbahnen im Sinne
des preußischen Gesetzes von 1892 gehören.
Der Begriff der Kleinbahnen umfaßt nach
der amtlichen Statistik des Vereins deutscher
Straßenbahn- und Kleinbahnverwaltungen für
ganz Deutschland alle Straßenbahnen, für
Preußen, Württemberg, Hamburg, Baden,
Hessen, Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin,
außerdem aber nebenbahnähnliche Klein-

bahnen. Hierüber s. Näheres in dem Art.
» Kleinbahnen
Zu den Kleinbahnen sind auch die Berg-
bahnen zu rechnen, die teils mittels Draht-
seils, teils mittels Zahnstange große Stei-
gungen überwinden. Erwähnt seien die
Zahnradbahn auf den Niederwald, auf den
Drachenfels und Petersberg im Siebengebirge,
die Malbergbahn bei Ems, die Bergbahnen
bei Heidelberg, die Drahtseilbahn auf den
weißen Hirsch bei Dresden, die Schwebebahn
bei Loschwitz, die im Mai 1912 eröffnete
Bahn auf den Wendelstein in Oberbayern
u. a.
Auch die Straßenbahnen gehören zwar
zu den Kleinbahnen im Sinne des preußischen
Gesetzes und des Reichshaftpflichtgesetzes,
werden aber im gewöhnlichen Sinne nicht
zu den Eisenbahnen gerechnet. S. „Straßen-
bahnen
Wegen ihrer stets wachsenden Bedeutung
und ihrer hervorragenden Stellung im Ver-
kehrsleben und im technischen Eisenbahn-
wesen, ist hier kurz der städtischen Schnell-
bahnen mit besonderem Bahnkörper zu ge-
denken. Die Eröffnung der ersten deutschen
elektrischen Schnellbahn für den städtischen
Verkehr, der Hoch- und Untergrundbahn in
Berlin am 18. Februar 1902 war ein be-
deutungsvolles Ereignis. Ihr folgte die Eröff-
nung der Hamburger Schne’lbahn (1912).
Über die Entwicklung der seit 1902 in
den deutschen Schutzgebieten entstandenen
Kolonial bahnen s. die besonderen Artikel.
II. Der jetzige Stand des deutschen
Eisenbahnwesens.
A. Länge und Eigentumsverhältnisse.
Nach der im Reichseisenbahnamt bearbeiteten
Statistik der im Betriebe befindlichen Eisen-
bahnen Deutschlands (R. E. St.) für das Rech-
nungsjahr 1910 umfaßte das deutsche Eisen-
bahnnetz 59.259 km vollspurige und 217S km
schmalspurige Eisenbahnen, wobei unter Eisen-
bahnen nur die der Eisenbahnbetriebs- und
der Eisenbahnverkehrsordnung unterworfenen
Bahnen, insbesondere also nicht die preußi-
schen Kleinbahnen und die bayerischen Vizinal-
bahnen verstanden sind.
Von den vollspurigen Eisenbahnen entfielen auf
die einzelnen Staaten folgende Betriebslängen:

km
Elsaß-Lothringen.1.827
das Königreich Preußen. 36.032
» „ Bayern.7.989
„ „ Sachsen .2.660
„ „ Württemberg.1.918
» Großherzogtum Baden.2.025
» » Hessen.1.471

Mecklenburg-Schwerin . 1.171
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