Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 367
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den die Fenster am besten an die Ost- und
Westseite gelegt. Der Bauplatz soll nicht
zu weit von Ortschaften entfernt sein, um die
Beschaffung von Lebensmitteln und den Be-
such von Kirche und Schule nicht zu er-
schweren, auch nicht zu nahe an großen Ver-
schiebebahnhöfen liegen, wo die Wohnungen
zu sehr unter dem auch nachts nicht auf-
hörenden Lärm des Betriebs zu leiden haben
würden.
Die Bauplatzgröße hängt von der Zahl der
in einem Hause vereinigten Wohnungen ab,
für die außer dem gemeinsamen Hofe auch
möglichst je ein Garten vorzusehen ist.
Man wird, wenn z. B. 4 Wohnungen in
einem Hause vereinigt werden, mit 3 Ar für
jede Wohnung im allgemeinen ausreichen
können. In einem Nebengebäude sieht man Ställe,
wohl auch Aborte und eine Waschküche vor.
Bei der Anordnung der Wohnungen ist ein
eigener Zugang für jede anzustreben, jeden-
falls aber die Benützung eines gemeinsamen
Zugangs und Treppenhauses nur für Beamte
gleicher Stellung vorzusehen. Als Mindestbreite
des Treppenhauses kann 2'30 m gelten, um
auch größere Möbelstücke unschwer auf ihnen
hinauf- und hinabschaffen zu können.
Jede Wohnung ist gegen eine gemeinsame
Treppe abzuschließen und mit einem eigenen
Flur oder Vorplatz zu versehen, von dem aus
mehrere Räume der Wohnung unmittelbar zu-
gängig sind. Außer den Wohnstuben und den
Küchen, die in Unterbeamtenwohnungen viel-
fach als Wohnküchen dienen, gehören zu
jeder Wohnung Keller- und Bodenräume, eine
oder mehrere Dachkammern, ein Abort, ein
Spülraum und ein Speiseschrank oder eine
Speisekammer, während Waschküche und
Trockenboden meist gemeinsam benutzt wer-
den. Die Anordnung von Baikonen und ge-
schützten Hauslauben ist erwünscht als Sitz-
platz, zur Erledigung hauswirtschaftlicher und
Küchenarbeiten sowie zum Lüften, Sonnen
und Ausklopfen von Betten und Decken.
Die Wohnräume werden sämtlich heizbar
eingerichtet und sollten 4*10 m Mindesttiefe
erhalten, um zwei Betten hintereinander auf-
stellen zu können. Ihre Zahl ist so zu be-
messen, daß Eltern und größere, dem Kindes-
alter entwachsene Knaben und Mädchen ge-
trennte Schlafräume erhalten, und daß die viel-
fach nachts beschäftigten Beamten in ihrer
Tagesruhe nicht zu sehr gestört werden.
Als Mindestgrundfläche der eigentlichen
Wohnräume ohne Flure und sonstiges Zu-
behör werden bei den preuß.-hess. Staats-
bahnen für Unterbeamte 45 m2, für mittlere
Beamte 68 m2 gerechnet.

Die Anlage von Baderäumen ist, wenn
Wasserleitung vorhanden ist, erwünscht und
meist durch ihre Vereinigung mit den Abort-
räumen bei deren entsprechender Vergröße-
rung leicht zu erreichen. Cornelius.
Dienstwohnungen (officials dwellings;
logements de Service; al/oggi), Wohnungen,
die aus dienstlichen Rücksichten bestimmten
Bediensteten zur Benutzung überwiesen wer-
den. Die Bediensteten sind verpflichtet, die
ihnen zugewiesenen D. zu beziehen. D.
pflegen insbesondere den Bahnhofsvorstehern,
Bahnhofsverwaltern, Bahnhofsaufsehern, Bahn-
meistern, Betriebswerkmeistern, Weichenstellern
und Bahnwärtern, Portieren u. s. w. über-
wiesen zu werden. Die Zuweisung geschieht ent-
weder unentgeltlich oder gegen Einbehaltung
des dem Beamten zustehenden Wohnungsgeld-
zuschusses, gegebenenfalls eines dem Wert der
Wohnung entsprechenden Teils davon oder
gegen Erhebung eines entsprechenden Miet-
zinses. Auch höhere Beamte, insbesondere Vor-
stände von Eisenbahnbetriebsdirektionen, Eisen-
bahndirektionen, Betriebsämtern, Betriebsinspek-
tionen erhalten nicht selten D. zugewiesen.
Den Inhabern von D. wird häufig auch das
Benutzungsrecht von Gärten u.s.w. zugestanden.
Die Kosten der I leizung und Beleuchtung
fallen in der Regel den Wohnungsinhabern
zur Last. D. befinden sich teils in besonderen
Dienstwohngebäuden, teils in Gebäuden, die
auch anderen dienstlichen Zwecken gewidmet
sind (Verwaltungsgebäude, Empfangsgebäude
u. s. w.).
Die näheren Bestimmungen über die Be-
nutzung, Unterhaltung und Räumung der D. sind
meist in besonderen Dienstvorschriften enthalten.
Bei den preußischen Staatseisenbahnen ist das
Regulativ über die D. der Staatsbeamten vom 26. Juli
1880 in Geltung. Es findet nur auf die im Staats-
beamtenverhältnisse, nicht auch auf die im Dienst-
vertrags- (sog. Lohn-) Verhältnisse stehenden Be-
diensteten Anwendung. Die Überlassung von D. er-
folgt nach Maßgabe des Etats. Sofern die D. nicht
im Etat ah freie bezeichnet und dem Beamten als
solche bewilligt ist, hat dieser für ihre Benutzung
eine Vergütung an die Staatskasse zu zahlen. Diese
Vergütung wird bezüglich etatsmäßiger Beamten auf
die für sie in Betracht kommenden Sätze des Wohnungs-
geldzuschusses festgesetzt und durch deren Einbe-
haltung beglichen. Außeretatsmäßige Beamte, die
ein monatsweise zahlbares Diensteinkommen beziehen,
haben je nach der Klasse, in die der betreffende Ort ein-
gereiht ist, 10, 7V2, 6, 5 oder 4% ihres Diensteinkom-
mens als Vergütung für die D. zu bezahlen Über jede
D. muß ein vollständiges und übersichtliches Inventar
geführt werden, das jederzeit auf dem Laufenden zu hal-
ten ist. Den Inhabern von D. liegen — außer der Fürsorge
für die Reinigung und Lüftung — bestimmte Leistun-
gen ob, auch bezüglich der zur D. gehörigen Gärten,
soweit nicht besondere Festsetzungen getroffen sind.
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