Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 331
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Dienstabteil.

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oder Gütersendungen, so nimmt auch dieser
im D. des Zugsführers Platz, wenn nicht für
ihn ein besonderes D. hergerichtet ist. Beide
Beamten haben schriftliche Arbeiten während
der Fahrt zu verrichten. Vor ihren Sitzen sind
deshalb Tische und Brieffächer zum Ordnen
und Aufbewahren von Frachtbriefen, Begleit-
scheinen, Dienstbriefen und Vordrucken an-
gebracht. Außerdem sind im D. verschließbare
Schränke und Kasten zur Unterbringung der
im Zuge mitzuführenden Signalmittel und Ge-
räte (s. Betriebsinventar), in Packwagen, die
zur Beförderung von Geldsendungen bestimmt
sind, auch verschließbare Geldkisten vor-
handen.
Der Platz für den Zugführer wird in der
Regel so angeordnet, daß er einen Ausblick
nach dem Zuge und der Bahnstrecke gestattet.
Ein gleich günstiger Platz für die Beob-
achtung der Bahnstrecke und der Signale wie
für den Lokomotivführer, läßt sich allerdings
nicht herrichten. Auch von dem unmittelbar
hinter der Lokomotive laufenden Gepäckwagen
aus ist der Ausblick nicht annähernd so gut
wie vom Führerstande der Lokomotive. Durch
die letztere und ihren Tender wird ein Teil
des Gesichtsfeldes verdeckt, zeitweise wird es
sogar gänzlich verhüllt durch Dampf und
Rauch der Lokomotive. Trotzdem will man
nicht gern auf die Mitbeteiligung des Zug-
führers bei der Signalbeobachtung, für die der
Lokomotivführer in erster Linie verantwortlich
bleibt, verzichten. Dem Zugführer obliegt die
Beaufsichtigung des gesamten Dienstes am Zuge.
Es wird ihm daher die besondere Pflicht auf-
erlegt, die Befolgung der Signale, die dem Zuge
gegeben werden, zu überwachen, sich mög-
lichst oft vom Zustande des Zuges Über-
zeugung zu verschaffen und so lange es ihm
seine sonstigen Dienstgeschäfte gestatten, auf
die Signale und Wegeschranken zu achten.
Aus diesem Grunde wird der Platz des Zug-
führers im D. des Gepäckwagens so einge-
richtet, daß er einen möglichst guten Ausblick
nach vorwärts und rückwärts über Zug und
Bahnstrecke gestattet. Der Platz wird in der
Regel erhöht in einem das Wagendach über-
ragenden Aufbau so angeordnet, daß der
Zugführer, ohne sich vom Sitz erheben zu
müssen, freien Ausblick nach vorwärts und
rückwärts hat. Ist nur in einer Richtung ein
freier Ausblick möglich, so wird wohl durch
Anbringung von Spiegeln über oder neben
dem Sitz dafür gesorgt, daß der Zug auch in der
entgegengesetzten Richtung übersehen werden
kann. — Von seinem Platze aus vermag der
Zugführer die Bremse des Wagens oder beim
Vorhandensein einer durchgehenden Bremse

auch diese in Tätigkeit zu setzen. Ein in die
Bremsleitung eingeschaltetes Manometer er-
möglicht die Überwachung der Dienstbereit-
schaft der durchgehenden Bremse.
Über die bei den einzelnen Verwaltungen
übliche, aus den vorstehend besprochenen An-
forderungen sich ergebende Anordnung der D.,
die je nach Größe und Bauart der Wagen erheb-
liche Unterschiede aufweist, s. Gepäckwagen.
Gepäckwagen mit 2 D., eines an jeder Stirn-
seite des Wagens, werden nur noch selten
gebaut. Die Regel bilden Gepäckwagen mit
einem D., das entweder am Ende oder in der
Mitte des Wagens angeordnet wird. Die letztere
Bauart, die bei den belgischen und französi-
schen Bahnen bevorzugt wird und auch bei
den vierachsigen Schnellzuggepäckwagen der
deutschen Eisenbahnen Anwendung findet, hat
den Nachteil, daß der Wagenraum durch das
D. in zwei Teile getrennt wird, zwischen
denen Gepäckstücke nur in beschränkter Weise
hin und her befördert werden können, dagegen
den Vorteil, daß die Beamten im D. bei Un-
fällen besser geschützt sind. Auch gestattet die
Lage des D. in der Mitte des Wagens einen
nach beiden Seiten gleich günstigen Ausblick.
Wenn das D. im Gepäckwagen auch für
die Schaffner (s. d.) des Zuges noch Platz
bieten würde, so läßt sich in den Personen-
zügen die Vorhaltung eines weiteren D. doch
nicht immer vermeiden. Damit die Schaffner
beim Anhalten des Zuges rechtzeitig zum Aus-
rufen (s. d.) der Stationen und zum Öffnen
der Türen zur Stelle sind, müssen sie in mög-
lichster Nähe der ihnen zur Bedienung zu-
gewiesenen Wagen untergebracht werden. Die
Zurücklegung des Weges vom Gepäckwagen
bei Ankunft des Zuges und zurück bei der
Abfahrt würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen
und die Aufenthalte über Gebühr verlängern.
Es wird deshalb für das Zugbegleitpersonal
außer dem Zugführerabteil im Gepäckwagen
in der Regel noch ein zweites D. im Zuge
vorgehalten und hierzu ein gewöhnliches Ab-
teil dritter Klasse möglichst nahe der Mitte
des Zuges durch ein Schild als D. bezeichnet.
Auf den deutschen Eisenbahnen darf das Zug-
begleitpersonal nach § 92 der Fahrdienstvor-
schriften ein D. in der ersten oder zweiten Klasse,
auch wenn der Zug nur diese Klassen führt,
nicht einrichten. Auf den preuß.-hess. Staats-
bahnen darf ein D. bei Zügen, in denen ein Ge-
päckwagen mit Zugführerabteil läuft, überhaupt
nur eingerichtet werden, wenn zwei oder mehr
im Schaffnerdienst volltätige Beamte den Zug-
begleitern Ist kein D. in den Personenwagen
vorhanden, so kann ein solches iür Zug-
personale, die zur Übernahme oder nach Ab-
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