Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 462
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Durchbiegungszeichner. - Durchgehende (kontinuierliche) Balken.

Bei Bauwerken über tiefe und rasch fließende
Ströme muß statt der unausführbaren Ver-
senkung der Gewichte auf die Sohle eine Auf-
hängung der Gewichte über dem Wasser-
spiegel Platz greifen.


Ein 5 mm starker Telegraphendraht wird
bei a und b (Abb. 334) um die festen Auf-
lagerkörper der Träger unverrückbar ge-
schlungen und durch Gewichte Q in seiner
Mitte straff gespannt, während der D. an dem
von den Gewichten zur Zwinge Q am Unter-
gurt führenden Draht G geklemmt wird
(s. Wochenschrift d. österr. Ing.- u. Arch.-Ver.
1890). Nowak.
Durchgangsverkehr (through traffic;
traffic en transit; traffico di transito) der
von einer Bahn- oder Schiffslinie kommende
Verkehr, der eine andere Bahn ganz oder
zum Teil durchläuft und auf eine direkte
Bahn- oder Schiffslinie übergeht. Dabei spricht
man sowohl vom D. einer einzelnen Bahn
oder Bahnstrecke, als auch vom D. durch das
Gebiet einer oder mehrerer Verwaltungen.
Du rchgangswagen s. Personenwagen.
Durchgangszug (non-stop-train ; train di-
rect; treno diretto), ein dem Durchgangsverkehr
(s.d.) dienender Zug. Das Wort findet besonders
im Güterverkehr zur Bezeichnung der Züge An-
wendung, die im Gegensatz zu den Orts- oder
Nahgüterzügen (s. d.) Wagen auf größere Ent-
fernungen befördern und deshalb nur auf einer
beschränkten Zahl von Stationen halten (s. Be-
triebssystem unter I und Belgische Eisenbahnen
unter VII). Auf den deutschen Eisenbahnen
werden nach § 26 der Kundmachung 3 des
DEVV. unter D. die Güterzüge verstanden,
die dazu bestimmt sind, beladene und leere
Wagen auf weitere Entfernungen zu befördern,
deshalb nur auf wichtigeren Stationen, ins-
besondere Abzweigungsstationen halten und
gleichzeitig deren Verkehr untereinander ver-
mitteln. Fällt überhaupt jeder Zwischenverkehr
beim Zuge fort, werden also die Wagen von
der Zuganfang- bis zur Zugendstation ge-
schlossen durchgeführt, so bezeichnet man D.
dieser Art auf den deutschen Bahnen als Fern-
g ü t e r z ü g e. B reusing.
Durchgehende Bahnen, im Gegensatz zu
Zweig- oder Sackbahnen, Bahnen, die an ihrem
Anfangs- und Endpunkt an ein anderes Bahn-
netz anschließen.

Durchgehende (kontinuierliche) Bal-
ken (contimioiis girdes ; poutres continues; travi
continui) (Theorie), Balkenträger (s. Balken-
brücken und Eiserne Brücken), die über mehrere
Stützen ohne Unterbrechung hinweggehen, also
an mehr als zwei Punkten so aufgelagert sind, daß
sie nur an einem Punkt festgehalten, an den üb-
rigen Unterstützungspunkten wagrecht ver-
schiebbar sind. Es entstehen dann unter lot-
rechter Belastung an sämtlichen Stützen lot-
recht gerichtete Stützendrücke und in den über
den Zwischenstützen gelegenen Balkenquer-
schnitten Biegungsmomente, die sog. Stützen-
momente. Es genügt, wenn man für eine ge-
gebene Belastung des Trägers entweder sämt-
liche Stützendrücke oder sämtliche Stützen-
momente kennt, da hiermit die äußeren Kräfte
vollständig bestimmt sind und die inneren
Kräfte sich hieraus nach bekannten Regeln
ermitteln lassen. Gewöhnlich werden zunächst
die Stützenmomente berechnet und kann hierzu,
wie weiter unten angegeben, entweder ein
analytisches oder graphisches Verfahren in
Anwendung kommen.
Aus diesen Stützenmomenten bestimmen sich
alsdann die an einem beliebigen Balkenquer-
schnitt angreifenden Kräfte, d. i. die Scheer-
kraft (Querkraft) und das Biegungsmoment,
wie folgt:
Es seien Mr_} und Mr die an zwei be-
nachbarten Stützen des kontinuierlichen Trägers

Abb. 335.

auftretenden Momente; dann ist für den Quer-
schnitt im Abstand x von der linken Stütze
(Abb. 335) das Biegungsmoment
= JH Mr-i —j-Mr -j- .... 1)

M

die Querkraft

Q — (ft -|-

Mr—Mr-l

• • 2)

Hierin bezeichnet jt das Biegungsmoment,
(ft die Querkraft im Querschnitt * für den an
den Stützen unterbrochenen, also frei auf-
liegenden Träger.
Die Momente sind mit positiven und nega-
tiven Vorzeichen einzuführen, je nachdem sie
den Träger nach unten oder oben zu biegen
suchen. Trägt man die Größe des Moments
für eine gegebene Belastung an jedem Quer-
schnitt als Ordinate auf, so erhält man die
Momentenlinie (Abb. 336), welche wie Glei-
chung 1) zeigt, aus jener für den frei auf-
liegenden Träger hervorgeht, wenn man zu
dieser die Abscissenachse so legt, daß an den
Stützen die Momente Mr-j und Mr ent-
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