Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 402
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Drehbänke.

Drehbänke (lathes; tours; torni), Werk-
zeugmaschinen zur Ausführung der Dreh-
arbeiten an Werkstücken.
Die Dreharbeit, das „Drehen", wird in den
Werkstättenbetrieben der Eisenbahnen in allen
gebräuchlichen Arten angewendet, sonach als
zylindrisches Drehen, Konischdrehen, Aus-
drehen, Runddrehen, Plandrehen, Passigdrehen
und Oval drehen.
Die Vorrichtungen zur Ausführung dieser
Dreharbeiten unterscheiden sich im allgemeinen
nicht von den in industriellen Betrieben hierzu
verwendeten Werkzeugmaschinen. Von diesen
wären zu nennen:
Drehstühle, Supportdrehbänke, Egalisier-
drehbänke, Leitspindeldrehbänke (insbesondere
solche zum Schraubenschneiden), Bolzendreh-
bänke, Nortondrehbänke und die in den letzten
Jahren am Maschinenmarkte wegen ihrer viel-
seitigen Verwendungsfähigkeit neu eingeführten
Revolverdrehbänke, Universaldrehbänke zur
Herstellung einer geringen Anzahl verschieden-
artigster Drehstücke, sowie endlich die neue-
sten Automaticdrehbänke zur Massenerzeugung
von in ihrer Form ganz gleichen oder nur in
den einzelnen Abmessungen ein und derselben
Form voneinander abweichenden Drehartikeln
(Schrauben, Bolzen, Hülsen, Stiften u. s. w.).
Für den Eisenbahndienst im besonderen
kommen neben diesen D. jene Spezialdreh-
bänke in Betracht, die zur Anarbeitung der
nur den Fahrbetriebsmitteln eigentümlichen
Konstruktionsteile dienen, die also nicht für
anderweitige Verwendung bestimmt sind. Diese
weisen vielfach eine mehr oder minder ver-
änderte Form und Einrichtung auf, die sich dem
betreffenden Konstruktionsteil des Fahrzeuges
und dessen besonderer Bearbeitungsweise an-
paßt und die billigste Erzeugung oder Be-
arbeitung desselben als Massenartikel bei
vollster wirtschaftlicher Ansnutzung der Ma-
schine gestattet.
Vor Beschreibung solcher einzelner Bau-
arten sei jedoch auf die hohe Ausbildung
moderner D. überhaupt hingewiesen, deren
Bau durch die Einführung des Schnei 1-
drehstahles, durch die Verwendung hochwertigen
Materiales, durch Normalisierung oft vorkom-
mender Maschinenteile, rationelle Arbeitsteilung
und möglichsten Ersatz der Bolzenschmiede-
arbeit durch Dreharbeit ganz wesentlich be-
einflußt wird.
Es entspricht dem modernen Arbeitsprinzip
durchaus nicht, alle Dreharbeiten vom Schroppen
bis zum Fertigdrehen und Gewindeschneiden
auf einer einzigen Drehbank auszuführen, viel-
mehr sind diese Arbeiten auf mehrere Ma-

schinen, die dem betreffenden Sonderzwecke
entsprechend gebaut sind, zu verteilen.
Die Drehstücke werden daher auf der Schropp-
bank mittels Schnelldrehstählen abgeschroppt,
auf der Schnelldrehbank fertiggedreht und mit
Gewinden versehen, oder unmittelbar auf der
Rundschleifmaschine mit hoher Genauigkeit
fertiggeschliffen. Die Verwendung von Schnell-
drehstählen gestattet in vielen Fällen eine so
starke Spanabnahme, daß es sogar vorteilhafter
ist, die Drehstücke direkt von der Stange ab-
zuschroppen, als sie erst teuer vorzuschmieden.
Wesentliche Ersparnisse und eine hohe Stei-
gerung der gesamten Leistungsfähigkeit mo-
derner Werkstätten sind auch durch die Ein-
führung des elektrischen Einzelantriebes mög-
lich geworden. Die Ersparnisse sind wegen des
hohen Leerlaufverbrauches der Transmissionen
und der Vorgelege, sowie durch das Weg-
fallen der Riemen und der Wartung der Lager
sehr bedeutend. Weiters verbrauchen die Motoren
nur so viel Energie, als es der jeweiligen Be-
lastung der Maschine entspricht. Die größere
Leistungsfähigkeit liegt in der sofortigen Be-
triebsbereitschaft, in der leicht erzielbaren freien
Übersichtlichkeit des Raumes über den Ma-
schinen und in der Möglichkeit schneller
Bedienung mit einem Laufkran. Dabei bildet
der elektrische Einzelantrieb mit der Maschine
ein organisches Ganzes. Dieser Antrieb erfolgt
entweder durch einen normalen Motor mittels
Regulierung der Spindelgeschwindigkeit durch
Umlegen der Hebel des Stufenräderwerkes,
oder durch einen Reguliermotor. In letzterem
Falle wird der Regulierwiderstand des Motors
vom Supporte oder dem Standorte des Ar-
beiters aus betätigt. Bei großen D. genügt
die mechanische Fernsteuerung des Regulier-
widerstandes durch Wellen und Hebel vom
Standorte des Arbeiters aus nicht, und wird
diese in neuester Zeit mit Hilfe elektrischer
Energie durch Druckknopfsteuerungen
durchgeführt.
Die Reguliermotoren sind in hervorragendem
Maße zum Antriebe der D. geeignet, weil die Zahl
der Kontakte des Regulierwiderstandes einen großen
Spielraum hinsichtlich der Änderung der Spindel-
geschwindigkeiten gestattet, der durch die Anzahl der
Räderübersetzungen noch vergrößert wird.
Im folgenden sollen jene D. näher be-
sprochen werden, die als Sonderheit des
Eisenbahndienstes gelten können. Als solche
kommen in Betracht:
1. Achsendrehbänke und Achsenregulierbänke
(Stummelregulierbänke,Kurbelzapfenregulier-
vorrichtungen, Kurbelachsendrehbänke);
2. Tyresdrehbänke u. zw:
a) Plandrehbänke,
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