Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 327
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Deutsch-Südwestafrika. - Dezernenten.

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strecke, km 19 bis 26 ab Lüderitzbucht, für
deren Freihaltung jährlich erhebliche Auf-
wendungen erforderlich sind. Früher hatte
man sogar daran gedacht, diese ganze Strecke
unter Aufwendung enormer Kosten in einem
langen Tunnelbau zu unterfahren.
d) Die Nordsüdbahn Windhuk-Keet-
manshoop.
Um die Lücke zwischen den strategischen
Bahnen des Landes zu schließen, war der 550km
lange Landweg Windhuk-Keetmanshoop durch
eine leistungsfähige Bahn zu ersetzen, die
zugleich dem Zwecke dient, den Norden mit
dem Süden in engere Verbindung zu bringen.
Sie ist wirtschaftlich eine Hauptverkehrsader des
Landes, deren Lage sich zwingend aus den
geographischen Verhältnissen ergibt.
Die Bahn folgt von Keetmanshoop aus
nördlich der großen Landfurche, die der Lauf
des Fischflusses kennzeichnet, und durch-
schneidet den Landstreifen zwischen der west-
lich gelegenen Namib und der Ostgrenze des
Schutzgebietes ungefähr in der Mitte. Die
Bahn berührt Mariental, läßt aber Gibeon
und Rehoboth westlich liegen. Weiter nördlich
durchquert die Bahn die Auasberge mit einer
größten Steigung von 29% von Windhuk
aus in offenem Einschnitt und erreicht auf
1923 m Meereshöhe die Wasserscheide und
den höchsten Punkt.
Die Länge beträgt 506\5 km, die Baukosten
sind auf 40 Mi! 1. M., das sind rund 79.000 M.
f. d. km veranschlagt. Spurweite und Oberbau
entsprechen der Südbahn. Die Mittel werden
teils aus der — für D. zum ersten Male
aufzunehmenden Schutzgebietsanleihe, teils aus
den Erträgnissen der Diamantfunde bestritten
und wurden in der Bahnvorlage von 1910 be-
willigt. Die Bauausführung wurde gleichzeitig
von Norden und Süden her in Angriff ge-
nommen und die Bahn im März 1912 in
ganzer Ausdehnung dem Betrieb übergeben.
Die Betriebslänge (in km) der vollendeten |

Bahnen setzt sich nunmehr zusammen wie
folgt:

Swakopmund -Windhuk
. 382
davon
0-60 m Spur
194
Otavibahn.
. 671
671
Südbahn .
. 545

Nordsüdbahn ....
. 507

2105
865

i arife: Während auf den Strecken der
Otavibahn ein besonderer Tarif gilt, sind
für die übrigen Staatsbahnen einheitliche Tarife
(vom 1. April und September 1910) ein-
geführt. Im Personenverkehr werden erhoben:

für gewöhnliche Züge in der I., II. und
III. Klasse: 10, 6, 4 Pf. f. d. P./km; für
Schnellzüge 12 und 8 Pf. in der Lund II.Klasse.
Die Otavibahn erhebt 12, 7, 4 Pf. ln Schnell-
zügen sind Farbige nur ausnahmsweise zu-
gelassen. Der Gepäcktarif beträgt 60 Pf. f. d.
tkm. Landeserzeugnisse werden als Expreßgut
zum Satze von 40 Pi./tkm, die übrigen Güter
zum Satze von 60 Pi.jtkm befördert. Für Stück-
gut bestehen 2, auf der Otavibahn 3 Klassen,
mit den Sätzen: 40 und 25 sowie 40, 30, 20
Pi.Itkm. Für Wagenladungen 4 Klassen mit
den Sätzen 30, 15, 12, 7 Pi.Jtkm; die Otavi-
bahn erhebt hierbei für die 2. Klasse 20 statt
15 Pf. Im April 1912 wurde ein Ausnahme-
tarif von 12 (statt 25) Pi./tkm für eine Reihe
von Landeserzeugnissen bei Versendung nach
den Stationen der kapspurigen Bahnen sowie
ein ermäßigter Viehtarif eingeführt.

1910
Karibib-
Windhuk
Otavibahn
Siidbahn
Betriebsiänge in km
188
671
545
Einnahmen
in Mark
Personenverkehr . . .
222.645
488.481
286.202
Güterverkehr.
1,173.954
| 4,207.847
2,238.212
Tierverkehr .
16.355
34.120
Sonstige Quellen . . .
188.618
153.497
329.089
Im ganzen . .
1,601.572
4,849.825
3,487.623
Betriebsausgabe ....
1,117.348
2.795.367
2,594.267
Betriebsziffer in % . .
69.77
57 6
74-4
Betriebsiiberschuß . . .
484.224
2,054.457
893 356
Befördert:
Personen .
68.138
45.367
31.322
Personenjkm . ■
3.599.179
7,801.680
4,811.057
t.
88.531
111.194
45.752
tkm.
7,402.274
39.491.763
13,619.715
Zu gl km.
368 585
916.126
601.041

Literatur: Arch. f. Ebw. 1908, S. 854 ff.; 1910,
S. 649 ff.; 1912, S. 390 ff. und S. 1247 ff. - Die
Eisenbahnen in den Deutschen Schutzgebieten
(Kap. 39) in Das deutsche Eisenbahnwesen der
| Gegenwart. Berlin 1911.
Dezernenten, bei den preußischen Staats-
eisenbahnen und den Reichseisenbahnen in
Elsaß-Lothringen übliche Bezeichnung der
höheren Beamten, die bei den Eisenbahn-
behörden (Eisenbahnzentralamt, Generaldirek-
tion, Eisenbahndirektionen) nach Maßgabe des
Geschäftsplanes dienstliche Angelegenheiten
unter der Firma der Behörde bearbeiten. Der
Regel nach bekleiden die D. etatsmäßige Mit-
gliedstellen der Behörde. Vorübergehend werden
auch höhere Beamte, bevor ihnen eine Mit-
gliedstelle verliehen werden kann, als D. be-
stellt. Die Zahl der bei jeder Behörde einzu-
richtenden Dezernate bestimmt der Minister.
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