Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 380
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Distanzsignal. Disziplinarvorschriften.

Die Scheibe ist auf der Vorderseite rot mit
weißem Rand, auf der Rückseite weiß. Ist die
Scheibe mit ihrer Fläche dem Zuge zugewendet,
so gebietet sie „Malt"; bei Dunkelheit zeigt
hierbei die Laterne rotes Licht nach vorn und
weißes Licht nach rückwärts. Bei wagerechter
oder dem Gleise zugewendeter Stellung der
Scheibe ist die Vorbeifahrt gestattet. Die La-
terne zeigt hierbei nach vorne weißes Licht,
nach -rückwärts im allgemeinen grüngelbes
Licht. Demnächst wird nach vorne grünes
Licht statt des weißen eingeführt werden. Die
Grundstellung der D., die als Vorsignale zu
einem anderen festen Signal gehören, stimmt
mit der dieser Signale überein. Ein selbstän-
diges D. zeigt in der Grundstellung freie
Fahrt. Es wird in die Haltstellung gebracht,
sobald ein Fahrthindernis hinter ihm entsteht
und wird erst wieder geöffnet, wenn das
Hindernis beseitigt ist. Die von der Bedienungs-
stelle nicht sichtbaren D. werden mit Kontroll-
läutwerken ausgerüstet. Hoogeti.
Distanztarif (tarif ä la distance), in Frank-
reich vorkommende Bezeichnung für einen
Tarif, bei dem die Einheitssätze nach Ent-
fernt! gen abgestuft sind (vgl. Picard, Trabe
des chemins de fer, Bd. IV, S. 5. Paris 1885).
DistanzzuscSiläge werden Zuschläge zu
den tatsächlichen Entfernungen der Eisenbahn-
linien genannt, die bei d.r Tarifberechnung
deshalb stattfinden, um den betreffenden Eisen-
bahnen eine Berücksichtigung besonders
schwieriger und kostspieliger Betriebsstrecken
ohne Änderung der allgemeinen Einheitssätze
zu ermöglichen (s. Virtuelle Länge). In Öster-
reich-Ungarn ist es infolge verschiedener Kon-
zessionsbestimmungen und im Sinn des Art. III
des Gesetzes vom 15. Juli 1877, betreffend
die Höchsttarife für die Personenbeförderung
auf den Eisenbahnen, Regel, daß entweder im
Personenverkehr oder nur im Güterverkehr
oder aber in beiden auf Bahnen mit Steigungs-
verhältnissen von I 5 °/00 und darüber die andert-
halbfache Länge der fraglichen starken Steigungen
und Gefälle der Berechnung der Beförderungs-
gebühren zu gründe gelegt werden darf. D. be- i
rechnen in Österreich beispielsweise die Staats-
bahnen für den Verkehr über den Arlberg
und auf den Gebirgsstrecken in Galizien, die
Südbahn für den Verkehr über den Semmering
(zwei Meilen Zuschlag) u. s. w.; ähnliche D.
kommen in Italien für den Übergang über die
Apenninen, für die schwierige Gebirgsstrecke
Pisa-Genua u. s. w. vor. In Deutschland waren
D. insbesondere für größere Brücken und
Verbindungsbahnen üblich, sind aber neuer-
dings bei den preußischen Staatsbahnen auf-
gehoben.

D. werden im direkten Verkehr kurzer Bahn-
strecken, auf die bei kilometrischer Ver-
teilung der auf nicht normaler Grundlage fest-
gesetzten Beförderungspreise zu geringfügige
Anteile entfallen würden, zur Erhöhung der
letzteren zugestanden. v, Bardas.
Disziplinarvorschriften (mesures discipli-
naires; disposizioni disciplinari) sind die Vor-
schriften, die die aus dem Amts- oder Dienst-
verhältnis entspringende Strafgewalt des Staates
oder anderer Körperschaften und Gesellschaften
gegenüber ihren Untergebenen regeln. Die
Disziplinarstrafgewalt verfolgt den Zweck, die
Angehörigen einer Gemeinschaft, die die ihnen
obliegenden Pflichten verletzen, durch Ver-
hängung von Strafen zur Ordnung zurückzu-
führen oder, wenn sie sich der Gemeinschaft
unwürdig gemacht haben, aus dieser auszu-
| schließen.
Die Eisenbahnbediensteten sind infolge
ihrer Stellung einer durch die Rücksicht auf
Ordnung, Sicherheit und Regelmäßigkeit des
Betriebes gebotenen strengen Disziplin unter-
worfen und der Bestrafung ausgesetzt, wenn
sie ihre Dienstpflichten verletzen oder sich ein
Dienstvergehen zu schulden kommen lassen.
Die Bediensteten der Staatsbahnen, die Staats-
beamte sind, sind vermöge des öffentlich-
rechtlichen Charakters ihrer Stellung dem
Disziplinarrecht des betreffenden Staates unter-
worfen, die D. beruhen daher auf gesetzlicher
Ordnung. Dagegen unterstehen die Bedien-
steten der Staatsbahnen, die sich nicht im
Staatsbeamtenverhältnis befinden, und die Be-
amten der Privateisenbahnen nur auf Grund
ihres Vertragsverhältnisses der Disziplinargewalt
der Bahnverwaltung. Die Staatsgewalt hat sich
indessen vielfach einen Einfluß dahin Vor-
behalten, daß es auch ihr zusteht, gegenüber
Privateisenbahnbediensteten die Disziplinar-
strafgewalt auszuüben.
Der öffentlichen Strafgewalt gebührt stets
der Vorrang vor der Disziplinarstrafgewalt.
Die Einleitung eines Disziplinarverfahrens ist
daher wegen Handlungen, ehe den Gegenstand
einer gerichtlichen Strafverfolgung bilden, un-
zulässig, das bereits eingeleitete Disziplinar-
verfahren muß sogar ruhen, wenn in seinem
Verlaufe • wegen derselben Tatsachen eine
gerichtliche Untersuchung eröffnet wird. Da-
gegen kann nach erfolgter gerichtlicher Frei-
sprechung oder Verurteilung noch immer das
Disziplinarverfahren fortgesetzt oder neu ein-
geleitet werden, wenn auch die Feststellungen
des Strafrichters maßgebend bleiben müssen.
Führt das gerichtliche Verfahren von selbst
schon zur Entfernung des Bediensteten aus
seinem Dienstverhältnis, dann erübrigt sich
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