Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 398
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Drahtzugleitungen. — Draisine.

zwischen Drahtseil und Draht werden mit ver-
zinktem weichen Bindedraht umwickelt und
dann verlötet.
Die Drahtzüge erreichen bei Weichenleitungen
eine Länge von 350- 400 m, bei Riegelleitungen
eine solche von etwa 500 m und bei Signal-
leitungen eine Länge bis zu 1500 m. Sie
werden oberirdisch oder unterirdisch auf
Führungsrollen gelagert, die in Abständen von
10—15 m an Pfosten oder Lagerböcken be-
festigt sind.
Zur richtigen Einstellung der in die Draht-
züge eingeschalteten Vorrichtungen dienen
Spannschrauben. Durch Spannwerke (s. d.) mit
Spanngewichten werden die durch Wärme-
wechsel und sonstige Umstände in der Leitung
auftretenden Spannungsänderungen ausge-
glichen. (Über die baulichen Einzelheiten s.
Stellwerke.) Hoogen.
Drahtseilbahnen s. Seilbahnen.
Drais, Karl von, geboren 1785 zu Sauer-
bronn, gestorben am 12. Dezember 1851, Forst-
meister in Mannheim, ist der Erfinder der
gegenwärtig bei fast allen Bahnen im Gebrauch
stehenden und nach ihm benannten Draisine

(s. d.). Diese wurde vom Engländer Knight
zwar verbessert, aber der Name des ursprüng-
lichen Erfinders beibehalten.
Draisine (trolley, fand car; draisienne;
dresina), ein leichtes, offenes Fahrzeug, das
mit Sitzplätzen und einer Vorrichtung zum
Vorwärtsbewegen versehen ist und das meist
den bei der Erhaltung, zum Teil auch
beim Bau der Bahn beschäftigten Ingenieuren
oder sonstigen im Dienst fahrenden Be-
amten als Verkehrsmittel für kurze Strecken
dient.
D. werden in sehr verschiedenartiger Weise
ausgeführt; Abb. 245a und 245 b zeigt eine für
die ehemalige rheinische Eisenbahn von Leon-
hardi ausgeführte D.
Diese besteht aus zwei gegeneinander ab-
gesteiften Hauptträgern tt aus T-Eisen, an
denen der vertiefte Fußboden für die Arbeiter
aufgehängt ist. Die großen Triebräder und
kleinen Laufräder laufen in Lagern, die des
sanfteren Ganges wegen mit eingelegten Gummi-
scheiben auf den Hauptträgern aufruhen und
in Achsgabeln geführt sind. Die Räder sind
mit einer Blechkappe derart verschalt, daß die
auf der D. befindlichen Personen
durch die sich drehenden Räder
nicht verletzt werden können.
Die Bewegung der D. wird
durch die in der Zeichnung
ersichtlichen Hebel h, die durch
die Handgriffe H hin und her
gezogen werden, und durch die
an den Triebzapfen der Trieb-
räder angreifenden Schubstangen
/ bewirkt.
Zwei Mann dienen zur Bewe-
gung der vollbesetzten D., die
auf dem Sitz m Platz nehmen,
während der gegenüber befind-
liche Sitz jt von den zur Ab-
lösung bestimmten Arbeitern
benutzt werden kann.
Hinter den Triebrädern be-
findet sich der samt der Lehne
gepolsterte Hauptsitz und vor
diesem in der ganzen Breite der
D. der Fußtritt k.
Der an der Rücklehne des
Hauptsitzes rückwärts ange-
brachte Kasten i dient zur Auf-
nahme von Zeichnungen, Instru-
menten u. dgl. und gleichzeitig
als Lehne für den mittleren Sitz.
Durch einfaches Aufheben eines
Hebels u an der linken Seite
des Hauptsitzes werden die


Abb. 245 a.
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