Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 313
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Deutsche Eisenbahnen.

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außer den schon erwähnten Betriebsbeamten
noch ferner die Pförtner, Bahnsteigschaffner
und Wächter gehören. Die Bahnpolizeibeamten
sind zu vereidigen und haben in Ausübung des
Dienstes Uniform oder ein Dienstabzeichen zu
tragen oder doch einen Ausweis bei sich zu führen.
Die Eisenbahnarbeiter stellen zu der
Eisenbahnverwaltung lediglich in einem von
beiden Seiten der kurzfristigen Kündigung
unterworfenen Vertragsverhältnis, wonach sie
die Vergütung für ihre Dienste in Form von
Tagelohn oder Stücklohn erhalten. Die Schutz-
vorschriften des Tit. Vll der deutschen Reichs-
gewerbeordnung finden nach § 6 a. a. O. zwar
auf Eisenbahnarbeiter keine Anwendung, es
ist aber von den D. für das Wohl der Arbeiter
in umfassender Weise durch eine große An-
zahl von Einrichtungen Sorge getragen. In
erster Linie sind hier die Pensions- und
Krankenkassen zu erwähnen, durch die den
Eisenbahnarbeitern über die reichsgesetzliche
Versicherung hinaus unter finanzieller Be-
teiligung der Verwaltungen Zuschüsse zu den
gesetzlichen Leistungen gewährt werden.
Außerdem nehmen die Arbeiter an allen den
zum Wohle des gesamten Personals ge-
schaffenen Einrichtungen und Anstalten teil,
die nachstehend aufgeführt werden.
3. Soziale Fürsorge. Die D. haben von
jeher der Wohlfahrtspflege ihres großen Per-
sonals umfassende Fürsorge gewidmet. Es
seien hier nur aufgeführt die Errichtung von
Dienstwohnungen mit Gärten für Beamte und
Arbeiter, von Arbeiterkolonien, die Ordnung
des bahnärztlichen Dienstes, die schon er-
wähnte Festlegung der Dienst- und Ruhe-
zeiten auf ein gewisses Maß, die Anordnung
der Sonntagsruhe für die Güterzüge, die Ge-
währung regelmäßigen Urlaubs für Beamte
und neuerdings auch für Arbeiter, die Er-
richtung von Erholungsheimen und Heilstätten,
die Unterstützung von Baugenossenschaften
zur Errichtung von Eigenhäusern. Hierher
gehören auch die Wasch- und Badeeinrich-
tungen in Verbindung mit den Aufenthalts-
und Übernachtungsräumen für das Personale,
die Sorge für Speise- und Leseräume, die Ver-
richtungen zur billigen und guten Zubereitung
von Speisen und Erfrischungsgetränken.
Auf Anregung und mit lebhafter Unter-
stützung der Verwaltungen sind in dem letzten
Jahrzehnt auch zahlreiche Eisenbahnvereine
ins Leben getreten, die der Pflege der Zu-
sammengehörigkeit und der gegenseitigen
Unterstützung zur Verbesserung der wirt-
schaftlichen Lage dienen. Der Verband der
Eisenbahnvereine der Reichsbahnen und der
preußisch-hessischen Staatsbahnen zählte allein

im Jahre 1910 nicht weniger als 754 Vereine
mit 435.682 Mitgliedern.
Vielfach haben diese Eisenbahnvereine be-
sondere Einrichtungen im Interesse des Per-
sonals geschaffen, beispielsweise Darlehens-
und Sterbekassen. Auch erleichterte Beteiligung
an Lebens-und Feuerversicherungskassen ist mit
ihnen verbunden. Sehr häufig sind Vereinigun-
gen zu billigerem Einkauf von Lebensmitteln
und Bedarfsgegenständen, sog. Konsumvereine.
h. Verhältnis der Eisenbahnen zur Militär-
verwaltung, zur Post- und zur Zollver-
waltung.
Während sich das Verhältnis der D. zu
den Staatsbehörden im allgemeinen nach den
besonderen Einrichtungen der einzelnen
Bundesstaaten richtet, sind die besonders leb-
haften Beziehungen zum Militärwesen, zur
Post- und zur Zollverwaltung durch reichs-
gesetzliche Bestimmungen geregelt. Gegen-
über der Militärverwaltung kommen zunächst
die bereits in Abschnitt E dieses Artikels
erwähnten Bestimmungen der Reichsverfassung
in Betracht. Das Aufsichtsrecht des Reiches
über die Eisenbahnen im Interesse der Landes-
verteidigung wird vom Reichseisenbahnamt
unter Mitwirkung der obersten Militärbehörden
wahrgenommen. Näheres s. in dem Art. über
das Reichseisenbahnamt.
Weiter sind nach § 15 des Friedensleistungs-
gesetzes vom 13. Februar 1875 die Eisen-
bahnen verpflichtet, die Beförderung der be-
waffneten Macht sowie des Materials des
Landheeres und der Marine gegen Vergütung
nach Maßgabe des vom Bundesrat zu er-
lassenden allgemeinen Tarifs (Militärtarif) zu
bewirken. Von dem Tage an, an dem eine
Mobilmachung erfolgt, treten die Vorschriften
des Kriegsleistungsgesetzes vom 13. Juni
1873 in Kraft. Nach § 28 dieses Gesetzes
treten erweiterte Verpflichtungen der Eisen-
bahnen ein. Sie müssen nicht nur die
Beförderung der bewaffneten Macht und der
Kriegsbedürfnisse bewirken, sondern auch ihr
Personal und ihr zur Herstellung und zum
Betrieb von Eisenbahnen dienliches Material
zur Verfügung stellen.
Die militärische Organisation der Benutzung
der Eisenbahnen im Frieden und im Kriege
wird in umfassender Weise geregelt durch die
Militärtranssportordnung vom 18. Januar 1899.
Schon im Frieden ist der Chef des preußi-
schen Generalstabes der Armee der Vorgesetzte
der Militäreisenbahnbehörden. Als solche gelten
im Frieden die Eisenbahnabteilung des preußi-
schen großen Generalstabs, die Linienkom-
mandanturen, die regelmäßig für jede Eisen-
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