Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 473
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1 cm
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Durchlässe.

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Bei kurzen D., die mit Stangen gereinigt wer-
den können, spielt dies keine Rolle; bei
langen D. wird man aber die Abmessungen
immer so groß machen, daß sie passierbar
»sind, weshalb man bei rohrförmigen D. nicht
unter einen inneren Durchmesser von 60 cm,
bei 1 echteckiger Querschnittsöffnung nicht
unter 80 an lichter Höhe und 60 cm lichter
Weite gehen kann.
Bei jedem D. ist zu erwägen, ob die oben
erwähnten Mindestabmessungen auch der
größten für den Durchfluß zu erwartenden
Wassermenge genügen, oder ob für diese
größere Weiten und Höhen der D. erforder-
lich sind.
Zur richtigen Bestimmung dieser Maße hält
man sich, wo möglich, an bereits bestehende,
in der Nähe befindliche Bauwerke, von denen
bekannt ist, daß ihre Durchflußflächen dem
Bedürfnis genügt haben. So können bei Er-
bauung neuer Eisenbahnen die D. in der
Nähe sich hinziehender Straßen, die den auch
von der Bahn gekreuzten Wasserläufen dienen,
meist für die Bahndurchlässe ein richtiges
Maß der Durchflußweiten geben, wenn die
bislang mit den Straßendurchlässen gemachten
Erfahrungen entsprechend berücksichtigt werden.
Die wertvollsten Anhaltspunkte für die Be-
messung der Durchlaßweiten größerer Wasser-
läufe bietet stets, soferne Zeit und Gelegenheit
gegeben ist, die Beobachtung der Hochwasser-
stände. Wenn dies nicht tunlich ist und auch
alle anderen Anhaltspunkte für die Bestimmung
der Durchflußöffnung fehlen, empfiehlt es sich,
auf das Niederschlagsgebiet zurückzugehen.
Diese Niederschlagsgebiete lassen sich für jeden
D., da es sich hier in der Regel um beschränkte
Gebiete handelt, durch eine selbst ganz ober-
flächliche Geländeuntersuchung mit annähern-
der Richtigkeit leicht und rasch bestimmen
und in die vorhandenen Lagepläne ein-
zeichnen.
Ist die größte Abflußmenge M bestimmt, so wird
der lichte Querschnitt F des D. bis auf Wasserhöhe
mit Hilfe einer der bekannten Formeln für die Ge-
schwindigkeit v des Wassers in Gerinnen (von
Darcy und Bazin, Ganguillet und Kutter u. a.) be-
rechnet und das Abflußprofil im D. gefunden aus
M
F — ' worin g der Kontraktionskoeffizient (0*8
bis 0*5) ist und F so gewählt werden muß, daß v
in keinem Fall, auch nicht infolge von Stauung des
Wassers vor dem D. wesentlich größer wird als
3 m. Bei Überschreitung dieser Grenze sind Aus-
kolkungen im D. selbst, namentlich an dessen Aus-
lauf ohne besondere Vorsichtsmaßregeln schwer zu
vermeiden. Für gewöhnliche Rohrdurchlässe wird
die Bestimmung des Querschnitts ebenfalls wie bei
offenen Gerinnen vorgenommen; nur für sehr lange
und verhältnismäßig enge Rohre, deren Einfluß-
öffnung bei Hochwasser ganz unter Wasser gesetzt
sein kann, ist dieser Querschnitt nach den Formeln

über die Bewegung des Wassers in geschlossenen
Rohren zu berechnen.
III. Länge und Gesamthöhe. Die Länge
eines D., zu dem auch dessen Abschlüsse
gegen die Dammschüttung am Ein- und Aus-
lauf (Flügel) gehören, ist abhängig von den
Schnitten der Durchlaßsohle mit den beider-
seitigen Dammböschungen.
Bei kleinen mit Platten gedeckten D. oder
bei Rohrdurchlässen hängt die Höhe lediglich
von dem für den Durchlaßzweck nötigen
lichten Querprofil ab. Bei gewölbten D. kann
es aber vorteilhaft erscheinen, dem D. eine
größere als für den unmittelbaren Zweck er-
forderliche Höhe zu geben, da sich hierdurch
das Durchlaßgewölbe verkürzt, die Kosten
der Dammaufschüttung geringer ausfallen und
wohl auch in manchen Fällen hiernach die
Gewölbestärke abnehmen kann. Es wird dann
eine bestimmte Höhe des D. geben, bei der
sich die Vor- und Nachteile der einen oder
anderen Anordnung ausgleichen und die
kleinsten Gesamtherstellungskosten eintreten.
Man findet diese am besten durch Veran-
schlagung der ungefähren Gesamtkosten Kv
K2 und AT3 des D. für drei verschiedene
Flöhen, worunter sich auch die Kosten des
mindest hohen D. befinden, der den sonst
bestehenden Verhältnissen noch entspricht.
Trägt man diese Kosten als Ordinaten über
den zugehörigen Durchlaßhöhen als Abszissen
auf, so kann man aus der dadurch bestimmten
Kurve mit einer gewissen Annäherung jene
Durchlaßhöhe ermitteln, für die sich die
kleinsten Kosten ergeben.
IV. Einfall- oder Einlaufschächte.
Wenn Straßen oder Eisenbahnen an steilen
Lehnen liegen, so kann oft ein durch erstere
gelegter D. seinen Einlauf nur mittels eines
Schachtes (Fallkessels) erhalten. Dasselbe ist
der Fall, wenn zwischen Ober- und Unter-
haupt des D. noch das Wasser eines Seiten-
grabens aufgenommen werden muß, wie da^
häufig vorkommt, wenn neben einer Bahn
eine durch einen Graben getrennte Straße
hinführt und beide einen gemeinschaftlichen
D. erhalten sollen. Dem Fallkessel gibt man
dieselbe Breite wie dem D. und mindestens
eine solche Länge, daß der Schacht für das
Räumen bei Verstopfungen zugänglich ist.
Alle Einfallschachte erfordern eine besonders
solide Mauerung der Umfassungswände und
eine sorgfältige Gründung und Pflasterung
des Sturzbettes. Bei vorhandenem gesunden
Fels kann der Fallkessel in diesen selbst ein-
gebrochen werden.
V. Die einzelnen Arten der D. Die
D. teilen sich nach dem Material, aus dem
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