Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 330
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Dichtungsmaterialien. — Dienstabteil.

a) Kitte; unter diesen sind die meist ver-
wendeten Mennigekitt und Mangankitt.
Der Hauptbestandteil des Mennigekittes, die
Mennige, ist eine Verbindung von Bleioxyd
und Bleisuperoxyd, die aus Bleiglätte, d. i.
Bleioxyd, durch Erhitzen bei beständigem
Umrühren hergestellt wird. Mennige, ein gelb-
rotes bis hochrotes Pulver von kristallinischem
Gefüge, muß vor Verarbeitung zum Kitt fein
zerrieben werden. Zu Dichtungskitt wird die
Mennige mit gekochtem Leinöl oder Leinöl-
firnis verarbeitet, indem man zuerst beide
Bestandteile auf einer glatten eisernen Reib-
platte dünn anrührt, nach und nach trockene
Mennige zusetzt und die Masse mit dem
Hammer bearbeitet, bis sie die gewünschte
Konsistenz hat. Der Kitt wird in Verbindung
mit einem festeren Körper, der das
Herausdrücken durch die Flüssigkeiten oder
Gase verhindert, angewendet. Hierzu benutzt
man dünne Drahtsiebe für Dampfdichtungen,
gewöhnliche (2 — 3 ////// dicke) Pappe für
Wasserrohre, durch die nur kaltes Wasser
fließen soll, und Hanf für Wasser- und Dampf-
rohre.
Mangankitt wird ähnlich wie Mennigekitt
aus pulverisiertem Braunstein und Kalk durch
Verreiben mit Firnis und Teer hergestellt.
Mangankitt ist weniger beständig als der teuere
Mennigekitt, eignet sich aber trotzdem für
viele Flanschverbindungen bei Lokomotiven,
da diese, der Revisionen wegen, häufiger de-
montiert werden, als ortsfeste Leitungen u.s. w.
b) Dichtungsplatten aus organischen Sub-
stanzen, Pappe aus Holzstoff und Lumpen
oder Filzpappe und Gummiplatten finden
nur Verwendung für Dichtungen, die geringem
Druck und keiner hohen Temperatur wider-
stehen müssen.
c) Dichtungsplatten aus anorganischen Sub-
stanzen ; zu diesen gehören die vielen Handels-
marken von Asbestplatten oder Asbest-
pappe, die an allen, geringem Dampfdrücke
ausgesetzten Dichtungsstellen gute Verwendung
finden.
d) Dichtungsplatten aus Verbindung von
organischen und anorganischen Substanzen,
umfassen die überwiegende Mehrheit der seit
Ende des vorigen Jahrhunderts aufgetauchten D.,
wie Klingerit, Moorit u. s. w. Diese Platten
bestehen in der Regel aus Asbestfasern, ver-
bunden durch Paragummi. Die Herstellung
dieser Platten erfolgt auf einem mit Dampf
geheizten Walzwerk dadurch, daß die vorher
zu einem harten Brei verrührten Bestand-
teile auf die eine Walze aufgetragen, beim
Durchgang durch die zweite Walze getrocknet
und verdichtet werden. Diese Dichtungen eignen

sich für die höchsten Drücke, für hochüber-
hitzten Dampf und sind auch - gutes Roh-
material vorausgesetzt — säurebeständig.
e) Dichtungsplatten aus Metallen bestehen
aus dünngewalztem Kupfer- und Messingblech,
seltener Blei. Platten aus Kupferblech finden
viel Verwendung zum Abdichten von Dampf-
einströmrohren bei Lokomotiven.
f) Dichtungsplatten, Dichtungsringe oder
Rahmen aus Metallen werden oft, insbesondere
bei größerer Unebenheit der zu dichtenden
Flächen mit nachgiebigem Material, Hanffaser
oder Asbestschnur umwickelt. Zu dieser Art
der D. gehören auch die vielen Arten von
Dichtungsringen, die aus dünnem „U''-förmi-
gem Kupferblech bestehen, und bei denen die
Füllung zwischen den Schenkeln des „U"
durch Asbestschnur ausgefüllt ist.
Zur Verbindung von Armaturstücken mit
dem Kessel oder zur Dichtung von Rohren
an Zylindern und untereinander verwendet
man im Lokomotivbau in ausgedehntem Maße
sog. Linsen - gedrehte Ringe - aus Bronze
oder Kupfer.
Die an Dampfkolben und Stopfbüchsen
verwendeten Dichtungsarten und Materialien
s. Dampfzylinder und Stopfbüchsen.
Gölsdorf.
Dienstabteil (senke comp artment; com-
partiment de Service; compartimento del ser-
vizio), ein in den Zügen für dienstliche Zwecke
besonders eingerichtetes oder frei gehaltenes
Wagenabteil. — Bei allen Zügen, besonders
bei denen, die keine Personenwagen mit sich
führen, ist es nötig, für die am Zuge dienst-
verrichtenden Beamten (s. Zugbegleitung)
besondere Räume bereitzuhalten, in denen sie
ihre Arbeit verrichten und ihre Geräte auf-
bewahren können. Auf Hauptbahnen darf bei
Personenzügen im allgemeinen der erste
Wagen hinter der Lokomotive mit Reisenden
nicht besetzt werden (s. Schutzwagen).
Um ihn auszunutzen, wird er für die Ge-
päckbeförderung verwendet. Da vom ersten
Wagen aus eine Verständigung mit dem Loko-
motivführer am leichtesten möglich ist, auch
Zug- und Bahnstrecke von hier am besten zu
übersehen sind, so eignet sich der Gepäck-
wagen (s. d.) in erster Linie für den Aufent-
halt des Aufsichtsbeamten des Zuges, des
Zugführers (s. d.). In den Gepäckwagen wird
deshalb ein für allemal ein D. eingerichtet,
das in erster Linie für den Zugführer be-
stimmt ist. Begleitet ein Fahrladebeamter
Packmeister oder Gepäckschaffner — den Zug
zur Beaufsichtigung des durch eine innere
Tür vom D. aus zugänglichen Gepäckraumes
oder der sonst im Zuge befindlichen Gepäck-
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