Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 439
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Drehscheibendienst.
sicht. Die Überwachung und Anordnung der ;
Lokomotivfahrten zwischen Schuppen und Dreh-
scheibe sowie zwischen Drehscheibe und dem
nächsten Weichenstellerbezirk, die sonst dem
Weichensteller obliegt, wird in diesem Falle
einem der die Drehscheibe bedienenden
Schuppenarbeiter oder Lokomotivputzer über-
tragen. Erst beim Verlassen der Drehscheibe
und des Schuppengebiets gelangen die Loko- j
motiven in den Befehlbereich der Station. Um
ihre Fahrten zu sichern, ist meistens angeordnet,
daß die Lokomotiven an einer bestimmt be-
zeichneten, in der Regel durch eine Tafel oder
ein Signal kenntlich gemachten Stelle zu halten
und die Erlaubnis zum Befahren der Bahn- !
hofsgleise abzuwarten haben. Breusing.
Drehschemel (bogie; tra verse mobile; tra versa
girevole), Wendeschemel, das auf der Plattform
der Drehschemelwagen (s. d.) angebrachte, dreh-
bare Sattelstück (Kippstock); in manchen Fällen
werden dieselben Benennungen auch auf Dreh- j
gestehe (s. d.) von Lokomotiven und Wagen
angewendet.
Drehschemel wagen (bogies orlorrie triicks;
wagonsä traverse mobile; vagonia traversemobili),
(Schemelwagen, Langholzwagen, Langholz-
transportwagen, Kippstockwagen), offene Güter-
wagen, die in der Mitte ihrer Plattform
mit einem um einen lotrechten Bolzen dreh-
baren Sattelstück, dem Drehschemel (auch
Wendeschemel oder Kippstock genannt), ver-
sehen sind.
Die D. dienen zur Beförderung von Gegen-
ständen, die wegen zu großer Länge nicht
auf einen Wagen verladen werden können.
Die Verladung solcher Gegenstände erfolgtauf
zwei D., wobei die Ladung nur auf den Dreh-
schemeln aufruhen darf, um die freie Bewegung
der einzelnen Wagen nicht zu behindern.
Die Verbindung (Kuppelung) dieses Wagen-
paars geschieht im Sinne der betreffenden Vor-
schriften der technischen Einheit im Eisenbahn-
wesen entweder durch die Schraubenkupplung,
durch eiserne oder mit kräftigem Eisenbeschlag
versehene Kuppelstangen (Steifkuppeln), einem
Zwischenwagen, der mit den beiden tragenden
Wagen durch die gewöhnlichen Kupplungen
oder durch Kuppelstangen zu verbinden ist,
oder, wenn die Ladung sich dazu eignet und
jeden Drehschemel mit wenigstens 7*5 t be-
lastet, durch die Ladung selbst. Im Bereiche
des VDEV. ist letztere Verbindung auch bei
geringerem Gewicht zulässig, wenn die Ladung
aut den Drehschemeln in sicherer Weise be-
festigt ist.
D., die stets paarweise, u. zw. mit Kuppel-
stangen verbunden, verwendet werden, erhalten

Drehschemelwagen. 439
nur an den äußeren Kopfschwellen elastische
Buffer.
Es empfiehlt sich, die Kuppelstangen in der
Mitte und bei größerer Länge an mehreren
Stellen mit Ketten an die Ladung zu hängen,
derart, daß für den Fall des Bruchs einer
Kuppelstange die herabfallenden Feile sich
nicht gegen den Bahnkörper oder gegen Ober-
baubestandteile stemmen können.
Zur seitlichen Versicherung der Ladung
dienen Kippstangen (Kippen, Rungen), die
mit ihren unteren Enden in passende Hülsen
der Sattelstücke eingeschoben oder mittels
Bolzen an den Drehschemeln befestigt sind;
die oberen Enden der Kippstangen werden
durch Spann ketten verbunden.
Da die Belastung der Untergestelle der D.
nur in der Wagenmitte erfolgt, so werden diese
Wagen gewöhnlich mit kleinen Radständen
(selten über 4 m) ausgeführt, um die Haupt-
träger der Untergestelle möglichst leicht zu
machen; bei größeren Radständen empfiehlt
sich die Verstärkung der Hauptträger durch
Sprengwerke.
Es ist vorteilhaft, die Untergestelle so aus-
zuführen, daß die Belastung durch Zwischen-
träger in tunlichster Entfernung von der Rad-
standsmitte auf die Hauptträger übertragen
wird. Man erreicht dies dadurch, daß die Dreh-
schemellager auf zwei Längsträger aufgelegt
werden, die auf an den Hauptträgern be-
festigten Querträgern ruhen. Es ist zweckmäßig,
daß die Drehschemel nur in der Mitte, auf
den Reibscheiben, aufliegen und die unten an
den Enden der Drehschemel angebrachten
Gleitplatten nur bei einseitigen Belastungen
(die bei Schwankungen der Fahrzeuge auf-
treten) durch die auf der Plattform befindlichen
Gleitbahnen unterstützt werden. An den Enden
der Drehschemel werden an Stelle der Gleit-
platten zuweilen Rollenlager angebracht.
Die Drehbolzen der Mittellager müssen
derart bemessen sein, daß sie den auftretenden
Stoßwirkungen genügenden Widerstand leisten;
sie sollen am Untergestell so befestigt sein,
daß ein Ausheben oder Kippen der Drehschemel
verhütet wird.
Zur Entlastung der Bolzen werden die Reib-
scheiben (Schemellager) mitineinandergreifenden
ringförmigen Ansätzen ausgeführt. Für die aus-
reichende Schmierung der Bolzen, Reibscheiben
und Gleitplatten muß vorgesorgt werden.
Eine zweckmäßige Bauart eines D. ist in
Abb. 303 und 304 dargestellt; der Querschnitt
durch den Drehschemel samt Lager ist in
Abb. 305 gezeichnet. Jede Kippe ist mit zwei
Bolzen an den Trägern des Drehschemels be-
festigt, wovon der untere festgenietet oder ver-
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