Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 391
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Disziplinarvorschriften.

Donau-Adria-Bahn.

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lichkeit gegeben worden ist, eine außenstehende
Person als Verteidiger zu wählen.
Bei den schweizerischen Bundesbahnen
kann (Vollzugsverordnung zum Bundesgesetz, be-
treffend die Erwerbung und den Betrieb von Eisen-
bahnen für Rechnung des Bundes und die Orga-
nisation der Verwaltung der schweizerischen Bundes-
bahnen, vom 15. Oktober 1897) Dienstkündigung
und Entlassung nur nach vorausgegangener Unter-
suchung und Anhörung des Betreffenden durch
schriftlichen Beschluß erfolgen. Gegenüber der ver-
fügten Dienstkündigung oder Entlassung bleibt dem
Betroffenen die Anrufung des Richters Vorbehalten,
jedoch nur mit der Beschränkung, daß demselben
im Falle unberechtigter Dienstkündigung oder Ent-
lassung das Recht auf Entschädigung gewahrt wird
(Art. 65).
Im übrigen steht dem Betroffenen gegen eine
Diszipiinarbestrafung der Rekurs an die Stelle offen,
die derjenigen, die ihn bestraft hat, unmittelbar über-
geordnet ist. Der Rekurs muß binnen 10 Tagen ein-
gebracht werden und hat keine aufschiebende
Wirkung. Entscheidungen der Generaldirektion
können nicht angefochten werden (vgl. Reglement,
betreffend die allgemeinen Dienstvorschriften für
die Beamten und ständig Angestellten, vom 17. Ok-
tober 1901).
Vorbehalten bleibt die gerichtliche Verfolgung,
wenn die Pflichtverletzung in einem Verbrechen oder
Vergehen besteht. Seydel.
Donau-Adria-Bahn (vgl. Karte Taf. VII).
Unter diesem Namen werden verschiedene,
zumeist noch im Stande der Projektierung und
Vorverhandlung befindliche Bahnlinien zu-
sammengefaßt, die den Zweck verfolgen, den
südlich der Donau gelegenen Binnengebieten
der Balkanhalbinsel, insbesondere Serbien und
Bulgarien, aber auch den an diese grenzenden
Provinzen des Ottomanischen Reiches einen
möglichst direkten Schienenweg nach der
Ostküste des Adriatischen Meeres zu eröffnen.
Eine einzige dieser Bahnlinien — die öster-
reichisch-serbische durch Bosnien und die
Hercegovina ist in ihrem Hauptteile, der
in die neuen Grenzen der österreichisch-
ungarischen Monarchie fällt, bereits ausgebaut
und dem Betrieb übergeben. Die übrigen
Linien sind bis auf eine kurze Rumpfstrecke
in Montenegro nicht über das Projektstadium
hinausgekommen. Diesen allen gemeinsam ist
die geringe Aussicht auf baldige Verwirk-
lichung, der eine Reihe der ernstesten Schwierig-
keiten entgegensteht: hohe, der Küste entlang
streichende und daher die Einhaltung des
Richtungszuges hindernde, unwegsame, von
unruhigen und kriegerischen Volksstämmen
bewohnte Gebirge, mangelnde Sicherheit,
fehlende Hilfsquellen, kulturelle und wirt-
schaftliche Rückständigkeit des durchzogenen
Gebiets, Kostspieligkeit des Baues und Be-
triebs, Rivalität und widerstreitende Interessen
der beteiligten Staaten.
In der Verkehrsrichtung aus dem Innern
der Balkanhalbinsel zur Adria besteht - wie

bereits erwähnt — soweit die Binnengebiete
Bosniens und bis nun auch der südwestliche
Grenzsaum Serbiens in Betracht kommen, schon
eine von der österreichisch-ungarischen Mon-
archie geschaffene, in vollem Betrieb befindliche
Bahnverbindung: die mit der Schmalspur von
76 cm auf zumeist normalspurigem Unterbau
ausgeführte bosnische Ostbahn von der serbi-
schen Grenze bei Vardiste über Visegrad und
Ustipraca-Gorazda nach Sarajevo (140 km),
die in der gleichspurigen bosnisch-hercego-
vinischen Landesbahn Sarajevo-Mostar-Gabela-
Metkovic (188 km) und Gabela-Hum-Usko-
plje (96 km) sowie in der anschließenden
Schmalspurstrecke Uskoplje-Gravosa (24 km)
der Dalmatiner Staatsbahnen eine nach den
beiden genannten dalmatinischen Häfen aus-
mündende Fortsetzung zur Adria besitzt. Die
Bahnlänge von der serbischen Grenze bei Var-
diste bis Metkovic beträgt 328 km, bis Gravosa
444 km. Es bedarf nur der keinen Gelände-
schwierigkeiten begegnenden Ausfüllung der mit
etwa 40 km Bahnlänge anzunehmenden Lücke
des serbischen Bahnnetzes zwischen Vardiste
und Uzice, dem vorläufigen Endpunkte der im
Bau befindlichen 45 km langen Fortsetzung
der bis Cacak bereits im Betrieb stehenden,
mit der Spurweite von 76 cm angelegten Bahn-
linie Stalatz-Krusevatz-Kraljevo-Cacak (107£//z),
um den Anschluß an die normalspurige Haupt-
linie Belgrad-Nisch bei Stalatz zu erreichen.
Schon damit wäre eine direkte Bahnverbindung
des Zentrums von Serbien, der wald- und
viehreichen Sumadja, mit den adriatischen
Häfen Dalmatiens hergestellt. Eine weitere
Verbesserung würde durch die Ausführung
der geplanten Fortsetzung der bei Lapovo
von der Hauptlinie Belgrad-Nisch abzweigen-
den Flügelbahn nach Kragujevatz (29 km) bis
Kraljevo (50 km) zu erreichen sein. Die Bahn-
länge von Kraljevo würde sich nach Aus-
füllung der Bahnlücke, die derzeit noch
zwischen Vardiste und U2ice, bzw. Uacak, be-
steht, bis Metkovic auf rund 450 km, bis Gra-
vosa auf etwa 565 km beziffern. Die in Rede
stehende Bahnlinie ist als die österreichisch-
serbische D. (1 in der Karte) zu bezeichnen.
Von den weiteren im Laufe der letzten
Jahre in Vorschlag gebrachten und zum Gegen-
stände technischer Vorarbeiten gemachten
Bahnlinien sind vorerst zwei solche anzu-
führen, die teils wegen ihres technisch mangel-
haften Entwurfes, teils wegen der ihnen ent-
gegenstehenden politisch-militärischen Interessen
der Türkei, ohne deren Mitwirkung sie nicht
ausführbar waren, eigentlich aus dem Kreise
der in Erwägung zu ziehenden Pläne hätten
ausscheiden müssen. Es sind dies erstlich
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