Röll, Victor von [Editor]
Enzyklopädie des Eisenbahnwesens: herausgegeben von Dr. Freiherr v. Röll (Achter Band): Personentunnel - Schynige Platte-Bahn — Berlin, Wien, 1917

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Personentunnel. - Personenverkehr.

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Abb. 16.

eine besonders geringe Bauhöhe ergibt. Statt dessen
sind auch sehr empfehlenswert die neuerdings immer
mehr in Aufnahme gekommenen Überdeckungen
aus Walzträgern in etwa 30 — 80 em Abstand mit
zwischengestampftem Beton und wasserdichter As-
phaltabdeckung. Diese Ausführungsweise bietet
namentlich dort manche Vorteile, wo ein Tunnel unter
im Betrieb befindlichen Gleisen ohne Betriebsunter-
brechung eingebaut werden soll. In den letzten
Jahren sind in Österreich mehrere solche P. aus
Anlaß der Auflassung von Wegübergängen in Schie-
nenhöhe eingebaut worden. Bei großen Tunnel-
breiten hat man diese Bauweise auch als Querkon-
struktion genieteter Hauptträger angewendet (so
auf Bahnhof Karlsruhe, Abb. 16). Nicht empfehlens-
wert sind die früher vielfach angewendeten Zwillings-
träger.
Unter den Bahnsteigen ist die Bauhöhe niemals
beschränkt, außerdem die Belastung geringer. Man
hat daher häufig hier eine abweichende leichtere
Bauweise gewählt, auch dem Tunnel hier eine größere
Lichthöhe gegeben. Doch empfiehlt es sich dann, die
beiden Überdeckungen unter Wahrung des wasser-
dichten Anschlusses völlig voneinander zu trennen,
damit nicht infolge der verschiedenen Belastung und
verschiedenen Durchbiegung Risse entstehen.
Den P. wird Licht durch die Treppenöffnungen
zugeführt, deren Überdachung daher lichtdurchlässig
(mit viel Glas, auch als Fenster in ihren Seiten-
wänden) hergestellt werden muß. Wo diese Art
der Lichtzuführung, z. B. bei großer Entfernung
der I reppenöffnungen nicht ausreicht, bringt man
zwischen den Gleisen Oberlichter an, legt auch
wohl in die Bahnsteigfläche da, wo der Tunnel dar-
unter hinwegkreuzt, Glasplatten ein oder ordnet in
den Bahnsteigmauern hoher Bahnsteige Fenster an.
Die Beleuchtung bei Dunkelheit richtet sich nach
der sonst auf dem Bahnhof verwendeten Beleuch-
tungsart und erfolgt auf großen Bahnhöfen jetzt in
der Regel elektrisch.
Die Bahnsteigtreppen münden auf 2seitig be-
nutzten Bahnsteigen in der Regel in deren Achse,
auf einseitig benutzten Bahnsteigen an der Hinter-
kante. Je nach der Steighöhe schaltet man in

die Treppen 1 oder 2 Podeste ein.
Rampen statt der Treppen sind in
England sehr üblich. Sie erhalten
dort gewöhnlich 1/10 Steigung,
höchstens 78. Der Vorteil solcher
Rampen liegt in dem bequemeren
Ersteigen. Doch verursachen sie
anderseits in vielen Fällen weitere
Wege, weshalb sie wohl auf dem
europäischen Festland nur verein-
zelt zur Anwendung gekommen
sind. Ein Hauptbeispiel bietet der
Bahnhof Basel S. B. B.
Literatur: v. Beyer, Bahnsteige,
B. u. s. w. Eis. T. d. G. II, 3, Wies-
baden 1899. — Cauer, Personenbahn-
höfe. Berlin 1913. - Kumbier, Bahn-
steige, B. u. s. w. Eis. T. d. G. II, 3,
I, 2.Aufl.,Wiesbaden 1909. — Nowak,
Tunnelbau. Hb. f. Eisenbetonbau, Bd.
VII, 2. Aufl., Berlin 1912. - Oder,
Hb. d. Ing. W. V, 4, II, Leipzig u.
Berlin 1914. Cauer.
Personenverkehr (passenger-traffic; trafic
des voyageurs; traffico dei viaggiatori). Unter
P. wird im allgemeinen die Beförderung von
Reisenden und ihres Gepäcks verstanden. Die
deutschen Bahnen rechnen auch die Beförderung
von Hunden in Begleitung von Reisenden, die
österreichischen Bahnen außerdem die Beför-
derung von Land- (Straßen-) und Wasser-
fahrzeugen und von Pferden in Personenzügen,
die englischen und französischen Bahnen auch
die Post- und Eilgutbeförderung zum P. (In
Frankreich wird der P. nebst Gepäck- und
Eilgutverkehr als „grande vitesse" zusammen-
gefaßt, im Gegensatz zum Güterverkehr, der
als „petite vitesse" bezeichnet wird.)
1. Einteilung. Der P. läßt sich ähnlich wie
der Güterverkehr als Binnen-, Wechsel-, Ver-
bands- und Durchgangsverkehr unterscheiden.
Weiter unterscheidet man Nah- (Vorort-) und
Fernverkehrsowie inner- und zwischenstaatlichen
Verkehr. Von besonderer Wichtigkeit ist im
P. die Unterscheidung nach Wagenklassen und
Zuggattungen, sowie danach, ob volle oder
ermäßigte Tarifsätze zur Anwendung kommen.
In der Statistik des P. wird in der Regel
noch zwischen Personenbeförderung des öffent-
lichen Verkehrs und Militärbeförderung unter-
schieden. Den Verkehr auf Freikarten und
Freischeine, die für Bahnbedienstete und andere
Personen ausgestellt werden, umfaßt die Stati-
stik gewöhnlich nicht.
2. Eigenart des P. Der P. bildet einen
Verkehrszweig, der vermöge seiner Eigenart
im allgemeinen eine vollständige Trennung
vom Güterverkehr und die Bedienung durch
besondere Züge erfordert. Auf verkehrsreichen
Bahnstrecken sind für den P. vielfach besondere
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