Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

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p.

Personentunnel (sabway;tunnelä voyageurs;
sottopassagio viaggiatori), unter dem Bahnkörper
geführter Verbindungsgang, der es ebenso
wie die Personenbrücke (s. d.) in Verbindung
mitTreppen oder seltener Rampen den Reisenden
ermöglicht, vom Bahnhofszugang zu den Bahn-
steigen und von den Bahnsteigen zum Bahnhofs-
ausgang sowie beim Umsteigen von Bahnsteig
zu Bahnsteig zu gelangen, ohne Gleise in Schie-
nenhöhe überschreiten zu müssen. Zuweilen
dient ein solcher von der Eisenbahn angelegter
Tunnel auch nebenher oder ausschließlich dem
Verkehr von Bahnbediensteten oder dem mit den
Bahnzwecken nicht unmittelbar zusammenhän-
genden öffentlichen Verkehr.
Die Breite der P. muß mindestens so viel
betragen, daß 2 Reisende mit Handgepäck einan-
der begegnen können, also auch bei schwächstem
Verkehr nicht unter 1*5 — 2 ///. Bei mittleren
Verhältnissen genügen Breiten von 4 — 6 m, bei
großem Verkehr findet man Breiten von 10 tn
und mehr. Die Bahnsteigtreppen (Rampen)
bedürfen erheblich geringerer Breite als die P.,
weil der Verkehr sich auf mehrere Bahnsteige
verteilt, auch meist 2 Treppenarme für jeden
Bahnsteig angelegt werden. Wo dies zutrifft,
dürften je nach der Verkehrsgröße Treppen-
breiten von P5 —4 tn in der Regel ausreichen.
Zu große Breiten solcher Treppen schränken
die nutzbare Breite des Bahnsteigs unnötig stark
ein. Anders ist dies mit einseitigen, an den Bahn-
steigenden gelegenen Zugangstreppen, für die
eine größere Breite erwünscht und zugleich un-
schädlich ist. Die geringste zulässige Lichthöhe
der P. kann man etwa zu 2*30 tn annehmen,
wodurch sich bei knappster Bauart in Eisen,
falls man das Schotterbett durchführt, die ge-
ringste Höhe zwischen Tunnelsohle und Schie-
nenunterkante etwa zu 3 tn ergibt. Bei weniger
knapper Eisenkonstruktion der Gleisbrücken
oder bei deren Ausführung in Eisenbeton oder
in Steingewölben sowie bei reichlicherer Be-
messung der lichten Tunnelhöhe steigt die Ge-
samthöhe von Tunnelsohle bis Schienenunter-
kante auf 3*5 —4-5 tn und mehr. Bei breiten
P. (auf großen Bahnhöfen) wird man des bes-
seren Eindrucks wegen nicht die knappste
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. VIII.

Lichthöhe wählen. Anderseits vermehrt jede
Vergrößerung der Höhe die Unbequemlichkeit
des Treppensteigens für die Reisenden, na-
mentlich, soweit sie abwärts und aufwärts zu
steigen haben.
P. haben Personenbrücken gegenüber den
Vorteil, daß sie nicht, wie diese, die Über-
sicht über die Bahnanlagen und insbesondere
die Sichtbarkeit der Signale beeinträchtigen.
In zweifelhaften Fällen wird man also erstere
vorziehen. In der Regel wird man aber die
Wahl zwischen Brücke oder Tunnel im Ein-
klang mit der Lage der Bahnsteiganlage zum
Gelände treffen. P. kommen fast ausschließ-
lich als Quertunnel zur Anwendung. Für
ihre Anordnung ist es erwünscht, daß die
Bahnsteige und Gleise so hoch über dem
Gelände liegen, daß der Zugang zu einem
unter den Gleisen hinwegkreuzenden Tunnel
ohne abwärts führende Treppen geschehen
kann, somit mindestens 3 m unter Schienen-
unterkante liegt. Eine etwas größere Höhe
kann erwünscht sein, um dem P., namentlich
wenn er breit ist, eine größere Lichthöhe
geben zu können. Eine etwas kleinere Höhe,
als vorangegeben, kann durch Einlegen einer
leichten Neigung zwischen Bahnhofeingangs-
halle bzw. Ausgangshalle und Tunnelsohle
fast unmerklich ausgeglichen werden. Liegt da-
gegen die Bahnanlage ganz oder annähernd in
Geländehöhe, mithin die Eingangs- und Aus-
gangshalle etwa in Bahnsteighöhe, so müssen
die Reisenden auf ihrem Weg zu oder von
den Bahnsteigen erst etwa ebenso tief mittels
Treppe oder Rampe in den Tunnel hinabsteigen,
wie sie dann zum Bahnsteig wieder hinaufklettern
müssen. Diese Anordnung findet sich auf vielen
älteren Bahnhöfen, wo man nachträglich die
Tunnel eingebaut hat. Bei Neuanlagen und bei
größeren Umbauten sollte man bestrebt sein,
diese Belästigung der Reisenden durch Hoch-
legen der Gleise zu vermeiden. Für Umsteigen
mit Bahnsteigwechsel ist allerdings das doppelte
Treppensteigen unumgänglich. Man kann jedoch
durch geeignete Verteilung der Bahnsteiggleise
auf die Bahnsteigkanten den Bahnsteigwechsel
beim Umsteigen in vielen Fällen entbehrlich
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