Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 343
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Dienstentlassung.
D. nur vom Direktor verfügt werden. Gegen D.
steht den Bediensteten die Berufung an ein Schieds-
gericht offen, in das zwei Bedienstete der betreffenden
Hauptgruppe vom Beschuldigten und zwei weitere
Beamte von der Direktion entsendet werden. Den
Vorsitzenden wählen diese vier Mitglieder, oder,
wenn sie sich nicht einigen können, der Minister.
Zur D. bei den schweizerischen Bundes-
bahnen ist nur die Generaldirektion ermächtigt.
Sofortige D. erfolgt namentlich wegen Widersetzlich-
keit gegen Vorgesetzte, wegen fortgesetzter grober
Nachlässigkeit im Dienste, wegen Mißbrauchs der
Stellung, Trunkenheit im Dienste, wegen Unredlich-
keit, Beteiligung am Börsenspiel u. dgl. Seydel.
Dienstfahrplan, (service timetable; tableau
oder horaire du service des trair.s; orario di
servizio). Während in den öffentlichen Fahr-
plänen (s. Aushangfahrplan und Kursbücher)
nur die der Personenbeförderung dienenden
Züge und über diese auch nur die für die
Reisenden nötigen Angaben enthalten sind,
werden durch den D. die Ankunft-, Abfahr- und
Durchfahrzeiten sämtlicher Personen-, Güter-
und sonstigen Züge für alle Stationen und in der
Regel auch für alle Block- und Abzweigestellen
einer Bahnstrecke sowie außerdem alle Angaben
bekannt gegeben, die die beteiligten Beamten zur
Ausführung der einzelnen Zugfahrten kennen
müssen. Es sind dies im wesentlichen Angaben
über die Dauer des Aufenthaltes auf den einzelnen
Stationen, die gewöhnlichen Fahrzeiten, die bei
Verspätungen anzuwendenden kürzesten Fahr-
zeiten, die Fahrgeschwindigkeit, die unterwegs
stattfindenden Zugkreuzungen (s.d.) und Über-
holungen (s. d.), sowie über die auf den ein-
zelnen Streckenabschnitten vorgeschriebene
Bremsbesetzung. In der Regel werden alle
diese Angaben für jeden einzelnen Zug be-
sonders zusammengestellt.
Die D. für den regelmäßigen Zugdienst
werden zu einem Fahrplanbuch vereinigt.
Wird dessen Umfang zu groß, so wird es in
Hefte zerlegt. — Da den Bahnbewachungs-
beamten nur die Durchfahrzeiten der Züge
durch ihren Streckenbezirk bekannt gegeben
zu werden brauchen, so stellt man für sie
wohl besondere Fahrpläne in vereinfachter,
tabellarischer Form her, die zur Unterscheidung
von den eigentlichen D. „Streckenfahrpläne"
genannt werden. Bei einfachen Verhältnissen
genügt es, wenn die Verkehrszeiten der Züge
zwischen den benachbarten Bahnhöfen durch
den Bahnmeister handschriftlich zusammen-
gestellt und den Bahnbewachungsbeamten mit-
geteilt werden.
Zu den für Dienstzwecke hergestellten Fahr-
plänen gehören auch die bildlichen Fahr-
pläne. Sie geben eine vollständige und klare
Übersicht über die gesamten Zugfahrten auf
einer Bahnstrecke und lassen die verschiedenen

Dienstgeheimnis.
Möglichkeiten für die Einlegung neuer Zug-
fahrten ohneweiters erkennen. Für die Weiter-
bildung des Fahrplans, für die Einlegung
von Sonderzügen und zur Bestimmung der für
Arbeiten an den Gleisen geeigneten Zugpausen
bilden sie ein zuverlässiges Hilfsmittel (s. Fahr-
plan). Breusing.
Dienstfrauen haben bei den Schnellzügen
(D-Zügen) für Ordnung und Sauberkeit in den
Personenwagen während der Fahrt und nament-
lich für Reinhaltung der Aborte und Wasch-
räume, sowie für deren Versorgung mit Wasch-
wasser, Trinkwasser, Seife und Handtüchern zu
sorgen. Die D. sind dem Zugbegleitpersonal
zugeteilt. Sie haben den Anordnungen des
Zugführers Folge zu leisten (s. D-Zug).
Dienstgell ei muss (secret; sc er et; segreto),
Amtsverschwiegenheit, Geheimhaltung der
Wahrnehmungen im Dienste. Die Wahrung
des D. ist nach den Vorschriften aller Bahn-
verwaltungen eine der wichtigsten Dienst-
pflichten. Kein Beamter darf über das, was
amtlich zu seiner Kenntnis kommt, an dritte
Personen Mitteilung oder gar etwas öffentlich
bekanntmachen. So sind insbesondere Mit-
teilungen an Privatpersonen, Beamte oder
andere Behörden aus den Akten, aus Plänen,
Rechnungen und anderen amtlichen, nicht
für die Öffentlichkeit bestimmten Schriftstücken
oder über sonstige dienstliche Anordnungen
und Vorkommnisse ohne besondere Ermächti-
gung der Vorgesetzten Behörde durchaus unzu-
lässig. Zuwiderhandlungen werden nach der
Größe der begangenen Pflichtverletzung mit
verhältnismäßiger Geldstrafe oder mit Ent-
fernung aus dem Dienste im Disziplinar-
wege geahndet.
Bei Mitteilungen über das Eisenbahnwesen,
die in militärischer Hinsicht von Interesse
sein könnten, ist mit der größten Vorsicht zu
verfahren. Die für Zwecke der militärischen
Benutzung der Eisenbahnen im Kriege mit-
wirkenden Personen haben in allen derartigen
Angelegenheiten unbedingt Amtsverschwiegen-
heit zu beobachten und die in ihren Händen
befindlichen Schriftstücke, Pläne u. dgl. geheim
zu halten.
Es ist ferner durch die verschiedenen Zivil-
und Strafprozeßordnungen bestimmt, daß
Beamte, auch wenn sie nicht mehr im Dienste
sind, über Umstände, auf die sich ihre Pflicht
zur Amtsverschwiegenheit bezieht, als Zeugen
nur mit Genehmigung ihrer Vorgesetzten oder
der ihnen zuletzt vorgesetzt gewesenen Dienst-
behörde vernommen werden dürfen. Diese
Genehmigung darf allerdings nur versagt
werden, wenn die Ablegung des Zeugnisses
dem Wolile des Staates Nachteil bereiten
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