Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 373
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Direkte, durchgehende Fahrkarten.

Direkter Verkehr.

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Bei Anschlußversäumnis oder Ausfall eines
Zuges hat der Reisende den Anspruch, mit
dem nächsten geeigneten Zug, wenn hierdurch
die Ankunft auf der Bestimmungsstation be-
schleunigt wird, nach der Bestimmungsstation
ohne Preiszuschlag zu fahren. Er kann unter
der gleichen Voraussetzung auch andere Linien
der Bahnen benutzen, für die seine Karte gilt.
Die Abrechnung zwischen den beteiligten
Verwaltungen erfolgt entweder durch ein be-
stehendes Abrechnungsbureau oder unmittelbar
durch die Anfangsbahnen. Für diejenigen
Verkehrsbeziehungen, für die die Wahl des
Weges dem Reisenden zugestanden ist, erfolgt,
insoweit nicht eine schlüsselmäßige Teilung
vereinbart ist, die Zuscheidung auf Grund
der über den einen oder den anderen Weg
abgelieferten Fahrausweise. Die Anteile für
nicht eingelieferte Fahrausweise werden, wenn
sich der benützte Weg nicht feststellen läßt,
in der Regel nach Verhältnis der benutzten
Fahrausweise im betreffenden Monat ver-
rechnet. v. Fra nid-Hoch wart.
Direkte Güterbeförderungskurse für
Eilgüter, Viehsendungen, dringliche Wagen-
ladungen u. s. w. werden auf Grund einer fest-
gelegten Fahrordnung nach Maßgabe des Be-
dürfnisses für bestimmte Relationen einge-
richtet. D. bestehen u. a. für gewisse Baumwoll- i
Sendungen von einigen deutschen Häfen nach
Ungarn, für Geflügelsendungen, Fleisch und
Früchte von Ungarn und Österreich nach Süd-
deutschland und dem Rhein, für Wildpret von
Ungarn und Österreich nach Ostende, für Reb-
hühnervon Ungarn nach Kladenkirchen und Eng- I
land (Ostende), für Austern von Ostende nach
Wien und Budapest, für Hefesendungen von Mün-
chen nach Philippopel, für Bier in Wagenladun-
gen von München nach Belgrad und weiter, für
Fischsendungen aus Deutschland nach Graz,
für Straußenfedern von London nach Wien,
für Pferdetransporte von Wien nach Paris, für
Wildbret von Wien nach London, für Bücher
von Stuttgart nach Wien, für Sammelladungen
von Schaffhausen nach Sczakowa, für Erd-
beeren, Tafeltrauben, Frühgemüse aus Süd-
frankreich nach Wien, für Geflügel, Fleisch
und Früchte von Paris nach Wien, für Blumen
aus Italien nach Deutschland, für Holzspan-
geflechte von Ala nach Dresden, für Fisch-
sendungen von München (Gestemünde und
Hamburg) nach Tirol und Italien, für Aalfische
von Ferrara nach Flensburg, für Geflügel, Fleisch
und Früchte von Italien nach Antwerpen und
nach Norddeutschland, sowie für Wachtelsen-
dungen aus Italien nach Antwerpen undOstende.
Für die Einhaltung der Beförderungskurse
übernehmen aber die Eisenbahnen keineGewähr-

leistung, sie haften nur für die Einhaltung der
reglementarischen Lieferfrist. v. Rinaldini.
Direkte Tarife (tarifs directs), die für den
Verkehr zwischen Stationen zweier oder mehrerer
Bahnverwaltungen vereinbarten Gesamtbeförde-
rungspreise nebst den für ihre Anwendung gel-
tenden reglementarischen Bestimmungen.
Bei den D. unterscheidet man Nachbar-
oder Wechseltarife, wenn sie für unmittel-
bar angrenzende Bahnen aufgestellt sind, Ver-
bau dtarife, die von einem Eisenbahnverband
vereinbart sind, internationale Tarife, bei
denen ausländische Eisenbahnverwaltungen be-
teiligt sind. Durchgangs- oder Transit-
tarife werden D. genannt, die hauptsächlich
aus Wettbewerbsgründen mit ermäßigten Preisen
zu dem Zwecke festgesetzt werden, um Per-
sonen oder Güter über bestimmte Strecken
mehrerer aneinander anschließenden Bahnen
zu leiten und Frachtsätze für die Zwischen-
stationen dieser Strecken nicht enthalten. Außer-
dem sind die kombinierten Bahn- und Schiffs-
tarife zu erwähnen, die gemeinschaftliche Be-
förderungspreise für Bahn- und Schiffsstrecken
im Verkehr zwischen Bahn- und Schiffs-
stationen, (oder Seehafenplätzen) enthalten
(s. Güter- und Personentarife). v. Har das.
Direkter Verkehr (through-service, di-
rect Service; Service direct, trafic direct; traffico
diretto), die ineinandergreifende Betriebstätig-
keit zweier oder mehrerer im Schienenanschluß
stehender Bahnen zur Beförderung von Per-
sonen, Gepäck und Gütern mit von der Ab-
gangsstation für den ganzen Durchlauf aus-
gestellten Fahrkarten, Gepäckscheinen oder
Frachtbriefen.
Der D. wird als Nachbar- oder Wechsel-
verkehr bezeichnet, falls er sich zwischen
unmittelbar angrenzenden Bahnen abwickelt,
als Durchgangs- oder Transitverkehr vom
Standpunkt einer Bahn, über deren Linien er
von oder nach einer anderen Bahn hinüber-
geleitet wird. Abweichend von diesem Sprach-
gebrauch wird zuweilen (so z. B. in den sta-
tistischen Ausweisen der deutschen Bahnen)
unter D. der Durchgangsverkehr nicht mit-
verstanden, und vom Standpunkt einer jeden
Bahn als D. nur der Verkehr bezeichnet, bei
dem diese Bahn als Aufnahms- oder Abgabs-
bahn beteiligt ist.
Das Bedürfnis nach Einführung des D. er-
gab sich von selbst mit der zunehmenden
Entwicklung des Eisenbahnwesens; anfangs
beschränkten sich die einzelnen Bahnen natur-
gemäß darauf, Tarife für die Beförderung auf
den eigenen Linien aufzustellen, und wenn
Güter über diese hinausgingen, so war es
Sache der Versender oder der Spediteure, für
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