Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 314
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Deutsche Eisenbahnen. - Deutscher Eisenbahnverkehrsverband.

bahnverwaltung eingesetzt sind, und die Bahti-
hofskommandanturen.
Die Verpflichtungen der Eisenbahnen zur
Post sind im Reichspostgebiet (Deutschland
außer Bayern und Württemberg) durch das
Eisenbahnpostgesetz vom 20. Dezember 1875
und die dazu erlassenen Vollzugsbestimmungen
geregelt. Die wesentlichsten Bestimmungen
sind folgende: Der Eisenbahnbetrieb ist mit
den Bedürfnissen des Postdienstes in die not-
wendige Übereinstimmung zu bringen. Die
Fahrpläne werden unter Mitwirkung der Post-
verwaltung festgestellt. Mit jedem für den
regelmäßigen Beförderungsdienst der Bahn
bestimmten Zug ist auf Verlangen der Post-
verwaltung ein von dieser gestellter Postwagen
unentgeltlich zu befördern. Die unentgeltliche
Beförderung umfaßt zurzeit die Briefpost,
Zeitungen, Gelder, Juwelen, ferner Poststücke
(Pakete) bis zum Einzelgewicht von lO^g. Für
schwerere Poststücke wird von der Postver-
waltung Fracht bezahlt. Statt des Postwagens
kann ein einzelnes Wagenabteil für die Zwecke
der Post benutzt werden. Für weitere zur Befrie-
digung der Bedürfnisse des Postdienstes gestellte
Post- oder sonstige Wagen hat die Post be-
stimmte Gebühren zu zahlen. Ihre zur dienst-
lichen Begleitung der Sendungen erforderlichen
Beamten sind von der Eisenbahn unentgeltlich
zu befördern. Der Wert der unentgeltlichen
Leistungen der D. für die Post ist so groß,
daß er für die preußischen Staatsbahnen allein
jährlich auf rund 40 Milk M. geschätzt wird. Nach
einer allerdings nur summarischen Schätzung
kann man den Gesamtwert der unentgeltlichen
Leistung der D. für die Post auf rund
60 Milk M. annehmen.
Das Verhältnis der bayerischen Post zu
den Eisenbahnen ist dort anders als im Reich
geregelt, u. zw. auf der Grundlage, daß die
gegenseitigen Leistungen annähernd nach den
Selbstkosten vergütet werden. Ähnliche Grund-
sätze gelten in Württemberg.
Da das Deutsche Reich nach Art. 33 der
Reichsverfassung ein einheitliches Zoll- und
Handelsgebiet (mit Einschluß des Großherzog-
tums Luxemburg) bildet, so sind auch die
Beziehungen der Eisenbahnen zum Zollwesen
von Reichswegen einheitlich geregelt. Das
Vereinszollgesetz vom 1. Juli 1869 (abgeänderte
Fassung vom 18. April 1889) besagt u. a., daß
die Eisenbahnverwaltung die für zollamtliche
Abfertigung und einstweilige Niederlegung
nötigen Räume auf den für die Zollabfertigung
bestimmten Stationen zu stellen hat. Durch
das vom Bundesrat erlassene Eisenbahnzoll-
regulativ vom 5. Juni 1888 sind die näheren
Vorschriften für die zollamtliche Behandlung

des Güter- und Effektentransports auf den
Eisenbahnen gegeben. Seit längerer Zeit ist
eine Revision des Vereinszollgesetzes im Werke
und es wird beabsichtigt, die jetzigen, für die
Eisenbahnen als Transportführer teilweise sehr
lästigen Vorschriften in einer den Anforderungen
des modernen Verkehrs entsprechenderen Weise
zu gestalten.
Literatur: v. Reden, Die Eisenbahnen Deutsch-
lands. Berlin 1843. - Chatelier, Les chemins de
fer d’Allemagne. Paris 1845. — Koch, Deutsch-
lands Eisenbahnen. Marburg und Leipzig 1860. -
Michaelis, Deutschlands Eisenbahnen. Leipzig
1863. - Schmeidler, Geschichte des deutschen
Eisenbahnwesens. Leipzig 1871. - Fischer, Die
Verkehrsanstalten des Deutschen Reichs. Berlin 1871.
Die historische Entwicklung des deutschen und
deutsch-österreichischen Eisenbahnnetzes vom Jahr
1838 bis 1881, herausgegeben vom kgl. preußischen
statistischen Bureau, bearbeitet von Ernst Kühn.
Berlin 1883 und 1887. — Riegels, Verkehrsge-
schichte der deutschen Eisenbahnen. Elberfeld 1889.
A. v. Meyer, Geschichte und Geographie der
deutschen Eisenbahnen. Berlin 1890. — Statistik der
im Betriebe befindlichen Eisenbahnen Deutschlands.
(Bearbeitet im Reichseisenbahnamt [jährlich ein
Bandj). Berlin. — Statistische Nachrichten von den
Eisenbahnen des VDEV. (Jährlich 1 Band.) Heraus-
gegeben von der geschäftsführenden Verwaltung des
Vereins. — Die Eisenbahnen Deutschlands, Eng-
lands und Frankreichs, jährlich im Arch. f. Ebw.
Wb. d d. St.- u. Verwr. Begründet von Prof. Dr.
Karl Freiherrn v. Stengel. Tübingen. Verlag von
Z. L. B. Mohr (Paul Siebeck). 1911. — Hw. d. St. W.
Herausgeg. von Konrad, Elster, Lexis u. Löning.
Jena. Verlag von Gustav Fischer. 1899— 1901.
v. Maybach, Ein Beitrag zur Geschichte des preußi-
schen und deutschen Eisenbahnwesens. Von Friedrich
Jungnickel. Stuttgart und Leipzig 1910. Verlag der
J.G. Cotlaschen Buchhandlung Nachf. — Das deutsche
Eisenbahnwesen der Gegenwart. Verlag von Reimar
Hobbing. Berlin 1911. — J. Fritsch, Handbuch
der Eisenbahngesetzgebung in Preußen und dem
Deutschen Reiche. Berlin 1912. Verlag von Julius
Springer. v. Miihlenfels.
Deutscher Eisenbahnverkehrsverband,
eine am 26. Februar 1886 gegründete freie
Vereinigung der deutschen Eisenbahnen zur
Fortbildung der die Beförderung von Per-
sonen, Reisegepäck, Leichen, Fahrzeugen,
lebenden Tieren und Gütern betreffenden
Dienstzweige sowie zur Herbeiführung einer
tunlichen Übereinstimmung der hierauf bezüg-
lichen Vorschriften, insbesondere über das
Abfertigungs - und Abrechnungsverfahren
unter Beachtung der Grenzen des Geschäfts-
gebiets der ständigen Tarifkommission und der
Generalkonferenz der deutschen Eisenbahnen.
Der D. ist aus dem am 16. Februar 1869
gegründeten Tarifverband hervorgegangen, der
die Aufgabe hatte, einheitliche Einrichtungen
auf dem Gebiete des Tarif-Abfertigungs- und
Abrechntingswesens zu schaffen und fortzu-
bilden.
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