Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 379
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Dispositionsgüter.
Stimmungsstation lagern. Über das Verfahren
mit diesen Gütern s. Güterbeförderung.
v. Rinaldini
Dispositionsstationen {sorting stations;
gares de formation; stazioni di formazione
dei treni), Stationen, die die Bildung und
Belastung der Güterzüge unter Berücksich- |
tigung der auf den Unterwegsstationen bis zur
nächsten D. zu- und abgehenden Wagen
regeln. Genügen die gewöhnlichen Züge nicht
zur Abbeförderung sämtlicher Wagen, so sind
die D. berechtigt, im Fahrplan vorgesehene
Bedarfszüge (s.d.) abzulassen. Es werden deshalb
auf den D., die für die Ablassung von Zügen
nötigen Betriebsmittel und Beamten bereitge-
halten (s. Bereitschaftsdienst). In Rücksicht
hierauf werden die D. im deutschen Bahngebiet
Zugbildungsstationen (s.d.) genannt. Die
D. erhalten von den Stationen der ihnen zu-
geteilten Strecke, der Dispositionsstrecke,
regelmäßige telegraphische Meldungen über
die Anzahl der zur Abbeförderung bereit-
stehenden beladenen oder leeren Wagen. Auf
Grund dieser Meldungen - in Österreich
Bruttomeldungen genannt bestimmen sie
die Belastung der Güterzüge bei Abfahrt
von der D. unter Berücksichtigung des Zu-
und Abgangs auf den Unterwegsstationen und
ordnen, wenn die Zahl der Züge nicht ausreicht,
die Ablassung von Bedarfszügen an. — Den D.
obliegt häufig auch die Wagenversorgung für
die Stationen eines bestimmten Streckenab-
schnittes. Sie haben dann als Untervertei-
lungsstellen den Bedarf und Bestand der
Stationen dieses Streckenabschnittes selbständig
auszugleichen. Breusing.
Distanzsignal (distant signal; signal ä
distance), ein Signal, das dem Zuge anzeigt,
ob er in die Station (Ausweiche) einfahren,
und bei Bahnabzweigungen oder Bahn-
kreuzungen, ob er die zu deckende Stelle be-
fahren darf oder nicht.
Nach den österreichischen Signal-
vorschriften ist das D. ein Scheiben- oder
Flügelsignal und steht in der Regel 500 m
vor der äußersten Weiche der Station (Aus-
weiche) oder vor jenem Punkt der Station (Aus-
weiche), der Bahnabzweigung oder Bahn-
kreuzung, der gedeckt werden soll. In Strecken
mit größeren Steigungen kann diese Entfernung ;
bis auf 300 m vermindert werden. Von den Ein-
fahrsignalen (s.d.), die in geringerer Entfernung
vom Gefahrpunkt aufgestellt werden, unter-
scheiden sich die D. dadurch, daß mehr als
ein Flügel bei ihnen nicht vorkommt, daß sie
nicht mit einem Vorsignal verbunden sind
und bei „Frei" dem Zuge entgegen, bei
Dunkelheit nicht weißes, sondern grünes Licht

- Distanzsignal. 379
zeigen. Im übrigen stimmen bei den als
D. benutzten Flügelsignalen die Signalzeichen
und Signalbegriffe mit denen der Einfahrsignale
überein. Der schräg aufwärts gerichtete Flügel
bedeutet „Frei", der wagerechte Flügel „Flalt".
Bei Dunkelheit wird „Halt" durch rotes Licht
angezeigt. Bei Scheibensignalen wird „Frei"
bei Tage durch die dem Gleise mit der Fläche
zugewendete oder wagerecht gestellte Scheibe,
bei Dunkelheit durch grünes Licht dargestellt.
Bei „Halt" wird dem Zuge bei Tage die rote
Fläche der Scheibe, bei Dunkelheit rotes Licht
entgegen gezeigt. Die Grundstellung (normale
Steilung) der D. ist „Halt". Die D. müssen
mit hörbaren oder sichtbaren, nötigenfalls mit
beiderlei Kontrolleinrichtungen versehen sein.
Die auf den österreichischen Eisenbahnen
noch vorhandenen D. sollen nach und nach
durch mit Vorsignalen verbundene Einfahr-
signale ersetzt werden.
Auf den deutschen Eisenbahnen finden
sich solche D. nicht mehr.
Das sog. distant signal der englischen
Eisenbahnen ist ein Vorsignal, das in einer
gewissen Entfernung vor dem Haupt-(Innen-)
signal (home signal) aufgestellt wird und wie
das deutsche Vorsignal bei Haltstellung des
Hauptsignals Warnung anzeigt.
Das französische signal ä distance oder
disque ä distance ist eine runde rote Scheibe
mit weißem Rand. Sie steht entweder mit ihrer
Fläche dem Gleise parallel und zeigt dann bei
Dunkelheit weißes Licht, oder sie wendet ihre
Fläche dem Zuge entgegen und zeigt dann
bei Dunkelheit rotes Licht. In der letzteren
Stellung (disque ferme) gebietet sie indes nicht
unbedingtes Halt, sondern sie kündigt dem
Lokomotivführer nur die Möglichkeit an, daß
ein Fahrthindernis besteht. Der Lokomotiv-
führer, der ein disque ferme bemerkt, muß
nach den Vorschriften des Code des signaux,
Art. 12, die Geschwindigkeit seines Zuges so
weit ermäßigen, daß er sofort halten kann,
wenn sich ein Fahrthindernis oder ein Halt-
signal zeigt.
Die D. der belgischen Eisenbahnen
(signaux ä distance) kommen im allgemeinen
in Verbindung mit einem anderen festen
Signal einer Haltscheibe (disque d’arret)
oder einem Flügelsignal (semaphore) vor. Sie
sind dann Vorsignale zu diesen Signalen, von
denen sie 800 — 1200 //z entfernt aufgestellt
werden. Wo sie allein verwendet werden,
stehen sie im allgemeinen 800 m vom Gefahr
punkt entfernt; auf Nebenbahnen kann dieser
Abstand auf 300 m verringert werden.
Das belgische D. besteht aus einer dreh-
baren rechteckigen Scheibe und einer Laterne.
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