Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Dritter Band): Braunschweigische Eisenbahnen - Eilgut — Berlin, Wien, 1912

Page: 496
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Eilgut.

Art. 42, 55, 56, 69, 72, 73 des niederländischen
Reglements vom 4. Januar 1901 und § 43, 46,
47, 49, 53, 55, 56, 59, 67, 74 des schweizeri-
schen Transportreglements v. 1. Jänner 1894).
Die Eilgutfrachtbriefe sind in Deutschland,
Österreich und Ungarn sowie in der Schweiz
auf weißem Papier mit roten Streifen, in den
Niederlanden auf rotem Papier gedruckt.
In Deutschland kann E. gegen erhöhte
Gebühren als „beschleunigtes E." aufgegeben
werden. Dieses wird vorzugsweise vor anderem
E. mit den günstigsten, von der Eisenbahn
dafür freigegebenen Zügen befördert.
Bei den österreichischen und ungari-
schen Bahnen unterscheidet man Schnell-
zugseilgut, ferner gewöhnliches E., ermäßigtes E.,
zu dem die meisten leicht verderblichen Lebens-
mittel gehören, und besonders ermäßigtes E.
(leere Emballagen).
Die Aufgabe und Abholung von E. ist bei
den Bahnen der genannten Länder an Wochen-
tagen in der Regel auch zu späteren als den
für Frachtgut festgesetzten Stunden sowie an
Sonn- und Feiertagen vormittags zulässig.
Die Beförderung erfolgt in der Schweiz
in der Regel mit Personenzügen (mit Güter-
zügen nur, wenn dabei die Lieferfrist gleich-
wohl eingehalten werden kann), in Deutsch-
land, Österreich und Ungarn sowie den Nieder-
landen zum Teil mit Personenzügen, zum Teil
mit Güterzügen (Eilgüterzügen).
Die Eisenbahnen haften auch bei Einrichtung
beschleunigter Eilgutkurse mit festen Fahr-
plänen in der Regel nur für die Einhaltung
der reglementarischen Lieferfristen.
ln Belgien, Frankreich und Italien gelten
für die Beförderung von E. zum Teile ab-
weichende Bestimmungen.
Bei den belgischen Staatsbahnen besteht
ein besonderer beschleunigter Beförderungs-
dienst (service accelere), der im Wesen dem
Eilgutdienst entspricht. Für diesen Dienst sind
die Bestimmungen des Tarifes II maßgebend.
Letzterer findet bei Sendungen bis zum Ge-
wichte von 200 kg Anwendung, wenn der Ab-
sender nicht einen anderen Tarif vorschreibt.
Die Aufgabe erfolgt mit Bulletin d’expedition,
die Beförderung gewöhnlich mit Personen-
zügen.
In Frankreich muß E. mit dem ersten,
alle Wagenklassen führenden Personenzuge,
der Anschluß nach der Bestimmungsstation
hat, befördert werden, sofern es mindestens
3 Stunden vor der für die Abfahrt des Zugs
festgesetzten Zeit zur Aufgabe gelangt ist;
andernfalls wird es mit dem nächsten Zuge
befördert. Für die Expreßzüge und bestimmte
Postzüge ist diese Vorschrift nicht ver-

bindlich; solche Züge werden in den Fahr-
plänen besonders bezeichnet. Ferner sind Zu-
schlagsfristen von 3, bzw. 6 Stunden für
Übergänge von einem Bahnnetz auf das
andere vorgesehen. Die Auslieferung erfolgt
2 Stunden nach Ankunft des Zuges.
In Italien ist E. mit besonderem Fracht-
brief (Nota di spedizione), der auf blauem
Papier gedruckt ist, zur Aufgabe zu bringen.
Güter im Einzelgewicht bis zu 50 kg werden
mit Personen-, gemischten und Lokalzügen
nach den dafür festgesetzten Fahrplänen be-
fördert, wenn die ordnungsmäßige Aufgabe
der Güter auf der Abgangsstation wenigstens
2 Stunden vor der fahrplanmäßigen Abfahrt
des betreffenden Zuges stattgefunden hat, oder
aber mit dem nächsten gleichartigen Zug,
wenn die Aufgabe verspätet erfolgt ist. Bei
Gütern im Gewicht von nicht über 10 kg
genügt gewöhnlich, mit Ausnahme der Fälle
eines großen Verkehrsandrangs, die Aufgabe
bis 1 Stunde vor Abgang des betreffenden
Zuges.
Bei Gütern im Einzelgewicht von mehr als
50 kg findet die Beförderung binnen 18 Stunden
nach der ordnungsmäßigen Aufgabe unter Be-
obachtung der festgesetzten Aufgabszeiten statt.
Bei den englischen Bahnen besteht E.
im eigentlichen Sinne nicht, und tritt hier
der Paketverkehr (Parcelsverkehr), der sich
ebenso schnell wie der festländische Eilgut-
verkehr abwickelt, an dessen Stelle. Durch
das Tarifgesetz von 1891 (Railways Rates and
Charges Act of 1891) sind die Bahnen ver-
pflichtet, gewisse Parcels, insbesondere Lebens-
mittel, mit Personenzügen zu befördern.
In Amerika ist die Beförderung von E.
mit Personenzügen meist Sache der Expreß-
gesellschaften.
Die Beförderung von E. spielt, was die
verfrachtete Gesamtmenge und die Einnahme
anbelangt, gegenüber dem gewöhnlichen Fracht-
gutverkehr eine verhältnismäßig untergeordnete
Rolle. So beträgt bei den deutschen Bahnen
das beförderte E. und Expreßgut kaum 1 % des
gesamten gegen Frachtberechnung zur Beför-
derung gelangenden Guts, die Einnahme hier-
aus nur 4 °lo der Gesamteinnahme aus dem
Frachten verkehr.
Bei den österreichischen Bahnen belief sich
1910 das beförderte E. auf 1*1 %, bei den
ungarischen Staatsbahnen auf P5 %, bei den
schweizerischen Bahnen auf PI % der ge-
samten zur Beförderung gelangten Güter-
mengen. Die Einnahme betrug bei den öster-
reichischen Bahnen 5-6%, bei den ungarischen
Staatsbahnen 5-2% der Gesamteinnahme aus
dem Güterverkehr. v. Rinaldini.

Druck von Christoph Reisser’s Söhne, Wien V.
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