Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 321
Citation link: 
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/48-A-1089-03/0336
License: Creative Commons - No rights reserved (CC0)
0.5
1 cm
facsimile
Deutsch-Ostafrika.

321

gesamten mittleren Teil bis zu dem Hauptorte
Tabora durch die von der Hauptstadt und
dem Gouvernementssitz Daressalam ausgehende
Mittellandbahn erschlossen, die in wenigen
fahren bis nach Kigoma am Tanganjikasee
vollendet sein wird. Der wirtschaftlich mehr
entwickelte Nordosten ist durch die ältere,
zurzeit bis Moschi vollendete Usambarabahn,
(heuteNordbahn genannt), dievon dem Hafen
Tanga ausgehend, bis in das Gebiet des Kili-
mandscharo vordringt, dem Verkehr erschlossen.
Als schmalspurigeNebenbahn von dem Charakter
einer Kleinbahn ist noch die Sigibahn zu
nennen, die von der Station Tengeni der Nord-
bahn nach Nordwesten abzweigt und mit rund
24 km Gesamtlänge in Sigi endigt.
Das gesamte Hinterland des nördlichen
!Sees, des Viktoria Nyansa, ist durch die in
Port Florence endigende britische Uganda-
bahn (s. unter Britisch-Ostafrika) mit dem In-
dischen Ozean, durch den allerdings britischen
Hafen Mombassa, verbunden (vgl. Karte Seite
322).
Der Bestand an Eisenbahnen nach Voll-
endung der Mittellandbahn wird betragen:
Nord bahn. 352 km
Mittellandbahn . 848 -j-412 — 1260 „
zusammen . . 1612 km.
a) Die Usambara-Eisenbahn.
Die Usambarabahn war die erste deutsche
Kolonialbahn, die im Jahre 1891 von der
Eisenbahngesellschaft für D. gegründet wurde.
Ursprünglich bestand der Plan, den indischen
Ozean mit dem Viktoriasee durch eine Bahn
nach dem Speke-Golf zu verbinden. Im Juni
1893 wurde mit dem Bau in der Meterspur
begonnen und am 1. April 1896 die Strecke
Tanga-Muhesa — 40 km — dem Betrieb
übergeben. Die Mittel der Gesellschaft reichten
Szur Vollendung der Bahn nicht aus. Die
Regierung sprang zunächst mit Bauhilfen ein
und mußte schließlich, im April 1899, die
ganze Bahn für 1,300.000 M. übernehmen;
sie vergab zunächst den Weiterbau bis
Korogwe und machte Vorarbeiten für die
Fortführung bis Mombo. Der Bau von
Korogwe bis Mombo war im Februar 1905
vollendet. — Der erste koloniale Bahnbau
hatte erhebliches Lehrgeld gekostet. Der Betrieb
wurde an die deutsche Kolonialeisenbahnbau-
und -betriebsgesellschaft in Berlin verpachtet,
der Verkehr entwickelte sich befriedigend und
die Betriebsergebnisse besserten sich von
Jahr zu Jahr. Dies ermöglichte zunächst (1908)
den Weiterbau der Bahn bis Buiko, 45 km,
der durch Reichsgesetz vom 8. Mai 1908 be-
willigt und am 27. Juli 1909 beendet wurde.
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. III.

Die dem Schutzgebiet zufallende jährliche
Mindestpacht wurde daraufhin vom 1. April
1910 an von 152.000 auf 246.000 M. erhöht.
Die Weiterführung nach Moschi an den Fuß
des Kilimandscharo wurde durch Reichsgesetz
vom 8. Februar 1910 bewilligt. Die Ausführung
erfolgte durch den bisherigen Unternehmerund
am 8. Februar 1912 konnte die Bahn in ganzer
Ausdehnung, 352 km, eröffnet werden.
Die Bahn hat für den Freund der Hoch-
alpen, den Sport- und Jagdfreund noch einen
besonderen Reiz: sie führt von der Küste in
einer Tagreise unmittelbar in die Nachbarschaft
der schneebedeckten, nahezu 6000 m hohen
Berggipfel des Kibo und Mawensi. Dieser
Umstand dürfte der Bahn voraussichtlich bald
einen lebhaften Touristenstrom zuführen.
b) Die Sigibahn.
Eine Zweigbahn der Usambarabahn ist die
der früheren Sigi-Exportgesellschaft m. b. H.,
jetzt Deutschen Holzgesellschaft für Ostafrika
in Berlin gehörige Sigibahn; sie zweigt bei
der Station Tengeni auf 185*9 m Meereshöhe
von der Nordbahn ab, führt mit 23*7 km
Gesamtlänge in die Waldbezirke von Usambara
und endet auf dem Bahnhof Sigi in 437*9 m
Meereshöhe. Ihre Spurweite beträgt 0*75 m.
Die Bahn ist im Jahre 1904 begonnen und
seit Juli 1910 dem öffentlichen Verkehr über-
geben.
c) Die Mittellandbahn Daressalam-
Morogoro-Tabora-Kigoma.
Die ersten Pläne einer „ ostafrikanischen
Zentralbahn" reichen zurück bis 1891. Im
Sommer 1896 erbot sich eine Gruppe von
Banken unter Führung der Deutschen Bank
zur Ausführung einer Bahn bis Morogoro für
12 Milk M. gegen Gewährung einer 3 % igen
Zinsbürgschaft und Überweisung von 1/5 aller
über 1 Milk M. hinausgehenden Zolleinkünfte,
was aber abgelehnt wurde. Im Juni 1904 wurde
eine Konzession für eine Bahn von Daressalam
nach Morogoro in Meterspur bewilligt. Die
daraufhin gebildete Ostafrikanische Eisenbahn-
gesellschaft erhielt durch Gesetz vom 31. Juli
1904 eine Zinsbürgschaft des Reichs von 3%
auf das Anlagekapital von 21 Milk M. und
eine Gewähr für die Rückzahlung mit 120%
für die jeweils ausgelosten Anteilscheine, neben
wertvollen Land- und bergbaulichen Rechten.
Das Reich wurde am Gewinn beteiligt und
sollte die Bahn nach 88 Jahren schuldenfrei
und unentgeltlich zu eigen erhalten. Der Bau
begann im Februar 1905, die 209 km lange
Bahn wurde 1907 vollendet. Am 9. Oktober
desselben Jahres hatte der damalige Staats-
sekretär Dernburg die Strecke feierlich er-
21
loading ...

DWork by UB Heidelberg
Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt   |    Imprint   |    Datenschutzerklärung   |    OAI   |    RSS   |    Twitter   |    seo-list