Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 348
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348 Dienstgut. —
für ihren eigenen Bedarf, aber nur für diesen,
zu beliebigen Bedingungen befördern. Für
Frachtbriefsendungen braucht die Gesellschaft
in ihrem Bericht an das Bundesverkehrsamt
nur die Lokomotiv-, Zug- und Wagenmeilen
anzugeben, während sie für gewöhnliches
Frachtgut die Tonnenmeilen mitteilen muß.
Die frachtfreien Güterzüge und -wagen um-
fassen auch die, die D. befördern, sowie ferner
Arbeitszüge, Hilfszüge, Reparaturzüge, Schnee-
pflüge und Rollböcke.
Wenn indes eine Bahn D. für eigene Bau-
oder Unterhaltungszwecke befördert, so kann
sie dafür unter ihre Einnahmen eine Summe
einsetzen, die sich etwa mit den Selbstkosten
deckt und dafür den Bau- oder Unterhaltungs-
fonds mit der gleichen Summe belasten.
D. für eine andere Gesellschaft darf nur
unter denselben Bedingungen und zu den-
selben Sätzen wie Frachtgut irgend eines
anderen Versenders befördert werden. Keine
Bahn darf einer anderen für die Beförderung
von D. für deren Zwecke irgendwelche Ver-
günstigungen gewähren.
Diese Bestimmungen gelten auch für die
Beförderung von Fahrplänen und Reklame-
material in Personenzügen. Keine Bahn darf
also solche Sendungen für eine andere frei
befördern, es sei denn, daß sie selbst ein
ausgesprochenes Interesse an den Sendun-
gen hat. 1Volff.
Dienstkaution (cautionnement), die von
Bediensteten geforderte Sicherheitsleistung in
Geld oder Geldeswert für aus dem Dienstver-
hältnis allenfalls zu vertretende Schäden.
Die Stellung einer D. vor Antritt eines be-
stimmten Amts war in früherer Zeit allgemein
üblich. Dermalen wird die Leistung einer D.
nur mehr von wenigen Bahnverwaltungen ge-
fordert. Hierbei wird die Anstellung des Be-
amten nicht durch die Kautionsleistung be-
dingt, letztere stellt sich vielmehr als eine Ver-
pflichtung dar, die sich unmittelbar aus der er-
folgten Anstellung ergibt und vor der Ein-
führung in das betreffende Amt zu erfüllen
ist. Die Bestellung der D., über die in der
Regel eine Kautionsurkunde ausgestellt wird,
kann entweder durch den Beamten selbst oder
auch durch einen Dritten erfolgen; letzteres
nur, insoferne der Vorgesetzten Dienstbehörde
dieselben Rechte an der D. gesichert werden,
die ihr an einer vom Beamten selbst ge-
stellten Kaution zugestanden wären. Die Kautions-
leistung besteht zumeist in dem sofortigen Er-
lag von Bargeld oder bestimmten Wertpapieren;
sie kann jedoch bei einzelnen Bahnverwal-
tungen infolge von besonderer Ermächtigung
auch nachträglich durch Ansammlung von Ge-

Dienstkaution.
haltsabzügen bewirkt werden. Vereinzelt wird
Kautionsstellung durch Bürgschaft zugelassen.
Die Vorgesetzte Dienstbehörde erhält durch
die Kautionsbestellung ein Faustpfand an der
hinterlegten Geldsumme, bzw. denWertpapieren,
das mit Aushändigung des Empfangscheins
wirksam wird. An den zum Zweck der Am-
sammlung zurückbehaltenen Gehaltsbeträgen
besteht zunächst bis zur Anschaffung eines
kautionsfähigen Wertpapiers nur ein Retentions-
recht; erst nach Flinterlegung dieses Wertpapiers
wird der Empfangschein ausgestellt. Die Ver-
zinsung der D. beginnt bei Kautionsstellung in
Bargeld oder Wertpapieren in der Regel nach
Erlag; bei Erlegung der D. durch Ansammlung
von Gehaltsabzügen erst mit der Ergänzung bis
zur vollen Kautionssumme. Die Vorgesetzte
Dienstbehörde hat für die Aufbewahrung der
Kautionssumme zu sorgen und letztere bei Be-
endigung des Dienstverhältnisses, soweit sie
nicht zu Ersätzen in Anspruch genommen
wurde, gegen Rückgabe des Empfangscheins
zurückzuerstatten.
Bei den Staatsbahnen in Deutschland und
Österreich wird keine D. gefordert.
Bei den belgischen Staatsbahnen sind kau-
tionspflichtig die Kassiere, Stationsvorstände, Chefs
der Drucksortendepots und Materialmagazine, Rech-
nungsbeamte des Zentralbureaus für Kreditwesen, der
Bureauchef des Bureaus für Lieferungszuschläge,
Rechnungsbeamte der größeren Materialdepots. Die
Kautionen bewegen sich zwischen 2000 Fr. (Kassiere)
und 300 Fr.
Bei den dänischen Staatsbahnen haben folgende
Bedienstete eine D. zu leisten, u. zw. Hauptkassiere
und Kassenbeamte, Stationsvorstände, Stationsmeister,
Güterexpediteure, Oberassistenten, Assistenten, Billet-
kassiere. Die Höhe der Kaution schwankt zwischen
10.000 (Hauptkassiere) und 100 M. (Billetkassiere).
Bei den französischen Eisenbahnen besteht
keine Übereinstimmung hinsichtlich der Verpflich-
tung zum Erlag einer D. Bei den französischen
Staatsbahnen obliegt nur dem Hauptkassier und
einigen Kassenbeamten die Verpflichtung zum Erlag
einer D., den Stationskassieren obliegt ein solcher
Erlag nicht. Ähnliche Bestimmungen gelten bei der
Nordbahn. In größerem Umtang besteht die
Kautionspflicht bei der Paris-Orleans-Bahn für
die verschiedenen Beamten des Zentraldienstes und
der Stationen.
Bei der Paris-Lyon-Mediterranee obliegtim
Stationsdienst der Erlag einer D. nur den im
Camionagedienst Beschäftigten, in Paris dagegen
haben im Zentraldienst die Kassiere und Kassa-
beamten ebenso wie gewisse Rechnungsbeamten
Kaution zu erlegen. Die Gesamtsumme der er-
legten Kautionen beträgt etwa 500.000 Er.
Bei den italienischen Staatsbahnen haben nur
die Kassiere bei den Hauptkassen (Palermo, Bo-
logna, Florenz, Rom, Neapel und Torino) Kautionen
zu leisten.
Bei den niederländischen Bahnen besteht im
allgemeinen keine Kautionspflicht. Ausnahmsweise
sind bei der Betriebsgesellschaft der niederländischen
Staatsbahnen einzelne Magazinsmeister zum Kautions-
erlag verpflichtet.
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