Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 366
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Dienst- und Ruhezeit.
Arbeitszeit für die im Betriebsdienst verwen-
deten Bediensteten, einer lOstündigen Arbeits-
zeit für die übrigen Bediensteten und einer
mindestens 9stündigen Ruhezeit zwischen zwei
Dienstschichten erhoben. Diesen Forderungen
haben die Einigungsausschüsse in ihren
Schiedssprüchen nur zum geringen Teile
Rechnung getragen und die Dienststunden
(ausschließlich der Essenszeiten) je nach den
Verhältnissen mit 48, 60 und 72 Stunden in
der Woche festgesetzt.
In den übrigen europäischen Ländern ist in
die Dienstregelung bei den Eisenbahnen weder
durch Gesetz noch im Verwaltungswege ein-
gegriffen.
11. In Amerika hat die Bundesgesetz-
gebung der vereinigten Staaten nur bezüglich
desjenigen Personals eingegriffen, das an der
Zugbeförderung unmittelbar oder mittelbar
beteiligt ist. Durch Gesetz vom 4. März 1907
ist die Höchstdauer eines zusammenhängenden
Dienstes auf 16, die Mindestruhe auf 10 Stunden
festgesetzt. Umfaßt ein unterbrochener Dienst
während eines Tages 16 Stunden, so muß
darauf eine mindestens Sstündige Ruhe folgen.
Für den Telegraphendienst besteht eine weitere
Beschränkung. Dieser darf bei ununter-
brochenem Tag- und Nachtdienst nicht 9, wo
nur Tagesdienst stattfindet, nicht 13 Stunden
übersteigen. Eine Ausnahme ist bei besonders
schwierigen Verhältnissen gestattet. Hier darf
der Dienst an 3 Tagen der Woche um
höchstens 4 Stunden verlängert werden. Für
jeden Verstoß gegen diese Normen können
Strafen bis zu 500 Doll, verhängt werden. Die
Strafverfolgung wird durch den Staatsanwalt
bei dem zuständigen Distriktsgericht des be-
treffenden Bundesstaats betrieben. Mit der
Durchführung des Gesetzes, das erst ein Jahr
nach seiner Veröffentlichung in Kraft getreten
ist, wurde die Interstate commerce Commission
betraut. Neben diesem Bundesgesetz bestehen
in einer Reihe nordamerikanischer Staaten
Gesetze und Verordnungen über diese Materie,
die teils allgemeiner Natur sind, also nicht
nur den Eisenbahndienst betreffen, teils Be-
stimmungen enthalten, die durch das Bundes-
gesetz nicht überholt und erledigt sind.
Literatur: Bulletin de la commission inter-
nationale du congres des chemins de fer. 1904,
S. 591 ff. — Rev. gen. d. chem. 1907, Bd. 2, S. 171.
L. Me uni er, Conditions et reglementation du
travail. Paris et Liege 1911. — Festsetzung der Löhne
und Arbeitszeiten der englischen Eisenbahner durch
Einigungsausschüsse und Schiedsrichter. Arch. f. Ebw.
1911, S. 677f. - Ztg. d. VDEV. 1912, S. 215.
Leese.
Dienstvergehen, Handlungen oder Unter-
lassungen, die eine Verletzung der den Be-

— Dienstwohngebäude.
diensteten :j obliegenden Pflichten enthalten.
In den Disziplinarvorschriften der meisten Ver-
waltungen sind die D., deren ein Bediensteter
sich schuldig machen kann, nicht einzeln und
namentlich aufgeführt, da es häufig auf die
Umstände des jeweils vorliegenden Falles an-
kommen wird, ob die zu beurteilende Handlung
oder Unterlassung als D. anzusehen ist oder
nicht. Zumeist ist in den Strafbestimmungen nur
ganz allgemein zum Ausdruck gebracht, daß
eines D. sich schuldig macht, wer sich des An-
sehens und des Vertrauens unwürdigerweist, die
sein Beruf als Beamter erfordert. Als häufigste
D. sind beispielsweise zu nennen: Trunkenheit
in und außerdem Dienste, leichtfertiges Schulden-
machen, ungebührliches Benehmen gegen das
Publikum, Achtungsverletzung und Widersetz-
lichkeit gegen Vorgesetzte, Annahme von Ge-
schenken im Dienste, unsittlicher Lebenswandel,
Verletzung der Amtsverschwiegenheit, uner-
laubtes Fernhalten vom Dienst u. s. w. Siehe
Dienstentlassung, Disziplinarvorschriften und
passive Resistenz. Als D. im Dienste schwerer
Art kennzeichnet sich ferner die Teilnahme am
Ausstand oder der sog. »passiven Resistenz“
zum Zwecke der Durchsetzung von Standes-
forderungen. Seydel.
Dienstvertrag (service agreement; contrat
de service; contratto di servizio) der Eisen-
bahnen mit ihren Bediensteten.
Bei einer Privateisenbahnverwaltung stehen
alle zur Arbeitstätigkeit für die Gesellschaft an-
genommenen Personen lediglich in einem privat-
rechtlichen Dienstverhältnis. Dies gilt auch von
den höheren Angestellten, die mit Funktionen be-
traut sind, um derentwillen sie häufig als Beamte
bezeichnet werden. Ihre Stellung, die eines
Privatbeamten, beruht auf dem D., der, weil er
mit der Privatunternehmung abgeschlossen ist,
auch nur privatrechtliche Bedeutung hat. Über
das Rechtsverhältnis der Bediensteten der
Staatsbahnen s. Beamte. Hoff.
Dienstwagen s. Gepäckwagen.
Dien st wob ngebäude (officials* dxvelling
house; hätiment d'habitation pour le service;
fabbricato cilloggi), von der Bahnverwaltung
erbaute Wohngebäude, die Bediensteten zu
Wohnzwecken überlassen werden. D. werden
meist nur für Beamte errichtet; für Arbeiter
kommen in der Regel Mietwohnungen in
Frage.
Als Bauplatz wählt man trocken gelegene
Grundstücke in möglichster Nähe der Be-
schäftigungsstelle, mit tragfähigem Baugrund
in nicht zu großer Tiefe, die es ermöglichen
die Wohnungen so zu bauen, daß die Räume
gut durchlüftet werden können und reichlich
Sonnenlicht erhalten. Zu diesem Zweck wer-
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