Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 344
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Dienstgeheimnis — Dienstgut.

würde. Ebenso darf die Vernehmung eines
öffentlichen Beamten als Sachverständiger
nicht stattfinden, wenn die Vorgesetzte Be-
hörde des Beamten erklärt, daß die Ver-
nehmung den dienstlichen Interessen ent-
gegenstehen würde.
Das D. umfaßt schließlich auch das De-
peschengeheimnis. So werden Telegraphen-
beamte oder andere mit der Beaufsichtigung
lind Bedienung einer zu öffentlichen Zwecken
dienenden Telegraphenanstalt betraute Per-
sonen sogar strafrechtlich verfolgt lind mit
Gefängnis bestraft, wenn sie die der Tele-
graphenanstalt anvertrauten Depeschen in an-
deren als in den gesetzlich vorgesehenen
Fällen eröffnen, unterdrücken oder von ihrem
Inhalte Dritte rechtswidrig benachrichtigen oder
einem anderen wissentlich eine solche Hand-
lung gestatten oder ihm dabei wissentlich
Hilfe leisten.
Die Pflicht zur Wahrung des D. besteht
nicht nur während der Dauer des Dienstver-
hältnisses, sondern dauert nach den Be-
stimmungen fast sämtlicher Bahnverwaltungen
auch nach der Versetzung in den Ruhestand,
ja sogar nach der strafweisen Entlassung aus
dem Dienste fort. Seydel.
Dienstgewicht (\weight in working order;
poids en ordre de Service; peso in servizio) einer
Lokomotive oder eines Tenders, das Gewicht
des Fahrzeugs in vollständig für den Dienst
ausgerüstetem Zustand. Unter Leergewicht von
Lokomotive oder Tender versteht man das
Gewicht des sonst mit der vollständigen Aus-
rüstung versehenen Fahrzeugs, jedoch ohne
Wasser und Brennstoff. Gölsdorf.
Dienstgut, Regiegut (marehandise pour
le Service; merce di servizio), für Zwecke des
eigenen Dienstes einer Bahnverwaltung zur
Versendung kommende Gegenstände, bei denen
die befördernde Bahn zugleich Absender oder
Empfänger ist.
Die Dienstgutsendungen im engeren Sinne
(ausschließlich der Dienstbriefe, Dienstpakete,
Geldablieferungen) sind einzuteilen
a) in Betriebsdienstgut, d.s. Gegenstände, die
Betriebszwecken dienen oder aus Mitteln des
Betriebsetats beschafft sind;
b) in Baudienstgut, d. s. Gegenstände, die
zu Neu- oder auch Ergänzungsbauten auf
Kosten extraordinärer Fonds beschafft werden.
In der Frage der Frachtberechnung für
Dienstgüter herrscht die größte Verschieden-
heit. Betriebsdienstgut wird vielfach ohne
Frachtberechnung befördert, wogegen Bau-
dienstgut bei der Mehrzahl der Bahnen nicht
frachtfrei befördert wird, sondern nur eine
Frachtermäßigung genießt.

Nach der für die preußisch-hessischen
Staatsbahnen neu erlassenen und versuchs-
weise in Kraft gesetzten Dienstgutbeförderungs-
ordnung sind unter D. alle dienstlichen
Sendungen zu verstehen, soweit sie nicht
nach den Dienstbriefbeförderungsvorschriften
abzufertigen sind. Sie werden wie die Güter
des öffentlichen Verkehrs behandelt, wenn
nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt ist.
Auf den für ausschließliche Rechnung der
preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft
verwalteten Eisenbahnen werden Betriebs-
dienstgüter frachtfrei befördert, ebenso Bau-
dienstgüter von weniger als 1000 kg in Zügen
des öffentlichen Verkehrs. Frachtpflichtig sind
dagegen die Baudienstgüter von 1000 kg und
mehr, sowie die D., die auf Kosten Dritter
befördert werden.
An Fracht wird im preußisch-hessischen
Staatsbahn verkehr berechnet
a) für Baudienstgüter von 1000 kg und
mehr in Zügen des öffentlichen Verkehrs, so-
wie für Fahrzeuge, die aus extraordinären
Fonds beschafft und als D. auf eigener Achse
befördert werden, für die t und das Tarif /km
2 Pf., mindestens jedoch der Betrag für 20 km\
b) für Baudienstgüter in Arbeitszügen, zu
denen die Betriebsverwaltung die Lokomotiv-
kraft, die Wagen und das Personal stellt, für
[ jedes Arbeitzug/£//z 1 M. zu gunsten der Be-
triebsverwaltung.
Im Verkehr mit fremden Bahnen wird be-
rechnet:
a) für preußisch-hessische Strecken
a) bei allen Betriebsdienstgütern sowie
den Baudienstgütern von weniger als
1000 kg nichts,
ß) für die mindestens 1000 kg schweren
Baudienstgüter 70% der Fracht nach
den Tarifen des öffentlichen Verkehrs;
b) für fremde Strecken bei allen D. die
volle Fracht nach den Tarifen des öffent-
lichen Verkehrs.
Dritte (Unternehmer, Lieferer) können von
den selbst zur Versendung berechtigten Stellen
beauftragt werden, Gegenstände für Eisenbahn-
zwecke als D. zu versenden. Der Auftraggeber
hat die Versandabfertigung nach besonderem
Muster zu benachrichtigen.
Die D. sind in der Regel als Frachtgut mit
den Zügen des öffentlichen Verkehrs zu be-
fördern. Als Eilgut und Gepäck dürfen D.
nur in besonders dringlichen Fällen versandt
werden.
Arbeitszüge können gebildet werden,
a) wenn D. auf freier Strecke ver- oder
entladen werden sollen,
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