Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 312
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Deutsche Eisenbahnen.

an lagen , Beförderungsmitteln und deren Zu-
behör sowie auf die Ingefahrsetzung von
Eisenbahntransporten gerichtet sind. Auch die
fahrlässige Beschädigung oder Ingefahrsetzung
ist strafbar, u. zw. ist die regelmäßige Mindest-
strafe Gefängnis von 1 Monat. Im Jahr 1899
ist durch eine Novelle die Annahme mildernder
Umstände und alsdann als Mindeststrafe Geld-
strafe nachgelassen. Durch § 319 a. a. O. wird
ausgesprochen, daß Angestellte, die wegen der
vorbesprochenen Handlungen verurteilt sind,
zugleich für unfähig zu einer Beschäftigung
im Eisenbahndienste oder einzelnen Zweigen
erklärt werden.
Zurzeit wird von der Reichsregierung die
Ausarbeitung des Entwurfs zu einem neuen
Strafgesetzbuch vorbereitet, in dem voraus-
sichtlich auch die obigen Bestimmungen in
mehrfacher Beziehung abgeändert werden,
nachdem der von einem hierzu eingesetzten
Ausschuß praktischer Juristen ausgearbeitete Vor-
entwurf solche Abänderungen vorgeschlagen hat.
Ober die auf Reichsgesetz beruhende Fahr-
kartensteuer nebst dem Frachturkundenstempel
s. die besonderen Artikel.

G. Personal- und Wohlfahrtswesen.

1. Statistisches.

Das bei den D. beschäftigte Personal umfaßt
für 1910 eine Gesamtzahl von 700.371 Köpfen, so
daß auf 1 km Betriebslänge 1E9 Köpfe entfallen. Die
für dieses Personal aufgewendeten persönlichen Aus-
gaben beziffern sich auf 1132 Milk M., so daß davon
auf 1 km Betriebslänge 19.244 M. kommen. Von
dem Gesamtpersonal entfallen auf etatsmäßige Be-
amte 260.753, auf diätarische Beamte 21.030, auf
Arbeiter 418.588 Köpfe. Die RE.St. teilt den gesamten
Eisenbahndienst in 4 Geschäftszweige, u. zw. 1. den
Verwaltungsdienst, 2. den Bahnunterhaltungs- und
Bewachungsdienst, 3. den Bahnhofs-, Abfertigungs-
und Zugbegleitungsdienst, 4. den Zugförderungs-
und Werkstättendienst. Auf diese 4 Zweige verteilen
sich die Anzahl der Beamten und Arbeiter wie folgt:
Es sind beschäftigt

etatsmäßige diätarische

Beamte Beamte Arbeiter
zu 1 . 22.207 6.102 4.123
, 2 . 33.972 1.888 139.145
» 3 . 151.545 10.958 141 271
ff 4 . 53.029 2.082 134.049

260 753 21.030 418.588
Die Gesamtsumme der persönlichen Ausgaben
verteilt sich so, daß gezahlt sind:
an etatsmäßige Beamte. 606,340.917 M.
„ diätarische „ . 38,368.058 „
„ Arbeiter. 487,944.246 „
1131,653.221 M.

Hiernach betrug das Durchschnittseinkommen

bei den etatsmäßigen Beamten. 2325 M.
„ ff diätarischen „ .. 1824 „
„ „ Arbeitern .1165 „

Wie sehr Gehälter und Löhne seit 1905 ge-
stiegen sind, erhellt aus folgenden Zahlen: Die
persönlichen Ausgaben betrugen 1905 insgesamt bei

606.613 Köpfen 829,151.941 M., es entfielen also auf
den Kopf 1366 M., während dieser Betrag für 1910
, 1132,653.221 , .
aU 700 371— ~ 1617 M., also in 5 Jahren um

181/2% gestiegen war.
2. Anstellung und Beschäftigung des
Personals. In dieser Beziehung herrscht auf
den D. die größte Mannigfaltigkeit. Als fest-
stehend und überall wiederkehrend ist der
schon in der Statistik hervortretende Unter-
schied zwischen Beamten und Arbeitern zu
betrachten. Erstere sind bei den Staatsbahnen
Staatsdiener mit besonderen meist gesetzlich
oder doch durch Verordnungen festgestellten
Rechten und Pflichten, bei den Privatbahnen
ist das Verhältnis ähnlich. Man unterscheidet
| fast überall etatsmäßige Beamte mit festem
Gehalt, deren Stellen in dem Etat der Ver-
waltung aufgenommen und pensionsfähig sind,
und diätarische Beamte, die kein Gehalt,
sondern meist eine Monatsvergütung erhalten,
und deren Verhältnis zur Verwaltung erheb-
lich lockerer ist. Anspruch auf Pension haben
auch sie regelmäßig unter der Voraussetzung
einer mehrjährigen Dauer der Beschäftigung.
Ihre Stellen sind meist nicht einzeln, sondern
nur in einer nach dem wechselnden Bedürfnis
sich richtenden Gesamtzahl summarisch in
den Etat aufgenommen.
Die Zahl der Beamtenarten und ihre Be-
zeichnung ist bei den deutschen Bahnen sehr
verschieden, man unterscheidet aber überall
die Beamten nach den 4 bei der Statistik an-
gegebenen Beschäftigungszweigen.
Die deutsche BO. führt in ihrem 8 45
i v’
i diejenigen Gattungen von Beamten, Bediensteten
und Arbeitern auf, die zu den Eisenbahn-
betriebsbeamten gehören. Für diese gilt,
daß sie 21 Jahr alt und unbescholten sein,
auch die Eigenschaften und die Befähigung
besitzen müssen, die ihr Dienst erfordert. Sie
müssen schriftliche oder gedruckte Anweisungen
über ihre dienstlichen Pflichten erhalten. Bei
den meisten Verwaltungen sind zur Fest-
stellung, ob die Betriebsbeamten die erforder-
lichen Fähigkeiten und Kenntnisse für ihren
Dienst besitzen, Prüfungen verschiedener Art
eingeführt. Auch sind vom Bundesrat Be-
stimmungen über die Befähigung von Eisen-
bahnbetriebsbeamten erlassen. Deren Dienst
ist auch insofern durch Anwendung- von
Reichswegen geregelt, als von den beteiligten
Bundesregierungen unter Mitwirkung des
Reichseisenbahnamts über die planmäßige
Dienst- und Ruhezeit der Eisenbahnbetriebs-
beamten gemeinschaftliche Bestimmungen ge-
troffen sind. In ihrem § 74 ordnet die BO.
ferner an, daß zu den Bahnpolizeibeamten
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