Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 355
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Dienstkleid. — Dienstreisen.

sprechende Tragzeitvergiitung verabfolgten D. können
jedoch dem Bediensteten belassen werden.
Die Aufstellung der auf die D. bezüglichen Vor-
schriften (Form/Ausstattung, Stoffe u. s. w.) ist
Sache der Generaldirektion, der auch die Bestimmung
der Art, der Zahl und der Tragdauer der D. obliegt.
Bei den englischen Bahnen sind die Bedien-
steten im äußeren Dienst zumeist uniformiert oder
doch mit einem Dienstabzeichen versehen (man be-
zeichnet das uniformierte Personal als uniform staff).
Nach einem vom Board of Trade im Jahre 1912
für das Jahr 1907 veröffentlichten Bericht über die
Lohnverhältnisse und Arbeitszeit der englischen
Eisenbahnen erhielten 204.237 erwachsene und 15.915
jugendliche Bedienstete (darunter fast sämtliche
Güterzugschaffner und Bremser, Weichensteller, Per-
sonenzugschaffner, Lokomotivführer und Lokomotiv-
heizer, ferner mehr als 90% der Rangierer und Ge-
päckträger, sowie ein ansehnlicher Teil der Werk-
führer, Rollfuhrbedienstete und Güterabfertiger) freie
Uniform oder sonstige Dienstkleidung. Seydel.
Dienstordnung im weiteren Sinne umfaßt
die Vorschriften, die in den Gesetzen und
Verordnungen über die ordnungsmäßige Füh-
rung der Verwaltung und des Betriebs einer
Eisenbahn enthalten sind. Zu diesen Vorschriften
gehören insbesondere auch die auf Grund und
in Ausführung der Gesetze erlassenen Bau-,
Betriebs- und Verkehrsordnungen sowie die
im Rahmen der Gesetze und dieser Verord-
nungen von den Eisenbahnverwaltungen ge-
troffenen allgemeinen Anordnungen öffentlich
rechtlicher Natur. Ferner umfaßt die D. die
den inneren Dienst regelnden Verwaltungs-,
Geschäfts-, Finanz-, Kassen-, Kontroll- und
Bureauordnungen (s. d.). Bei den Privateisen-
bahnen treten die Konzessionsurkunden und
Satzungen (Reglements, Organisation, Bylaws)
hinzu. Die D. enthält entweder Vorschriften,
die für den ganzen Bereich einer Verwaltung
anwendbar sind, oder solche für eine bestimmte
Dienststelle (Station u. s. w.).
Als D. im engeren Sinne werden in mehreren
Ländern für den Handgebrauch der Behörden
und Beamten der Eisenbahnen verfaßte Zu-
sammenfassungen von allgemeinen Vorschriften
über die Dienstverhältnisse des Eisenbahn-
personals bezeichnet. Solche D. enthalten die
in Gesetzen, Verordnungen und Erlassen ent-
haltenen grundsätzlichen Bestimmungen über
die Pflichten und allgemeinen Obliegenheiten,
über die Disziplinarverhältnisse, über Annahme
und Entlassung sowie über die Ansprüche
und Rechte der Beamten in bezug auf ihre
Besoldung und Versorgung. Wo solche um-
fassenden D. fehlen, sind vielfach knapper ge-
haltene „Allgemeine Bestimmungen für Beamte
und Arbeiter", „Normen", „Rules", „Regle-
ments“ erlassen. Für die einzelnen Dienstklassen
und Geschäftszweige sind „Dienst-oder Geschäfts-
anweisungen" im Gebrauche. Hoff.

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Dienstpragmatik,Dienstordnung, nach dem
in Österreich üblichen Sprachgebrauch die
Zusammenfassung der gemeinsamen, für das
Personal einer Verwaltung gültigen Normativ-
bestimmungen in Betreff des gesamten Dienstver-
hältnisses. Die D. in diesem Sinne enthält
sonach insbesondere die Vorschriften über die
Aufnahme in den Dienst, über die Dienstbezüge,
Anwartschaften und sonstigen Rechte, sowie
über die Pflichten der Bediensteten, über Dis-
ziplinarbehandlung, Auflösung des Dienstver-
hältnisses, Alters- und Hinterbliebenenversor-
gung u. s. w.
In Deutschland und der Schweiz werden
die Sammlungen von Vorschriften solcher Art
unter der Bezeichnung „Gemeinsame Bestim-
mungen" oder „AllgemeineDienstvorschriften",
in Italien als „Norme sul personale", in Belgien
und Frankreich als „Ordre general (personel)",
in England und Amerika als „General re-
gulations" zusammengefaßt.
Soweit es sich um Beamte von Staatseisen-
bahnen handelt, enthalten derlei Dienstvor-
schriften zumeist auch einen Auszug aus den
einschlägigen Bestimmungen der für Staats-
beamte geltenden Gesetze, Verordnungen und
Erlasse.' Hoff.
Dienstreisen (voyages de Service; viaggi
in servizio), Reisen, die von den Bahn-
bediensteten zu dienstlichen Zwecken ausge-
führt werden, im Gegensatz zu den Urlaubsreisen.
Für das Lokomotiv- und Zugpersonal be-
steht bei der Eigenart des Eisenbahnbetriebs
nahezu der gesamte Dienst aus D., indem der
Lokomotiv- und Zugbetrieb der Hauptsache
nach außerhalb des Wohnorts der Bediensteten
zu verrichten ist. Durch genaue Dienstpläne,
die sich an die Lokomotiv- und Zugfahrten
anschließen, werden die Fahrten des Personals
geregelt.
Auch für andere Klassen von Beamten, die
insbesondere als Kontrolleure oder Revisoren
den ausführenden Betriebs-, Verkehrs- und
Kassendienst zu überwachen haben, bildet die
Tätigkeit außerhalb des amtlichen Wohnorts
häufig die Haupttätigkeit. Der Regel nach
üben auch sie ihre Reisetätigkeit nach einem
bestimmten, den zu revidierenden Stellen aller-
dings unbekannten Dienstplan aus.
Mehr oder weniger gilt dies auch für Inge-
nieure, Bahnmeister, Werkmeister (Heizhaus-
vorstände), Telegraphenmeister, deren Bezirk
mehrere Bahnhöfe und längere Bahnstrecken
umfaßt, die sie zu überwachen haben, oder
auf denen sie die Fahrzeuge einfahren oder
beobachten müssen.
Die Natur der Eisenbahnen sowohl nach der
technischen Seite als langgestreckte Schienen-
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