Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 358
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Dienstunfähigkeit. — Dienst- und Ruhezeit.

heit zu gründe, so wird der Bedienstete zu-
nächst meist eine bestimmte Zeit im Genüsse
seines Einkommens belassen und erst, wenn
die D. innerhalb dieser Zeit C/2 — 1 Jahr)
nicht behoben ist, nach ärztlicher Feststellung
der D. mit oder ohne Ruhegehalt des Dienstes
enthoben.
Ist die D. die Folge eines Unfalls im
Dienst, so tritt gewöhnlich auch dann die
Versetzung in den Ruhestand ein, wenn der
Anspruch auf Pension nach dem Dienstalter
noch nicht erworben ist.
Die Erklärungen der D. hängen nicht bloß
von dem objektiven Gesundheitszustand der
in den Ruhestand zu versetzenden Beamten
ab, sondern werden vielfach noch durch die
hierbei obwaltenden Grundsätze der Ver-
waltungen, sowie auch die persönlichen
Wünsche der zu Pensionierenden bestimmt;
so sind insbesondere jene Fälle nicht selten,
in denen Bedienstete als dienstunfähig den
Dienst verlassen, obwohl eine D. streng ge-
nommen noch nicht vorhanden ist. Dies gilt
vor allem dann, wenn Bedienstete nach Ablauf
einer bestimmten Anzahl von Dienstjahren
oder mit Eintritt eines bestimmten Alters das
Recht auf Versetzung in den Ruhestand er-
werben oder zum Verlassen des Dienstes ver-
anlaßt werden. Seydel.
Dienst- und Ruhezeit (daration of Service
and rest; dnree du travail et des repos;
duratci di servizio e di riposo).
I. Allgemeines. — II. Regelung in den einzelnen
Ländern. 1. Deutschland. 2. Österreich. 3. Ungarn.
4. Belgien. 5. Frankreich. 6. Italien. 7. Niederlande.
8. Rußland. 9. Schweiz. 10. England. 11. Vereinigte
Staaten von Nordamerika.
I. Allgemeines. Der Betrieb der Eisen-
bahnen muß sich den Anforderungen des Ver-
kehrs anpassen. Dementsprechend wird der
Fahrplan aufgestellt und der sich so ergebende
Zugverkehr bildet das Gerippe für die Bereit-
stellung des in den verschiedenen Betriebs-
zweigen jeweilig erforderlichen Personals.
Dieses Personal einmal unter dem Gesichts-
punkt wirtschaftlicher Betriebsführung und
sodann unter Berücksichtigung der normalen
Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers
und Geistes den dienstlichen Anforderungen
gemäß vorzuhalten und bereit zu stellen, ist
Aufgabe der Diensteinteilung. Hierbei ergibt
sich die Anzahl der zu den verschiedenen
Tages- und Nachtzeiten, an Werk-, Sonn- und
Feiertagen, auf den einzelnen Posten jeweils
benötigten Kräfte aus der Menge und Art der
zu bewältigenden Arbeit. Die Gesamtzahl der
zur Bewältigung dieser Arbeit nötigen Kräfte
hängt aber von dem Maß des zeitlichen Um-
fanges der Inanspruchnahme des einzelnen

Bediensteten ab. Um in diesem Punkt keine
Überanstrengung des Individuums eintreten
zu lassen, hat sich im Eisenbahnverkehr überall
das Bedürfnis geltend gemacht, Grenzen fest-
zusetzen, innerhalb deren das Personal zum
Dienst herangezogen werden darf. Die
sich hieraus ergebenden Grundsätze müssen
notwendigerweise neben den Normen für die
Dienstdauer auch solche über die Ruhezeiten
umfassen, denn der menschliche Körper ver-
langt nach ehernem Naturgesetz, nach jeder
Zeit der Kraftanstrengung eine Zeit der Ruhe,
um leistungsfähig zu bleiben. Dienstdauer und
Ruhezeit sind deshalb nicht zwei verschiedene
parallele Begriffe, sondern die beiden Er-
scheinungsformen des einheitlichen Begriffes
der zulässigen Inanspruchnahme des Personals.
Soweit der Zugverkehr, die Fahrplangestaltung,
keinen Einfluß auf die Bereithaltung des
Personals übt, bedarf es besonderer Be-
stimmungen über D. nicht. Dies ist z. B. der
Fall beim Bureaudienst und im Dienst von
sog. Nebenbetrieben, wie dem Werkstätten-
dienst, denn hier hängt die Beanspruchung
des Personals nicht von dem Lauf der Züge
ab; es kann deshalb ebenso wie in Fabriken
und Kontors ein täglich gleichmäßiger Dienst
angesetzt werden, der, wie im Geschäftsleben
überhaupt, durch die Festsetzung der Dienst-
stunden ohneweiters dem menschlichen Ruhe-
bedürfnis Rechnung trägt. Soweit für solche
Dienstzweige, wie z. B. den Werkstätten-
betrieb, auch Bestimmungen über D. bestehen,
sind sie ein Ausfluß des allgemeinen, nicht
nur die besonderen Verhältnisse des Eisen-
bahnverkehrs berührenden Arbeiterschutzes und
dementsprechend auch in dem Artikel „Arbeiter-
schutz" erörtert.
Die Regeln über die zulässige Inanspruch-
nahme des Eisenbahnbetriebspersonals setzen
der Natur der Sache nach Höchstzeiten für
den Dienst, Mindestzeiten für die Ruhe fest,
wirken sonach nicht unmittelbar auf die Fest-
setzung des Dienstes der Einzelperson ein,
sondern geben nur eine Richtschnur für die
Aufstellung der Diensteinteilungen. Diese, die
die Grenzen der zulässigen Inanspruchnahme
nicht überschreiten dürfen, sie aber keineswegs
zu erreichen brauchen, bringen erst die tat-
sächliche Inanspruchnahme des Personals zum
Ausdruck. Für die Beurteilung dieser letzteren
ist es offenbar ausschlaggebend, wie sich die
T ätigkeit des einzelnen im Verlaufe einer Folge
von Tagen gestaltet. Folgt auf einen ver-
längerten Dienst eine längere Ruhe, treten
längere Diensttouren seltener auf und wechseln
mit normalen und kürzeren Touren ab, so
muß sich als Gesamtbild das einer an-
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