Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 472
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Durchgehende Wagen. — Durchlässe.

Ausgleich. Sie sind trotzdem gerechtfertigt aus
allgemein wirtschaftlichen Rücksichten, da sie,
wie die Erfahrung bestätigt hat, eine segens-
reiche Belebung des Gesamtverkehrs zur Folge
haben. B reusing.
Durchlässe (culvcrts, deep furrows; rin-
goles, ponceaux; tombini), Bauten in den
Körpern der Land- oder Wasserstraßen
(Eisenbahnen, Wege, Kanäle u. s. w.), die zur
Durchführung von Tag- und Quellwasser, von r
kleinen ständigen Wasserläufen oder auch zum
Durchgang von Personen und oft auch in
Verbindung damit zur Ableitung des Wassers
benutzt werden. Gewöhnlich dienen die D.
zur Abführung des Wassers, zuweilen aber
auch zu dessen Zuführung für Bewässerungs-
zwecke oder für Trink- und Nutzwasser-
leitungen.
D. von ganz geringer Lichtweite werden
auch Dohlen benannt, ohne daß eine scharfe
Grenze zwischen beiden Bezeichnungen an-
erkannt. wäre.
Die Bezeichnung Rampenkanäle wird
für solche D. angewendet, die in Wege
oder Straßen eingebaut werden, die über
das Bahngleis führen und sich zu diesem
Zwecke über die natürliche Bodenfläche er-
heben.
In Deutschland werden (vgl. die Tabelle 5
der im Reichseisenbahnamt bearbeiteten Sta-
tistik der Eisenbahnen Deutschlands) nur Bauten
bis einschließlich 2 m Lichtweite zu den D. ge-
zählt, während die über 2 m weiten Bauwerke
als Brücken bezeichnet werden. In der Schweiz
zählt man noch Bauten mit 5 m Lichtweite j
zu den D., in Frankreich mit 8 nt, in Öster-
reich bis zu 12 m.
I. Lage der D. Naturgemäß legt man die D.
in der Regel an die tiefsten Stellen der Boden-
oberfläche, um eine gründliche Entwässerung
zu bewirken. Dadurch werden sie aber meistens
ziemlich lang, auch müssen sie der hohen
Überschüttung wegen stark angelegt werden und
verursachen infolgedessen bedeutende Her-
stellungskosten. Aus diesem Grund trachtet
man, wo immer es zulässig ist, die D. anstatt
an der tiefsten Stelle der Bodenfläche an
einem Punkt anzulegen, wo die Dammhöhe
geringer ist. Im Hügelland, woselbst die
Dammböschungen nach der Talseite meist
tiefer abfallen als nach der Bergseite, läßt
sich durch zweckmäßige Richtung des D.
häufig eine Verkürzung erzielen. Die Höhe
des Durchlaßeinlaufs wird auch auf die übrige
Länge des D. unter Berücksichtigung eines
schwachen Gefälles festgehalten, und man gibt
dem Bauwerk eine solche Richtung, daß seine

Sohle fortwährend in gewachsenem Boden zu
liegen kommt. Hierdurch wird oft eine zur
Bahnrichtung schräge, zuweilen auch ge-
brochene Linie für die Durchlaßachse bedingt.
Von dem Durchlaßauslauf, der oft beträcht-
lich über die tiefste Bodeneinsenkung zu liegen
kommt, wird das Wasser mittels eines offenen,
in der Regel gepflasterten Gerinnes abwärts
geleitet.
In sehr stark gewelltem Gelände kann man
öfters Bodeneinsenkungen an der Bergseite
des Bahn- oder Straßendamms vollständig auf-
füllen, das Wasser mittels eines in den ge-
wachsenen Boden einzuschneidenden Grabens
am Rand der Muldenauffüllung herumführen
und ohne Gefährdung des regelmäßigen Ab-
flusses an der Stelle, an der im Bahn- oder
Straßenkörper Auf- und Abtrag wechseln, mit
einem kurzen D. durchleiten. Manchmal läßt
sich in solchen Fällen für eine einzelne Boden-
einbuchtung ein D. ganz ersparen, indem man
das Wasser, wie eben beschrieben, um die
Muldenauffüllung herum und durch den fol-
genden Einschnitt hindurch einem in der
nächsten Bodenmulde ohnehin anzulegenden
D. zuleitet. Bei solcher Verlegung bestehender
Wasserläufe muß aber mit besonderer Vor-
sicht verfahren werden.
Die Durchlaßachse wird in der Regel recht-
winklig zur Richtung der Bahn oder Straße
angeordnet; nur, wenn dies aus besonderen
Gründen nicht möglich, oder wie in einem
oben angeführten Fall nicht zweckmäßig ist,
wendet man schiefe D. an, die aber wegen
ihrer größeren Länge und der schwierigeren
Ausführung der Ein- und Ausläufe (Durchlaß-
häupter) in der Regel teurer zu stehen
kommen als rechtwinklige D. Bach- und
Grabenverlegungen, deren Kosten gegenüber
jenen der D. meist nur wenig ins Gewicht
fallen, brauchen nicht gescheut zu werden,
wenn damit eine günstigere Lage des D.
erzielt werden kann.
II. Lichter Querschnitt. Lichte Weite und
lichte Höhe eines D. hängen von dem be-
sonderen Zweck ab, für den er errichtet wird;
bei Wasserläufen somit von der Menge des
durchzuführenden Wassers und bei Personen-
durchgängen von der für Personen nötigen
Höhe und Breite. Für letztere Abmessungen
werden als Mindestmaß für 1 Person P8 m
und 07 m anzunehmen sein, bei größerem
Verkehr, wobei auch ein Ausweichen im D.
in Rücksicht gezogen werden muß, 2-0 — 2*5 tn
und 1*2 — 1*5 tn.
Ausschlaggebend für den lichten Querschnitt
eines D. kann auch Rücksichtnahme auf die
Möglichkeit entsprechender Reinigung sein.
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