Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 420
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Drehbrücken. — Drehbrückensignale.

Für die Pfeiler verwendet man selten Holz
oder Eisen, meistens nur Stein, Mauerwerk
oder Beton; letzterer wird vielfach mit Ziegel-
oder Quadermauerwerk umkleidet. Die Dreh-
pfeiler haben, wenn die D. auf einen Rollen-
kranz gelagert ist meistens einen kreisförmigen
Querschnitt. Ruht die D. auf einem Königs-
zapfen, dann kommen oft auch unrunde
Pfeiler zur Anwendung. Die Drehpfeiler sind
in der Regel massiv, doch können auch
Hohlräume ausgespart werden u. a. für die
Bewegungsvorrichtungen (z. B. bei der oben-
genannten Eisenbahn-D. bei Crowle, bei der
Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Ober-
hafen in Hamburg, bei derStraßenbriicke überdie
Lothse in Harburg u.s.w.). Bei schlechtem Bau-
grund muß man besondere Sorgfalt auf eine
äußerst solide Gründung verwenden, weil Be-
wegungen der Widerlager oder Pfeiler große
Schwierigkeiten bereiten können. Für die oben-
genannte dreigleisige D. über die Gouwe bei
Gouda, wo der Boden bis ungefähr 11 m unter
Geländehöhe aus weichem Ton und Torf
besteht, hat man für den Drehpfeiler einen
kreisförmigen (13*50 m Durchmesser) und
für die Widerlager viereckige (13 X 11 *50//?
und 13*50 X 9*50 m) Brunnen aus Eisenbeton
bis P50 m in den festen Sand gesenkt. Die
Brunnen sind später mit Beton ausgefüllt
worden. Es werden meistens in der Richtung
des Wasserlaufes hölzerne Leitwerke und
Dückdalben angebracht, die den Pfeiler gegen
antreibendes Eis, die Brücke und die Pfeiler
gegen den Anprall von Schiffen schützen
sollen.
Anführung einiger bedeutenden D.
Eisen b ah nbrücken : Interstate Brücke in
Omaha (Nebr.) gleicharmig, zweigleisig, Länge
158*49 m, Lichtweite 2X6270w, Gewicht 1360/.
An den Trägeraußenseiten können noch Kragarme
für Trambahnen und Fußwege gebaut werden,
Gewicht dann 2000/. Bewegung durch zwei 40 PS
Dynamomaschinen.
Brücken bei Velzen und bei Zaandam (Holland),
gleicharmig, zweigleisig, Länge 128 m, Lichtweite
2X65 m, Gewicht 1450/. Bewegung durch zwei
30 PS Elektromotoren.
Harlemflußbrücke 134 Straße Newyork, gleich-
armig, viergleisig, Länge 118*56 //z, Lichtweite
2 X 30*48 ///, Bewegung durch zwei 50 PS Dampf-
maschinen.
Rock Islandbrücke, gleicharmig, oberes Geschoß
zweigleisig, unteres Geschoß Straßenverkehr. Außer-
halb der Hauptträger ausgekragte Fußwege. Länge
101*38///. Gewicht 1100/. Bewegung durch einen
50 PS Elektromotor.
Osterrönfelder Brücke. Nord- Ostseekanal. Un-
gleicharmig, eingleisig, Länge 9975///, Lichtweite
50///. Gewicht 510/, Bewegung durch Druckwasser.
Oberhafenkanalbrücke in Hamburg, gleicharmig,
oberes Geschoß viergleisig, unteres Geschoß
Straßenverkehr. Länge ±50///, Gewicht ± 1000 /.

Bewegung durch Benzinmotor, Preßluftmotor oder
Hand u. s. w.
Straßenbrücken. Penfeldbriicke in Brest. Zwei-
teilig. Länge 174*67 ///, Lichtweite 106*75 m. Breite
7 m, Gewicht 700 / Handbetrieb.
Traffordroad - Brücke, Manchester Schiffskanal.
Ungleicharmig, einteilig. Länge 62*48 m. Lichtweite
22*86///, Breite 14 02///, Gewicht 1800/, Handbetrieb.
D. über den großen Hafenkanal in Libau, zwei-
teilig. Länge 132*38 ///, Lichtweite 67*22///, Breite
9*60 ///. Gewicht 2 X 273 / u. s. w.
Schließlich muß noch die Bartonkanalbrücke,
Manchester Schiffkanal genannt werden, die einzige
der Schiffahrt dienende D. Gleicharmig. Länge
71*67///. Breite des Troges 5*80///. Gewicht 1600 /,
Bewegung durch Druckwasser.
Literatur: Handbuch der Ingenieurwissenschaften.
2. Band, 4. Abteilung. 3. vermehrte Auflage. Leipzig
1907, bearbeitet von Prof. W. Dietz; Bewegliche
Brücken von Prof. W. Dietz, Leipzig 1897 und die
reichhaltige in diesen beiden Werken angegebene Lite-
ratur. Bulletin d. Int. Eis. Kongr. Verb. 1910. Ab-
zweigungen und Drehbrücken; Vermeidung des
Langsamfahrens. Joosting.
Drehbrückensignale (opening bridge
Signal, swing bridge Signal, draw bridge signal;.
Signal depont toarnant; segnale di ponte girevole)
sind bei den im Zuge einer Eisenbahn liegenden
Drehbrücken erforderlich, um die Stellung der
Brücke den Führern der auf dem Wasserwege
und auf der Eisenbahn verkehrenden Fahrzeuge
anzuzeigen. Für den Eisenbahnbetrieb ist außer
der Kenntlichmachung der Stellung der Brücke
noch eine besondere Sicherung erforderlich.
Auf den deutschen Eisenbahnen sind Dreh-
brücken, wie bewegliche Brücken überhaupt,
nach § 21 (5) der BO. durch Hauptsignale
zu decken und mit ihnen derart in Abhängig-
keit zu bringen, daß das Signal erst auf Fahrt
gestellt werden kann, wenn die Brücke ver-
riegelt ist, und daß die Brücke nicht entriegelt
werden kann, solange das Signal auf Fahrt
steht. In vielen Fällen werden die Hauptsignale
benachbarter Betriebsstellen zur Deckung der
Drehbrücke benutzt. Wo dieses nicht angängig
ist, sind besondere Deckungssignale auf der
freien Strecke vor der Brücke erforderlich, die
nach den für Einfahrsignale geltenden Grund-
sätzen aufzustellen sind. Auf Hauptbahnen
müssen sie daher stets ein Vorsignal erhalten,
auf das man aber auch auf Nebenbahnen wohl
kaum jemals verzichten wird. Bei zweigleisigen
Bahnen wird die ausgeschwenkte Brücke viel-
fach auch gegen Fahrten auf dem falschen
Gleise gesichert. Hierzu können Haltscheiben
(Signal 6 b d. SO) in Verbindung mit Langsam-
fahrsignalen (Signal 5 d. SO) verwendet werden.
Diese Signale müssen in die Halt- und Warn-
stellung gebracht werden, bevor die Brücke
entriegelt werden kann und so lange bestehen
bleiben, bis die Brücke in der für die Zug-
fahrten richtigen Stellung verriegelt ist.
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