Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 364
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Dienst- und Ruhezeit.

Einzelschicht darf beim Zugbegleitpersonal
18 Stunden nicht übersteigen, beim Loko-
motivpersonal soll die wirkliche Arbeitszeit im
allgemeinen nicht mehr als 12 Stunden um-
fassen. Ausnahmsweise kann sie bis auf
16 Stunden gesteigert werden — von denen
aber höchstens 14 Stunden auf den Fahrdienst
entfallen dürfen —, wenn einer solchen Schicht
eine mindestens gleich lange Ruhezeit folgt.
Im Durchschnitt darf in solchen Fällen die
Zahl der Ruhestunden in einer Woche nicht
geringer als 63 sein. Für Vorbereitung und
Abrüstung sind dem gesamten Zugpersonal j
2 Stunden als Dienst anzurechnen. Umschlags-
zeiten zwischen zwei Zügen von weniger als
3 Stunden gelten stets, von mehr als 3 Stunden
dann als Dienst, wenn die Bediensteten während
dieser Pause nicht völlig dienstfrei sind und
keine Gelegenheit haben in Aufenthaltsräumen
der Ruhe zu pflegen. Was die Länge der
Ruheschichten im einzelnen betrifft, so müssen
sie beim Zugbegleitpersonal in der Heimat
mindestens halb, außerhalb mindestens V3 so
lang sein wie die vorhergehende Dienstschicht.
Die Mindestruhezeit für Lokomotivbeamte be-
trägt 8 Stunden. Reservedienst wird, wenn
während dessen Lokomotiven zu bewachen
sind, zur Hälfte als Dienst gerechnet, zählt
aber bei Berechnung des Gesamtdienstes
während der 10tägigen Periode voll. Ist keine
Maschine zu bewachen, so rechnet der Re-
servedienst nicht als Dienst und bei Berech-
nung der periodischen Gesamtdienstzeit nur zur
Hälfte; das gleiche gilt auch für den Reserve-
dienst der Zugbegleitbeamten.
Der Dienst des Stationspersonals soll im
Durchschnitt 12 Stunden nicht überschreiten.
Die Mindestruhezeit ist auf 6 Stunden fest-
gesetzt. Im einzelnen kann der Dienst inner-
halb einer 4tägigen Periode beliebig verteilt
werden, sofern nur im ganzen 48 Stunden
Ruhe gewährt werden und die dem Dienst
folgende Ruhe mindestens halb so lang ist
wie der voraufgehende Dienst. Es ist danach
beispielsweise zulässig, innerhalb 4 Tagen
Dienstschichten von 24, 16 und 8 Stunden
mit im ganzen 48 Stunden Ruhe anzusetzen.
Nur die Weichensteller und Telegraphisten
dürfen nicht 24 Stunden hintereinander Dienst
tun. Auf Posten mit schwierigeren Dienstver-
hältnissen darf ihr Dienst 12 Stunden nicht
übersteigen. Wege vom und zum Dienst gelten
insoweit als Dienst, als sie mehr als y2 Stunde
Zeit erfordern. An Ruhetagen müssen im
Monat mindestens 2 von 24stündiger Dauer
gewährt werden.
Beim Streckenpersonal ist die Dienstdauer
nicht nach Zeit, sondern nach der zu über-

wachenden Streckenlänge begrenzt. Die täglich
abzugehende Strecke darf 17 km nicht über-
steigen. Schrankenwärter an ständig zu be-
dienenden Schranken dürfen nicht mehr als
12 Stunden täglich herangezogen werden,
handelt es sich um ständig verschlossene
Schranken, die nur auf Verlangen geöffnet
werden, so darf die Dienstschicht bis zu
24 Stunden ausgedehnt werden.
9. In der Schweiz hat die Gesetzgebung-
schön frühzeitig in die Regelung des Dienstes
bei den Transpoi tanstalten eingegriffen. Bereits
im Eisenbahngesetz vom 23. Dezember 1872
war bestimmt, daß wenigstens jeder dritte
Sonntag dienstfrei sein müsse. Nach einem
wenig erfolgreichen Versuch, auf dem Ver-
ordnungswege einen Maximalarbeitstag einzu-
führen, wurde sodann durch Gesetz vom
7. Juni 1890 eine Reihe von Bestimmungen
erlassen, deren wesentlichste die folgenden
waren: Tägliche Höchstdauer der Arbeitszeit
12 Stunden, in deren Mitte eine Pause von
mindestens 1 Stunde liegen muß. Die Ruhe-
zeit muß für das Fahrpersonal wenigstens 10,
für die übrigen Angestellten 9 Stunden, bei
Amtswohnung in der Nähe der Arbeitsstelle
8 Stunden betragen. Im Jahr sind 52 bezahlte
Ruhetage, von denen 17 auf einen Sonntag
fallen müssen, zu gewähren. Sonntagsruhe für
den Frachtgutdienst. Die Bewilligung von
Abweichungen sind dem Bundesrat Vorbehalten.
Im Jahre 1894 wurde beschlossen, die Aus-
führung des Gesetzes durch besondere Organe
des Eisenbahndepartements kondolieren zu
lassen. Nach Verstaatlichung der hauptsäch-
lichsten Eisenbahnen erfuhren diese Schutz-
bestimmungen eine Erweiterung und Aus-
dehnung durch das Bunde^gesetz betreffend
die Arbeitszeit beim Betrieb der Eisenbahnen
und anderer Verkehrsans'alten vom 19. Dezem-
ber 1902. Die effektive Arbeitszeit ist dadurch
für das gesamte Personal auf den Höchst-
betrag von 11 Stunden täglich festgesetzt,
deren weitere Kürzung in besonderen Fällen
dem Bundesrat in gleicher Weise Vorbehalten
ist, wie die Gewährung von Erleichterungen (für
Nebenbahnen ist beispielsweise zwölfstündige
Arbeitszeit zugelassen). Die effektive Arbeitszeit
umfaßt nicht die zwischenfallenden Pausen.
Einschließlich solcher Pausen darf die Dauer
einer Dienstschicht beim Zugpersonal 14 Stun-
den, beim übrigen Personal 15 Stunden be-
tragen. Hinsichtlich der Ruhezeiten ist die
frühere Norm von 10 Stunden für das Fahr-
personal, von 9, bzw. 8 Stunden für das
übrige Personal beibehalten. Eine Verschiebung
der einzelnen Dienst- und Ruheschichten bis
zu 16 Stunden Dienst hinauf und bis zu
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